Bewertung: 6
Blech, Tom

Lexikon des schulischen Elends

"Schulbildung heißt, das zu lernen, von dem du nicht einmal wusstest, dass du es nicht wusstest." - Ralph Waldo Emerson (1803-82), amerikanischer Philosoph und Dichter

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Inhalt

Schulisches Elend? Ist die wichtigste aller Bildungsinstitutionen wirklich so schlimm? Und gibt es Hoffnung auf eine Besserung? Unter dem Pseudonym Tom Blech verfasst der Autor, der selber Lehrer ist und auch in der Lehrerausbildung arbeitet, ein humorvolles, aber auch durchaus kritisches Bild der "Penne". Von A wie Abi-Streich über E wie Elternabend bis Z wie Zeugnis wird kein Detail des Schullebens ausgelassen.

Auch Sachen, die man als Außenstehender nicht unbedingt damit in Verbindung bringen würde, sieht man in dem Zusammenhang in einem ganz anderen Licht. Beispiel gefällig? So fördert Blech zum Begriff Tomate unglaubliches zu Tage: "Tomate, die: hier nur als sinnentleertes Reimwort [...] Schreiber dieser Zeilen hat in selbst abgelauscht, den folgenden Zweizeiler aus Grundschulmund, er sei hier wiedergegeben, um endlich mit dem Rousseau’schen Quatsch aufzuräumen, dass das Kind gut, kreativ und Gott näher sei als wir. [...] Hier nun das Poem: Tomate, Tomate, mein Pimmel kann Karate. Noch Fragen?"

Kritik

Tom Blech schafft es mit "Lexikon des schulischen Elends" einen humorvollen Blick auf die Erziehungsinstitution zu werfen. Seine Formulierungen sind scharfzüngig bis ironisch. Der Leser, zumeist er ja selber schon seine eigenen Erfahrungen mit der Schule gemacht hat, erkennt vieles aus der eigenen Zeit wieder. Und da Blech ja selber Lehrer ist, bekommt man zusätzlich noch die Sichtweise "der anderen Seite". Da hört man allerdings zuweilen die Frustration aus dem Autor sprechen. Ja, wir wissen ja alle, dass der Beruf des Pädagogen nicht immer mit Sonnenschein gesegnet ist, aber sich darüber so auslassen? Doch zum Glück bleibt Blech meistens distanziert und findet spitzfindige Formulierungen für diesen Arbeitsbereich.

Besonders gelungen sind die Stellen, die gnadenlos das System bloßstellen: Ja, es gibt Diskriminierung, ja es gibt Bevorzugung, ja die Schüler sind genauso nervig wie die Lehrer. Man muss Blech zugute halten, dass er auf die so wichtige political correctness verzichtet und Tacheles redet – was ihn allerdings wohl dazu gezwungen hat, sein Buch unter einem Fremdnamen zu veröffentlichen.

Fazit

Ein witziges Buch rund um Schule, Schüler und hilflose Lehrer. In vielem erkennt man seine eigene Schulzeit wieder, wiederum anderes erscheint doch etwas übertrieben. Das Buch ist allerdings eher eine Lektüre für die Generation, die schon die Schule beendet hat, als für diejenigen, die noch ein paar Jahre in der Penne vor sich haben. Ein kurzweiliges Lesevergnügen, das den Leser zum Schmunzeln bringt, aber nicht unbedingt zum Nachdenken über die verrostete Institution Schule anregt.

Barbara Kotzulla - myFanbase
26.06.2007

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