Bewertung: 9
Collins, Suzanne

Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele

"Panem, das Land, das aus den Trümmern dessen erstand, was einst Nordamerika genannt wurde."

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Inhalt

Nordamerika in der fernen Zukunft: die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Durch Naturkatastrophen und Kriege zerstört, ist aus den Trümmern Panem entstanden. Eine Welt, in der das Kapitol an der Macht ist und mit Argusaugen über zwölf Distrikte wacht. Um die einzelnen Distrikte stets aufs Neue an die Vergangenheit zu erinnern, in der zahlreiche Menschen während einer Rebellion getötet und der dreizehnte Bezirk zerstört wurde, finden jährlich die Hungerspiele statt. Vor laufenden Kameras müssen sich vierundzwanzig Tribute – zusammengestellt aus jeweils einem Mädchen und einem Jungen eines Distrikts – gegenseitig töten, bis nur noch einer von ihnen übrig bleibt. Dem Gewinner winkt dabei nicht nur das eigene Überleben, sondern ein (sorgenfreies) Leben im Luxus.

Als die sechszehnjährige Katniss mit ansehen muss, wie ihre kleine Schwester Prim per Losverfahren ausgewählt wird, fackelt sie nicht lange und meldet sich freiwillig. Lieber stirbt sie selbst, als miterleben zu müssen, wie ihre zartbesaitete Schwester ohne jegliche Chance zum Tode verurteilt wird. Schließlich ist Katniss eine erfahrene Jägerin und die Ernährerin ihrer vaterlosen Familie. Doch sie hat nicht mit dem männlichen Tribut Peeta gerechnet, der ihr einst in einer schweren Stunde das Leben rettete ... und den sie nun töten muss, wenn sie überleben will. Für Katniss beginnt ein "Spiel" um Leben und Tod, Freundschaft und Liebe, Misstrauen und Verrat.

Kritik

"Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele" könnte man als Überraschungshit des Jahres 2009 unter den Jugend-Fantasyromanen bezeichnen – für Jung (bedingt) und Alt bestens geeignet. Tiefgründig, fesselnd und gefühlvoll erzählt Suzanne Collins eine Zukunftsgeschichte, die in ihrem Grundgerüst nicht wirklich neu ist, aber trotzdem auf besondere und verstörende Weise zu unterhalten weiß. Eigentlich ist es ziemlich schwierig, das Buch in nur ein Genre pressen zu wollen, denn es bedient eine breite Palette: von Fantasy über Science-Fiction, von Drama bis Romantik, findet man hier alles, was das Leserherz begehrt. Somit dürfte für jeden etwas dabei sein, inklusive schlafloser Nächte.

Im ersten Band ihrer geplanten Trilogie katapultiert Collins den Leser in eine düstere und weit entfernte Zukunft, die sich von unserer Welt zwar unterscheidet, ihr aber gar nicht mal so unähnlich ist. Mit viel Geschick greift sie Probleme der heutigen Gesellschaft auf, in der die Medien immer weiter in den Vordergrund rücken und alles filmen, was das menschliche Auge begehrt, getreu dem Motto "Big Brother is watching you". Man denke nur an Plattformen wie YouTube, wo sich jeder in einer peinlichen und vielleicht auch ungewollten Situation wiederfinden kann. Oder an das Dschungelcamp, in dem sich die Stars von Gestern freiwillig (oder vielleicht auch unfreiwillig) zum Gespött der breiten Masse machen, um ihren Geldbeutel ein wenig aufzupolstern. Nur, dass Collins in ihrer an das frühe Rom angelegten Zukunftsgeschichte einen riesigen Schritt weiter geht – die Hungerspiele sollen nicht nur unterhalten, sondern ein Zeichen setzen. Widerstand ist zwecklos!

Sozialkritisch und authentisch wird hier nicht nur die Grenze zwischen Arm und Reich (Hungersnöte in den Distrikten, Schönheitsoperationen im Kapitol), die Brutalität und der Überlebenskampf perspektivloser Jugendlicher (die Tribute untereinander) sowie die Sensationslüsternheit einiger TV-Formate (Wetteinsätze begeisterter Zuschauer während der Hungerspiele) fokussiert, vielmehr geht es um Werte und Moral, um bedingungslose Liebe und Freundschaft, verpackt in eine konfliktreiche, spannungsgeladene und emotionale Kulisse.

