Bewertung
Jemisin, N. K.

Die Erbin der Welt

Nachdem das Licht über die Finsternis triumphierte.

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Inhalt

Einst verzichtete Kinneth, die Tochter von Dekarta Arameri, der über die Hunterttausend Königreiche herrscht, auf ihr Thronrecht, um einen "Barbaren" aus einem unbedeutenden Land zu heiraten. Zwei Jahrzehnte später ruft der sterbende Dekarta Kinneth' einzige Tochter Yeine zu sich und erklärt sie zu einer seiner drei möglichen Erben. Im "Elysium", dem prachtvollen Palast der Arameri, gerät Yeine in ein Netz aus Intrigen, Gewalt und Magie. Sie trifft auf das unfreiwillige Werkzeug der Macht ihrer Verwandten: Nahadoth, der versklavte Gott der Finsternis. Yeine erkennt, dass sie den Palast nicht mehr lebend verlassen wird, doch sie kann die Machtverhältnisse für immer verändern.

Kritik

Alle Wege führen nach Rom, auch wenn sie in N.K. Jemisins Roman "Die Erbin der Welt" genau genommen nach Elysium, einer Stadt mit einem gleichnamigen Palast, führen. Elysium ist das Zentrum der Macht, von hier aus werden die anderen Völker des riesigen Reiches regiert, aber nicht respektiert. Die meisten dieser Völker sind in den Augen der Elysiumbewohner nur primitive Wilde. Dies erinnert natürlich stark an das antike Rom. Die Herrscherfamilie Arameri besitzt mit ihrer Dekadenz, ihrem Hang zur Grausamkeit und ihren blutigen Erbschaftsfehden überdies eine enge Verbindung zu den berühmt-berüchtigten römischen Kaiserfamilien um Caligula, Nero und Konsorten.

Daneben weisen die Götter dieser Romanwelt einige Parallelen zu den altgriechischen Gottheiten auf. Schon allein der Begriff "Elysium" stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet in etwa den Ort, den die Christen "Himmel" nennen. Zwar gibt es in Jemisins Roman nur drei statt zwölf Hauptgötter, was zugleich auch eine Anspielung auf die christliche Dreifaltigkeit sein könnte, doch sind diese drei Gottheiten ebenso kompliziert-inzestiös miteinander verbunden wie ihre griechischen Kollegen.

Die Hauptprotagonistin Yeine, die in dieses Machtgewirr stolpert, ist ein Mischling aus Barbarin und Arameri. Schon äußerlich entspricht sie nicht dem Ideal ihrer mächtigen Verwandten, was leider durch das Cover der deutschen Erstveröffentlichung ad absurdum geführt wird, denn so wie auf diesem Bild sieht Yeine ja eben nicht aus. Sie hat kurze, strubbelige Haare, einen dunklen Hautton und eine eher männliche Figur. Es wäre daher keine schlechte Idee, den Roman im Falle weiterer deutscher Auflagen mit einem anderen Cover zu versehen.

Wenngleich die von N.K. Jemisin kreierte Welt interessant wirkt und auf durchaus faszinierende Weise bekannte Elemente zu einem neuen Ganzen zusammensetzt, mangelt es der Handlung doch deutlich an Schwung, Feuer und Unterhaltungswert. Da Yeine in einem eher kriegerischen Volk, in dem die Frauen dominieren, aufgewachsen ist, hätte ich mir gewünscht, dass sie die unausstehliche Palastkultur der Arameri ein bisschen mehr aufrüttelt, doch sie kommt als sehr nachdenkliche, leidende und mit ihren Gefühlen hadernde Figur daher. Die vielen Beschreibungen des abstrakten Aussehens der Götter sowie die zahlreichen Zwiegespräche, die eine oft sehr verwirrte Yeine mit sich selbst führt, drosseln das Erzähltempo und sind ein wenig langatmig.

Letztlich besteht die Handlung größtenteils daraus, dass Yeine in jedem Kapitel eine neue schockierende Wahrheit über sich selbst, ihre Mutter, ihre Familiengeschichte und die Götter herausfindet. Obwohl mehrere Personen etwas von Yeine wollen, kommt keiner auf die Idee, ihr die wichtigsten Informationen in einem Stück, oder wenigstens erstmal zur Hälfte, mitzuteilen.

Fazit

N.K. Jemisin erschafft eine Welt, die stellenweise fasziniert, aber leider zu wenig unterhält.

Maret Hosemann - myFanbase
27.08.2010

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