Bewertung: 5
Follett, Ken

Eisfieber

Der Mitarbeiter des schottischen Gentechniklabors Oxenford Medical erscheint nach seinem Urlaub nicht zur Arbeit. Die ehemalige Polizistin Toni Gallo, die in diesem Hochsicherheitslabor als Sicherheitschefin arbeitet, reagiert misstrauisch...

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Inhalt

Nachdem sie den Fehlbestand einer gefährlichen Virusprobe entdeckt hat, sucht sie nach dem Labormitarbeiter. Als sie ihn tot auffindet wird schnell klar, dass er ein Versuchstier, das mit dem tödlichen Virus Madoba-2 infiziert war entwendet hatte, da er einer dubiosen Tierschutzorganisation angehörte.

Durch geschickte Pressearbeit kann Toni jedoch den Ruf des Labors und den seines Besitzers Stanley Oxenford, in den sie heimlich verliebt ist, retten.

Als in der Weihnachtsnacht 2 Tage später das Labor jedoch von 4 Personen überfallen wird und alle Proben von Madoba-2 entwendet werden, steht nicht mehr nur der Ruf des Unternehmens sondern die Sicherheit der ganzen Bevölkerung auf dem Spiel. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Kritik

Als ich das Buch aufklappte, freute ich mich eigentlich auf einen nervenaufreibenden Thriller, der mich für einige Stunden geradezu an die Couch fesseln würde. Immerhin versprach der Klappentext mir, dass es um den Raub eines tödlichen Virus und dessen unsachgemäße Verwendung für einen Terroranschlag ginge. Gemütlich kuschelte ich mich also ein und begann zu lesen. Die ersten 100 Seiten waren noch ziemlich ereignislos. Der tote Laborant wurde gefunden, einige Personen vorgestellt und der Ort des Geschehens beschrieben. Bei rund 450 Seiten Gesamtinhalt sind 100 Seiten Vorgeplänkel meines Erachtens etwas langatmig…

Allmählich kam ein wenig Schwung in die Geschichte, die problematischen Familienverhältnisse der Beteiligten wurden näher erläutert und die Vorbereitungen für den Raub des tödlichen Virus starteten. Jetzt hatte ich das Buch zur Hälfte durch und mir noch keinen einzigen Fingernagel vor Spannung abgeknabbert. Das Buch plätscherte irgendwie ganz freundlich vor sich hin, doch da ich noch einige Besorgungen zu erledigen habe legte ich es erst einmal beiseite. Am Abend lockte mich dann die Couch zum Buch zurück.

Jetzt wurde es schon spannender. Das Gaunerquartett verschaffte sich - nicht sonderlich spektakulär aber immerhin - Zutritt zum Labor und es gelang ihnen tatsächlich alle Proben zu entwenden und dann zu fliehen. Immerhin hatte sich jetzt das Wetter gegen sie verschworen, denn im weihnachtlichen Schottland war ein wahrhaft höllischer Schneesturm losgebrochen.

Noch ca. 150 Seiten lagen vor mir und endlich ging es los. Etwa ab Seite 320 überschlugen sich die Ereignisse sogar so sehr, dass ich immerhin aufgeregt an meinen Haaren herumzwirbelte.

Mit einigen Kämpfen, Tricks und Brutalitäten ging das Buch schließlich zu Ende. Mein Pulsschlag musste sich nur minimal beruhigen und auf dem Bucheinband hatte ich keine Schweißflecke meiner Hände hinterlassen.

Wenn ich ehrlich bin: vom Hocker gerissen hat mich das Buch nicht. Es ist gut geschrieben (will heißen, es liest sich flüssig), doch von atemberaubendem Thrill kann ich nicht unbedingt sprechen. Leider kommt das Buch erst im letzten Drittel in Fahrt, der Showdown auf dem Landsitz der Familie Oxenford ist dann auch wirklich spannend, doch den Gesamteindruck reißt er nicht mehr vollends heraus. Wie auch schon bei "Die Säulen der Erde" (das einzige andere Ken Follett-Buch, das ich gelesen habe) neigt der Autor zu unnötigen Längen in den Beschreibungen und der Ausführung von Nebensächlichkeiten. Das Buch als Wirtschafts-Thriller zu bezeichnen ist bei dem Mix Verliebtheit, Familienproblematik und Schneesturm irgendwie unpassend, denn diese Geschehnisse drängen den eigentlichen Spannungserzeuger - das tötliche Virus - zu sehr in die Ecke und nehmen ihm dadurch auch seinen Schrecken.

Ein durchaus lesenswertes Buch für eine Zugfahrt, allerdings würde ich mir die Ausgabe für das Hardcover sparen und auf das Paperback warten.

Karin - myFanbase
05.11.2005

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