Alexander Puschkin

Alexander Sergejewitsch Puschkin wurde am 6. Juni 1799 in einem damalig noch deutschen Vorort von Moskau geboren. Seine Zukunft war dadurch gesichert, da sein Vater einem Adelsgeschlecht angehörte, und der Urgroßvater mütterlicherseits war ein äthiopisches Sklavenkind, dass dem Zaren Peter dem Großen geschenkt wurde, und dieser dann sein Patenkind wurde. Da physische und psychische Merkmale genetisch Generationen überspringen können, erbte er von seinem Urgroßvater das afrikanische Temperament und lockige Haare, welche jedoch dunkelblond waren.

In der Zeit zwischen 1805 bis 1810 verbrachte er die Sommer bei seiner Großmutter Maria Alexejewna Gannibal im Dorf Sacharow bei Svenigorod in der Nähe von Moskau. Diese Besuche bei der Großmutter beeinflussten ihn später bei den ersten Versuchen als Dichter. Andererseits beeinflussten ihn auch die altrussischen Märchen und Sagen, die ihm sein Kindermädchen auf Russisch erzählte, obwohl er wie jedes andere adlige Kind Französisch sprach und schrieb.

1811 kam er auf das Elite-Lyzeum Zarskoje Selo, welches sich in St. Petersburg befindet und das heute seinen Namen trägt. Von dort aus bekam er auch den �"vaterländischen" Krieg gegen Napoleon mit, nahm aber auch den Grundgedanken der französischen Revolution wahr: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. 1815 verfasste im Beisein von G.R. Derschawin sein Gedicht "Erinnerungen an Zarskoje Selo", was dann in der Zeitschrift "Russisches Museum" veröffentlicht wurde. Während seiner Schulzeit wurde er Mitglied der literarischen Gesellschaft Arsamas, dessen Hauptaufgabe darin bestand, sich gegen etablierte, alte und verkommene Sprachvorstellungen in der russischen Literatur zu wenden, und sich dafür einzusetzen, die Schriftsprache weiterzuentwickeln. Desweiteren wurde er Mitglied der Literatur- und Theatergemeinschaft "Grüne Lampe".

Gleich nach seinem Abschluss bekam er einen Posten als Kollegiensekretär im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Sein Leben bestand aber nicht ausschließlich darin, für sein Vaterland zu arbeiten, sondern auch das Leben in vollen Zügen zu genießen. Diese Lebensfreude spiegelte sich auch in seinen ersten Gedichten wieder. Theaterbesuche und die Literatur selbst standen im Vordergrund seiner Freizeitbeschäftigung, wie man unter anderem in dem Verseepos "Ruslan und Ljudmila" lesen kann.

1820, als dieses Epos veröffentlicht wurde, kam es zu heftiger Kritik aus der oberen Schicht der Gesellschaft, da in vielen der Gedichte öffentliche Persönlichkeiten verspottet wurden, und Puschkin musste sich dementsprechend dafür verantworten. Eigentlich kam für so eine Art der Respektlosigkeit nur die Verbannung nach Sibirien in Frage, doch dank guter Beziehungen musste er lediglich St. Petersburg verlassen und auf die Halbinsel Krim ziehen. Dort wohnte er eine Zeit lang bei seinem aus St. Petersburg bekannten Freund General Rajewskij. Durch die wunderschönen Landschaften und die unzähligen Male der Verliebtheit schuf er die romantischen Poeme "Der Gefangene im Kaukasus", "Die Raubbrüder" und "Die Zigeuner" und begann mit dem Epos "Eugen Onegin". Während seines Aufenthalts im Süden Russlands lebte er in verschiedenen Städten.

Nachdem Puschkin 1824 aus dem Ministerium entlassen worden war, schickte man ihn auf das Landgut seiner Eltern in Michajlowskoje, wo sein Leben von Langeweile und Konflikten mit seinem Vater geprägt war. Um die Zeit vergehen zu lassen, hielt er regen Briefkontakt mit seinen Freunden in St. Petersburg, sowie seinen Freunden aus dem Dekabristen-Kreis.

Als der alte Zar Alexander I. Ende 1825 verstarb, wurde Puschkin nach einer Audienz bei dem neuen Zaren Nikolaus I. begnadigt, und er durfte wieder in Moskau und St. Petersburg einreisen. Er wurde außerdem vom selbigen Zaren zum persönlichen Zensor erkoren, da dieser ihn für den "klügsten Mann Russlands" hielt. Jedoch hatte seine Einreise einen großen Nachteil: Sein Leben wurde auf Schritt und Tritt überwacht, da man sich nicht sicher sein konnte, dass er keine Verbindungen mehr zu den Dekabristen hatte. Diese Überwachung frustrierte ihn, und er konnte seine schöpferische Leistung nicht bringen, und war mit der Arbeit zu "Eugen Onegin" sehr unzufrieden, doch vollendete er es 1830.

Puschkin lernte eines Tages Natalia Gontscharowa kennen, und machte ihr einen Heiratsantrag, welchen sie annahm. 1831 fand die Vermählung statt. Aus diesem Grund übergab ihm sein Vater ein kleines Dorf, Boldino, östlich von Moskau gelegen. Eigentlich sollte es ein kleiner Besuch in dem Dorf sein, doch eine Choleraepidemie hinderte ihn daran, wieder nach Moskau zurückzukehren. In dieser Zeit verfasste er jedoch sehr viele neue Gedichte, wohl eine seiner größten Schaffensperioden.

Im Laufe der Ehe schenkte ihm seine Frau vier Kinder. Ihre Schönheit verflog jedoch nach der ersten Geburt nicht. Im Gegenteil, es war eher ein Fluch, und der Zar wünschte immer öfters Natalias Gesellschaft, wodurch Puschkin zum Kammerjunker gemacht worden war. Somit war er gebunden an den Zaren, und musste sich dem gesellschaftlichen Leben geben, was mit seinen Lebensprinzipien überhaupt nicht in Einklang zu bringen war.

Seine Bücher wurden immer weniger gekauft, und er geriet in finanzielle Schwierigkeiten, doch mit der Unterstützung von Gontscharowas Verwandtschaft konnten sich die beiden das Leben weiterhin leisten, welches sie zuvor auslebten. Doch auch diese Abhängigkeit frustrierte Puschkin, und die männliche Gesellschaft, mit welcher sich seine Frau abgab, machte ihn eifersüchtig.

Seine nächsten Werke entstanden nur in Folge großen psychischem Drucks. Obwohl alle seine Werke der Zensur unterlagen, durfte er 1836 einen Erfolg für sich verbuchen. Seine Literaturzeitschrift "Der Zeitgenosse" durfte veröffentlicht werden. Lange konnte er diese Zeitschrift jedoch nicht genießen. Eine Intrige am Hofe führte dazu, dass er sich wieder mit einem Mann duellieren wollte.

Sein letztes Duell mit dem französischen Gardeoffizier Georges-Charles d'Anthès verlief für ihn tödlich. Die Kugel traf ihn in den Bauch, und verursachte eine unheilbare Wunde. Zwei Tage später, am 29. Januar 1837, starb Alexander Puschkin. Sein Duellgegner erlitt hingegen nur eine leichte Streifwunde an Brust und Oberarm. Aus Angst vor Unruhen wurde sein Leichnam in die Provinz nach Pskow gebracht, wo er in aller Stille im Swjatogorsky Kloster bestattet wurde.

Ignat Kress - myFanbase