Beck

Über Beck wurde schon viel behauptet: Er hätte 1993 mit seinem Song "Loser" bloß einen One-Hit-Wonder-Status erreicht (was sich natürlich als falsch erwies). Er hätte sich durch diesen Song als Slacker geoutet und wäre nun zum Anführer dieser Bewegung mutiert (ebenfalls falsch, Beck war nämlich schon immer einer der hart Arbeitenden).

Mit Aussagen über ihn sollte man also vorsichtig sein – und noch vorsichtiger, wenn es um seine Musik und seine nächsten Alben geht. Beck weiß nämlich immer und überhaupt und überall zu überraschen – mit stilistischen Hakenschlägen der gehobenen Art erstaunt er regelmäßig die Musikindustrie, lustwandelnd auf einem schmalen Grad zwischen flippigem HipHop, berührendem Folk, mitreißendem Rock und quietschbuntem, total verrückten Pop, je nach Lust und Laune, nie ermüdend und vor allem: nie sein Publikum langweilend.

Was Beck Hansen (bei seiner Geburt eigentlich Beck David Campbell) langweilte, war schon mit 14 Jahren klar: Er schmiss die Schule und begann, sich das Wichtigste selbst anzueignen. Im Falle Beck hieß das, alte Blues-, Folk- und Countryplatten zu hören, viel zu lesen und sich New-Wave-Filme anzuschauen.

Das Umfeld, in dem er aufwuchs, tat sein Übriges zu seiner Entwicklung als Künstler: Nach der Scheidung seiner Eltern blieb er bei seiner Mutter in L.A., in einem Viertel, das zum Großteil von Schwarzen, Latinos und Lebenskünstlern bewohnt war. HipHop, lateinamerikanische Musik und die Stücke auf seinen alten Platten boten genug Anreiz für erste eigene musikalische Versuche.

Ein weiterer prägender Punkt in seinem Leben waren die Besuche bei seinem Großvater Al Hansen in Köln. Der Fluxus-Künstler wurde ihm eine ganz besondere Inspiration; aus der Zusammenarbeit der beiden entstand auch eine Ausstellung namens "Playing With Matches", über die auch ein Buch veröffentlicht wurde.

1988 machte Beck sein erstes, allerdings nie offiziell veröffentlichtes Album: "The Banjo Story" wurde zu Hause auf Kassette aufgenommen. Ein Jahr später reiste er nach New York, wo er sich mehr oder weniger erfolglos als Anti-Folk-Musiker versuchte.

Wieder zurück in L.A. hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, während er weiterhin an seinem Stil feilte. Bei Auftritten in Clubs und Bars konnte er zwar noch immer keine Begeisterungsstürme beim Publikum auslösen, schaffte es aber immerhin, die Produzenten des Labels Bong Load Custom Records auf sich aufmerksam zu machen.

Damit begann sich auch langsam etwas zu tun: Auf kleinen Labels erschienen die Werke "Golden Fieldings" und "A Western Harvest Field By Moonlight" sowie "One Foot in the Grave" und "Stereopathic Soul Manure", die im Gegensatz zu den ersten beiden Alben heutzutage leichter aufzutreiben sind.

1993 entstand schließlich die alles verändernde Single "Loser" – ihre erste Auflage betrug nur 500 Stück. Diese Anzahl genügte allerdings, um bei alternativen Radiosendern und in einschlägigen Discos ein Dauerbrenner zu werden. Plötzlich begannen einige Major-Labels um Beck’s Gunst zu werben – dieser entschied sich letztendlich für Geffen, die es ihm gleichzeitig ermöglichten, bei unabhängigen Labels zusätzliche Alben zu veröffentlichen.

1994 folgte zu "Loser" das dazugehörige Album "Mellow Gold", das ihm große Popularität und den Ruf als Anführer der Slacker-Bewegung einbrachten – was er aber vehement abstreitet: "Ich war nie ein Slacker – ich musste immer schlecht bezahlte Arbeiten machen, um über die Runden zu kommen."

Dieses Problem hatte er von nun an nicht mehr: Das von den Dust Brothers produzierte "Odelay" aus dem Jahre 1996 bescherte ihm zwei Grammys und erhielt Doppel-Platin. Von diesem stark dem Einfluss von Samples und Elektronik ausgesetzten Album unterschied sich sein 1998er Werk "Mutations" völlig: Beck schaltete einen Gang herunter und bot feinfühligen Folk und Blues, worunter auch einige ältere Stücke zu finden sind.

Einen weiteren Wendepunkt in Sachen Stilistik stellte das 1999 erschienene Album "Midnite Vultures" dar: Beck zeigte seine Leidenschaft für Soul, Funk, Blechbläser und fulminante Bühnenausstattung – und stellte dies alles bei einer Welttournee unter Beweis. Danach ließ er sich drei Jahre lang Zeit, bis er wieder etwas von sich hören ließ: "Sea Change" wurde wie "Mutations" von Nigel Godrich produziert, der auch schon mit Radiohead arbeitete. Dieses fiel wiederum emotionsgeladener, langsamer und berührender aus – soll es doch die verschiedenen Abschnitte am Ende einer Beziehung darstellen.

Eine erneute Kehrtwende brachten 2005 "Guero" und das später veröffentlichte, dazugehörige Remix-Album mit dem entzückenden Titel "Guerolito". Die Dust Brothers hatten hier wieder ihre Finger im Spiel – was man auch deutlich merkt: Man hat es wieder mit fröhlichen, kunterbunten Pop-Songs mit leicht elektronischem Einschlag zu tun, bei deren Aufnahmen Beck beinahe alle Instrumente selbst gespielt hat.

Kunterbunt zu gestalten ist auch das Cover des wieder von Nigel Godrich produzierten Nachfolgewerkes "The Information" (2006): Hier wird der Kundschaft ein ganz besonderes Zuckerl geboten; neben einer Bonus-DVD sind der CD Sticker beigelegt, damit jeder sein persönliches Cover gestalten kann.

Bei so viel Buntheit fragt man sich, was der Mann wohl privat so treibt: In einem Interview behauptete er, Mitglied der Scientology-Sekte zu sein – wo er sich ja in guter Gesellschaft befindet. Gesellschaft der etwas anderen Art hat er übrigens auch: Gemeinsam mit seiner Ehefrau Marissa Ribisi hat er einen Sohn namens Cosimo Henri. Über sich und seine Frau sagt er: "Wir sind zwei Blasen, die nebeneinander schweben." Denn: "Wenn ich arbeite, lebe ich in einer Blase." Möge er also mit seiner Blase noch lange im Musikhimmel herumschweben, ungeahnte Höhen erreichen und möglichst nie zerplatzen.

Stephanie Stummer - myFanbase

Ausgewählte Filmographie (Schauspieler)

2001Southlander: Diary of a Desperate Musician als Bek
Originaltitel: Southlander: Diary of a Desperate Musician
1998Rugrats - Der Film als Neugeborener (Stimme)
Originaltitel: The Rugrats Movie
1986Population: One
Originaltitel: Population: One
1976Child Abuse (TV) als Kind
Originaltitel: Child Abuse (TV)

Discographie

2006The Information
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2005Guero
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2005Guerolito
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2002Sea Change
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1999Midnite Vultures
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1998Mutations
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1996Odelay
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1994Stereopathic Soul Manure
1994Mellow Gold
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1994One Foot In The Grave
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