Bewertung
Briggs, Patricia

Bann des Blutes

Ein Mercy-Thompson-Roman.

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Inhalt

Als Mercy von dem Vampir Stefan gebeten wird, ihn in ihrer Kojotengestalt zu einem Treffen mit einem anderen Vampir zu begleiten, scheint dies keine große Sache zu sein, doch der fremde Blutsauger erweist sich als unerwartet mächtig und gefährlich. Die Vampire und die Werwölfe der Stadt sind plötzlich gezwungen, zusammenzuarbeiten, um den Blutsauger, der eine Spur der Verwüstung hinter sich herzieht, aufzuhalten, doch letztlich ist es Mercy, die sich dem Gegner stellen muss, um ihre Freunde zu retten.

Kritik

Der zweite Band um die übersinnliche Automechanikerin Mercedes Thompson, genannt Mercy, spielt etwa ein halbes Jahr nach dem ersten Roman "Ruf des Mondes" und widmet sich etwas mehr den Vampiren, die im ersten Band nur einen Nebenpart inne hatten. Dennoch kommen auch die Werwölfe nicht zu kurz, denn diese sind nun einmal Mercys Ersatzfamilie. Eine Kojotin unter Wölfen.

Nach nunmehr zwei gelesenen Romanen steht für mich fest, dass mir die von Patricia Briggs kreierte Welt des Paranormalen ausgesprochen gut gefällt. Dies liegt vor allem daran, dass sie die Vampire und Werwölfe sehr ehrlich und glaubwürdig beschreibt. Die Art, wie diese Wesen leben, wie sie miteinander umgehen, welche Gewohnheiten und Gesetze sie haben, überzeugt, da es einfach stimmig ist. Patricia Briggs gelingt es, sowohl die bekannten Legenden als auch moderne Vorstellungen so miteinander zu kombinieren, das man sich als Leser angesprochen fühlt. Die Werwölfe haben eine menschliche Seite und sind daher nicht von Natur aus böse, sondern wie jeder Mensch zu Liebe und Freundschaft fähig, doch der Wolf in ihnen macht sie gleichzeitig unberechenbar. Ihr starkes Territorialverhalten und ihr natürlicher Kampf um Dominanz führen dazu, dass es durchaus tödlich enden kann, wenn man sie provoziert, womöglich nur dadurch, dass man ihnen zu lange in die Augen schaut. Die Vampire sind böse. Sie ernähren sich von Menschenblut und lassen daher nur vereinzelt Gefühle wie Mitleid und Fürsorge zu.

Eine weitere große Stärke der Romanserie ist die Titelheldin Mercy. Diese ist eine der letzten, wenn nicht gar die Letzte, ihrer Art. Sie ist unter Wölfen aufgewachsen und kennt diese genau, doch sie hat auch eine besondere Verbindung zu den Vampiren, wie schon im ersten Band angedeutet und in der Fortsetzung noch genauer erläutert wird. Es ist sehr interessant, wie Mercy entdeckt, warum die Vampire bei ihrem Anblick die Luft anhalten würden, wenn sie noch atmen müssten, und wie simpel und logisch Mercys Macht ist.

Dass in diesem Roman auch ein deutscher Charakter eine Rolle spielt und deutsch spricht, geht natürlich in der Übersetzung ein wenig unter, aber es wird durch Kursivschrift deutlich gemacht. Wer nun befürchtet, es handelt sich mal wieder um eine klischeehafte Darstellung eines Deutschen in einem US-Roman, der kann beruhigt sein. Der deutsche Charakter ist ein mehrere hundert Jahre alter, gutherziger Gremlin, der betont, dass die deutsche Sprache viel besser geeignet ist, um das Übernatürliche zu erklären, als die englische. Ich habe mich damit noch nie beschäftigt, aber ich will ihm das mal glauben.

Auf jeden Fall ist die Sprache der Autorin Patricia Briggs sehr klar und angenehm. Es gibt keine Längen, keine Ausflüge in tiefe Philosophie und keinen romantischen Kitsch. Es hätte vielleicht ein bisschen mehr Spannung geben dürfen, doch das ist nur ein kleines Manko. Dieser zweite Band lässt sich auch verstehen, wenn man den ersten Roman nicht gelesen hat, doch ist die richtige Reihenfolge letztlich immer die bessere Wahl.

Fazit

Im Genre der Urban Fantasy, wie man die Verbindung von phantastischen Elementen mit der realen, modernen Welt auch nennt, gehört die Mercy-Thompson-Reihe zu den besten.

Zur Rezension von Band 1 "Ruf des Mondes"
Zur Rezension von Band 3 "Spur der Nacht"
Zur Rezension von Band 4 "Zeit der Jäger"
Zur Rezension von Band 5 "Zeichen des Silbers"
Zur Rezension von Band 6 "Siegel der Nacht"

Maret Hosemann - myFanbase
23.06.2009

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