Bewertung
Hofmann, Ulrich

The End

Der größte Fluch, mit dem die Menschheit jemals belastet wurde, ist das Erinnerungsvermögen.

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Inhalt

Seit zehn Jahren lebt Alex im Zimmer 9 einer Pension im Herzen Berlins und widmet sich dem Medium Film. Es gibt kaum einen Streifen, den er nicht kennt, und seit kurzem stellt er den Leuten sein umfangreiches Filmwissen in einer Videothek zur Verfügung, in der er arbeitet, obwohl er das Geld nicht braucht. An sein Leben vor dem Tag, an dem er in die Pension zog, hat Alex keinerlei Erinnerungen mehr und findet dies auch nicht weiter schlimm, doch plötzlich häufen sich um ihn herum merkwürdige Ereignisse. Bekannte Filmfiguren tauchen in Alex' Leben auf und hinterlassen ihm eigenartige Botschaften, berühmte Filmrequisiten geraten in seinen Besitz und dann sind da noch die vielen Plakate überall in der Stadt, die einen Film namens "The End" ankündigen, über den niemand etwas weiß. Alex bleibt keine andere Wahl, als seiner mysteriösen Vergangenheit auf die Spur zu kommen.

Kritik

Die Inhaltsbeschreibung lässt es zwar erahnen, doch man kann es gar nicht genug betonen: in diesem Debütroman von Ulrich Hofmann geht es um Filme. Bei allen Oscars und Golden Globes, und wie es um Filme geht! Hofmann ist das Kunststück gelungen, ein Buch zu schreiben, das die Filmwelt lebendig werden lässt. In "The End" werden Elemente aus berühmten Kinofilmen aufgegriffen, um daraus einen unterhaltsamen Thriller entstehen zu lassen, der vor Witz und Intelligenz sprüht. Von der ersten Seite an steckt der Roman voller Anspielungen auf Filme jeden Genres und aus allen Jahrzehnten. Mitten in Berlin tauchen berühmte Filmfiguren auf, bekannte Filmklischees dienen dem Hauptcharakter Alex als Leitfaden zur Entschlüsselung des Rätsels, ja sogar Kameratechniken spielen eine große Rolle.

Der Begriff "Kopfkino" erhält eine ganz neue Bedeutung, wenn der Ich-Erzähler Alex uns Lesern immer mal wieder erläutert, wie eine Situation, die er gerade durchlebt, wohl filmisch dargestellt worden wäre, mit welcher Kameraeinstellung, mit welchem Sound …

Wenn ich all die Filme aufzählen wollte, die in diesem Roman erwähnt, parodiert, gehuldigt oder einfach brillant in die Handlung eingewoben werden ... ach was, soviel Arbeit würde ich mir ganz einfach niemals machen, denn es sind hunderte Filme. Wie viele genau könnte ich sogar nachzählen, denn am Ende des Romans findet sich eine Liste mit allen Filmen, die in "The End" eine Rolle spielen, mitsamt der wichtigsten Daten, was den Gesamteindruck nur noch positiver gestaltet.

Natürlich muss man nicht alle diese Filme kennen, kein normaler Mensch kann aus dem Stand mit so vielen Filmen vertraut sein wie Alex, doch man sollte zumindest etwas für Filme übrig haben und kein totaler Kinomuffel sein, um diesen Roman so richtig genießen zu können. Ulrich Hofmann jedenfalls versteht so einiges von Filmen und er ist ehrlich. Er tut nicht so, als seien nur die kleinen, intellektuellen Filme würdig und Hollywood-Blockbuster ausschließlich teurer Müll, vielmehr nimmt er Klugscheißer, die dies behaupten und sich lieber komplizierte Denk-Filme ansehen, anstatt auch Mal einen richtigen Unterhaltungsfilm, auf die Schippe.

Fazit

Ich habe so etwas noch nie in Zusammenhang mit einem Roman geschrieben, doch man kann "The End" von Ulrich Hofmann in der Tat nur schwer erklären, man muss das Buch einfach gelesen haben. Dieser Roman ist eine brillante Hommage an das Medium Film.

Maret Hosemann - myFanbase
07.02.2009

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