The Decemberists

Alleine der Name "Decemberists" stellt schon einen Vorgeschmack oder meinetwegen auch eine Vorahnung auf ihre Musik dar: Auf der einen Seite haben wir eine Gruppe russischer Rebellen mit dem selben Namen – was ganz gut passt, denn in den Songs der Decemberists geht es nicht selten um tragische Kriegsgeschichten oder gescheiterte Soldaten. Auf der anderen Seite ist es natürlich der Monat selbst, der hier wie der Deckel auf den Topf passt: Denn was gibt es im kalten Winter Besseres, als sich von den märchenhaft schönen, wie aus einem anderen Universum stammenden Songs der Decemberists das leicht gefrorene Herz ein wenig erwärmen zu lassen – was aber nicht heißen soll, dass ihre Musik nicht zu jeder anderen Jahreszeit auch funktionieren würde.

Die stark folkig angehauchten Stücke lassen einen sowieso in eine völlig fremde Welt eintauchen – hier begegnet man schillernden Geschöpfen aus längst vergessenen Zeiten an längst vergessenen Schauplätzen und erlebt mit ihnen ebenso atemberaubende wie tragische Abenteuer. Die Vielfalt der skurrilen Texte verwundert einen nicht weiter, wenn man einmal weiß, dass Colin Meloy, seines Zeichens Sänger und Songschreiber, sprich der kreative Kopf der Band, ursprünglich Schriftsteller werden wollte.

Um ein wenig Lebenserfahrung zu sammeln, zog Meloy nach seinem Studium nach Portland und verschrieb sich dort immer mehr der Musik, die bisher nur eine Art Nebenverdienst dargestellt hatte. Er fasste Fuß in der Indie-/Folk-Szene und traf dort endlich auch auf Gleichgesinnte, mit denen er Anfang des neuen Jahrtausends die Decemberists gründete. Ihre erste EP "Five Songs" wurde 2001 mangels Plattenfirma eigenständig verbreitet. Das Album "Castaways and Cutouts", das ein Jahr später erscheinen sollte, wurde anfangs auf dem Label "Hush" veröffentlicht – wenig später wechselte man allerdings zu dem Indie-Label "Kill Rock Stars".

Hier erschien 2003 das Nachfolgealbum "Her Majesty", dessen Cover, wie auch die aller anderen Werke der Gruppe, von Meloys Freundin Carson Ellis gestaltet wurde, mit der er einen Sohn namens Henry hat. 2005 sorgte man erneut für Nachschub: Sowohl bei der EP "The Tain", die ein irisches Gedicht thematisiert, als auch bei "Picaresque" hatte Chris Walla von Death Cab For Cutie in Sachen Produktion seine Hände im Spiel. Das in einer Kirche aufgenommene "Picaresque" wurde ihr bislang größer Erfolg und machte endgültig klar, dass die Musik der Decemberists keineswegs als theatralischer Kitsch zu bezeichnen ist – Meloys gelegentliche Verkleidung als Baum bei Auftritten beweist ja nur, mit welcher Leidenschaft er bei der Sache ist.

Zu hoffen ist, dass ihn der 2006 stattgefundene Wechsel zum Major-Label Capitol weiterhin nicht von solchen Aktionen abhält. Die Chancen stehen allerdings gut, denn die aktuelle Besetzung bestehend aus Colin Meloy, Chris Funk, Jenny Conlee, Nate Query und John Moen hat sich durchaus nicht einschüchtern lassen, sondern von einem japanischen Märchen inspiriert mit "The Crane Wife" erneut ein Album geschaffen, dass uns in fremdartige Welten entführt.

Stephanie Stummer - myFanbase

Discographie

2009The Hazards of Love
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2006The Crane Wife
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2005Picaresque
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2004The Tain (EP)
2003Castaways and Cutouts
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2003Her Majesty
2001Five Songs (EP)