Bewertung: 8
Wilde, Oscar

Das Bildnis des Dorian Gray

"Es war eine wahnsinnige Parodie, eine infame, gemeine Satire. Er hatte das niemals gemalt. Und dennoch: es war sein Bild. Er wusste es, und ihm war, als ob sein Blut sich in einem Augenblick aus Feuer in zähes Eis verwandelt hätte."

Foto: Copyright: S. Fischer Verlag GmbH
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Inhalt

Der reiche und außerordentlich schöne, junge Dorian Gray äußert bei einer Portraitierung seiner selbst den Wunsch, niemals alt zu werden. Statt dessen solle doch der Verfall seiner Schönheit das Bild treffen. Sein Wunsch wird erhört.

Unter dem Einfluss des etwas sarkastischen Lord Henry Wottons und einem Buch wird aus dem naiven Jüngling ein moralloser Mensch. Während Dorian Gray tatsächlich seine äußere Schönheit beibehält, spiegeln sich die Abgründe seiner Seele in seinem Portrait wider. Bereits nach seiner ersten schlechten Tat ist die Figur auf dem Bild so entstellt, dass Gray dieses auf den Dachboden verbannt. Für den einzigen Menschen, der es noch so verändert sieht, endet die Begutachtung tragisch. Dorian Gray wird zu einem oberflächlichen Menschen ohne Skrupel.

Kritik

Oscar Wild, der selbst homosexuell war und dafür sogar ins Gefängnis musste, schafft es das Thema der Homosexualität versteck in dem Roman einzubauen. Er beschreibt immer wieder die besondere Schönheit des männlichen Körpers. Er spricht von "welligem Goldhaar" und "feingeschwungenen, dunkelroten Lippen". Der Maler des Portraits ist von der Schönheit des jungen Mannes hingerissen. Die wundervolle, blumige Sprache des Autors tut ihr übriges.

Die Geschichte nimmt außerdem den Grundgedanken der wahren Schönheit auf. Diese kommt nicht unbedingt von außen, sondern von innen. Selbst der schönste Mensch kann einen abgrundtief hässlichen Charakter haben. Es wird beschrieben, was mit einem Menschen passiert, der ohne Gewissen und Moral lebt.

Die schlechten Taten sprechen sich rum und die feine englische Gesellschaft meidet den hübschen Gray. Doch irgendwann holt jeden das schlechte Gewissen doch ein. Man kann ihm letztendlich nicht entfliehen, auch in diesem wunderbaren, leicht mystischen Roman nicht.

Fazit

Ein faszinierendes, spannendes Buch über die menschlichen Abgründe und "wahre Schönheit".

Antje van Uden - myFanbase
17.10.2010

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