Mit der sechszehnjährigen Katniss Everdeen schickt Collins eine willensstarke und gleichzeitig mitfühlende Kandidatin ins Rennen. In der Ich-Perspektive geschildert, fällt es nicht schwer, sich in die Gefühlswelt der leicht temperamentvollen Tributin hineinzuversetzen, die eigentlich nur eines will: Überleben, für sich und ihre Schwester Prim. Katniss und Prim hatten es von Anfang an nicht leicht. Im Armenviertel des zwölften Distrikts aufgewachsen, musste insbesondere Katniss die Führung in der Familie übernehmen und für Nahrung und Kleidung sorgen. Denn nachdem ihr Vater bei einem Mieneneinsturz ums Leben kam, verfiel ihre Mutter in eine tiefe Depression und überließ die beiden Mädchen sich selbst. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Katniss, die bereits im Alter von zwölf Jahren ihr eigenes Schicksal in die Hände nehmen musste, nun versucht, ihre jüngere Schwester zu beschützen, obgleich sie damit ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet.

Collins findet einen guten Weg ihre Heldin erstrahlen zu lassen und dass, obwohl die Story an sich keinen wirklichen "Helden" hat. Immerhin muss getötet werden, um zu überleben. Der wahre Feind, das gesichtslose Kapitol, operiert nämlich im Hintergrund und zieht von dort aus geschickt die Fäden. Doch wie Katniss einen Tribut nach dem anderen überdauert und am Schluss vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt wird, geht eindeutig nicht auf Kosten ihrer Sympathie. Ganz im Gegenteil, jede Minute fiebert man mir ihr mit und könnte sich dabei das Nägelkauen wieder angewöhnen, vor allem, wenn es in die Freilichtarena – ein Waldgebiet ausgestattet mit Kameras und tödlichen Fallen – geht und so gut wie jedes Kapitel mit einem Cliffhanger aufwartet. Spannender und nervenaufreibender geht es kaum noch.

Eine weitere interessante Konfliktsituation bietet der männliche Tribut Peeta, der ebenfalls in Distrikt zwölf aufgewachsen ist und als Bäckerssohn, im Vergleich zu Katniss, einen etwas leichteren Lebensstart hatte. In der Arena zeigt sich jedoch rasch, wer die stärkeren Nerven und Fähigkeiten besitzt und da ist es gleich, wer man vorher war oder was man besessen hat. Allerdings liegt sein Vorteil darin, dass er Katniss einst zur Seite stand und sie sich nun in seiner Schuld fühlt. Seine Motivation bleibt stets undurchschaubar und dennoch wächst auch sein Charakter einem schnell ans Herz. Aber kann Katniss ihm vertrauen oder spielt er nur ein falsches Spiel, um am Ende zu siegen? Immerhin gesteht er ihr noch einen Tag zuvor seine Liebe, und das vor laufenden Kameras. Alles nur Schein oder Sein? Schließlich brauchen die beiden Tribute genug Sponsoren, die sie während der Spiele mit ausreichend Nahrung und tödlichen Waffen versorgen. Eine gut durchdachte Strategie kann da nicht schaden. Insbesondere, da ihr Mentor Haymitsch, der einzig überlebende Tribut aus ihrem Distrikt, immer mal gerne zur Flasche greift und anfangs keine große Hilfe zu sein scheint.

Für mich ist dieses Buch eines der Besten der letzten Jahre. Suzanne Collins hat eine beeindruckende und aufrüttelnde Geschichte kreiert, die gleichermaßen unterhält und nachdenklich stimmt. Die Charaktere wirken gut ausgearbeitet und man kann sich ihnen, allen voran der Hauptprotagonistin Katniss, nur schwer entziehen. Das Ende hält noch einige Fragen offen und kommt auf den ersten Blick zwar ein wenig unbefriedigend daher, macht aber definitiv Lust auf den zweiten Band "Die Tribute von Panem. Gefährliche Liebe".

Fazit

"Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele" ist ein Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Suzanne Collins überzeugt mit einer starken Heldin, einem einfallsreichen Plot sowie gesellschaftskritischen Themen, die aktueller sind denn je. Ein mehr als gelungener Auftakt der Panem-Trilogie. Empfehlenswert für Bücherwürmer (aufgrund der Geschehnisse) ab ca. vierzehn Jahren.

Zur Rezension von Band 2 "Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe"
Zur Rezension von Band 3 "Die Tribute von Panem - Flammender Zorn"

Doreen B. - myFanbase
01.12.2010

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