The Clash

Unter den zahlreichen Bands der Punkbewegung Ende der 70er taten sich nur wenige hervor, die sich nicht in der Eintönigkeit ihrer eigenen Musik verloren, sondern eine glaubwürdige Weiterentwicklung zustande brachten: The Clash waren eine dieser wenigen Bands. Sie schafften es, Punkrock experimentell mit anderen Musikstilen zu kombinieren und sich dadurch von einer wütenden Punk-Band in eine ernst zunehmende Rock-Band zu verwandeln – und das, ohne an Authentizität oder Bodenständigkeit einzubüßen.

Auf ihre Alben, die teilweise Meilensteine in der Musikgeschichte darstellen, und ihren unvergleichlichen Stil, der viele Nachahmer gefunden hat, berufen sich noch heute zahlreiche wichtige Musiker – Bands wie Die Toten Hosen, R.E.M. oder The Cure bezeichnen The Clash als einen ihrer stärksten Einflüsse. Es wird also mal Zeit, diese Ausnahmeband genauer unter die Lupe zu nehmen:

Ihre Geschichte beginnt seltsamerweise an einer Schule für Kunst, irgendwo in London – hier trafen Bassist Paul Simonon und Gitarrist/Sänger Mick Jones aufeinander. Simonon wollte ursprünglich Maler werden, erkannte jedoch bald, dass er nach etwas Aufregenderem suchte – und Jones befand sich im Grunde genommen nur an dieser Schule, weil er dachte, auf diese Art leicht Anschluss an eine Band zu finden. Dieser Wunsch lag ihm sehr am Herzen, immerhin gab er bereits mit 10 Jahren vor seinem Wohnblock Beatles-Songs zum Besten – mit seinem Tennisschläger als Gitarre und den vorbeigehenden Passanten als Publikum. Nach einer anfänglichen Enttäuschung über die an der Schule eher spärlich vorhandenen Musiker wurde er schließlich doch noch belohnt: Gemeinsam mit Paul Simonon und einigen anderen wurde 1974 die Band "London SS" gegründet.

Zu dieser Zeit spielte Joe Strummer (später ebenfalls zuständig für Gitarre/Gesang) bei den "101ers" – die nach zwei Jahren einen lokalen Bekanntheitsgrad erreicht hatten, sodass die Mitglieder von "London SS" und Bernie Rhodes, der sich der Gruppe angenommen hatte, auf ihn aufmerksam wurden. Das Interesse von Simonon und Jones war sogar so groß, dass sie Strummer in einem Laden ein wenig zu eisern ins Visier nahmen – dieser hatte jedoch keine Ahnung von ihren wahren Absichten und erwartete, von den beiden verprügelt zu werden. Die ausgeklügelte Verteidigungstaktik, die er sich sorgfältig zurechtgelegt hatte (auf jeden Fall zuerst Mick zusammenschlagen, denn der war dünner), war nicht mehr nötig, als er später den Vorschlag bekam, in ihre Band einzusteigen.

Nach diesen anfänglichen "Verständigungsschwierigkeiten" schien alles wie geschmiert zu laufen: Am 4. Juli 1976 hatten sie ihren ersten Auftritt, mit Terry Chimes am Schlagzeug und Keith Levene als zusätzlichen Gitarristen. Letzterer verabschiedete sich allerdings bald von der Band, die sich nun in "The Clash" umbenannt hatte. ("It describes our sound")

Es folgten weitere Auftritte, auch im Fernsehen, sowie ein Gig als Support der Sex Pistols. Zu dieser Zeit fiel die Kritik jedoch noch nicht zugunsten der Clash aus. Sie seien eine dieser Garagenbands, die man am besten wieder zurück in die Garage stecke, wobei man den Motor laufen lasse – aber auch von solchen Worten ließ man sich inspirieren: Es entstand der Song "Garageland".

Durch die Bekanntschaft von Bernie Rhodes mit Guy Stevens ergab sich bald die Möglichkeit, in den Polydor Studios erste Demos aufzunehmen. Zu dieser Zeit verließ auch Terry Chimes die Band, seine Einstellungen zum Leben und Erwartungen an den Erfolg ließen sich nicht mit denen der restlichen Band vereinbaren. Eine fieberhafte Suche nach einem neuen Drummer begann – angeblich testete man an die 200 Drummer – bis man im April 1977 in Topper Headon fündig wurde.

In der Zwischenzeit ging man auf die Anarchy-Tour, eröffnete das Szene-Lokal "Roxy" und unterschrieb letztendlich am 25. Januar 1977 auch einen Vertrag bei CBS. Ein Deal, der sich im Nachhinein als nicht ganz so astrein herausstellte, wie man angenommen hatte. Mark P. von der Zeitschrift "Sniffin’ Glue" hatte womöglich nicht einmal ganz so unrecht, als er sagte: "Punk died the day the Clash signed to CBS."

Nach drei Wochen harter Studioarbeit erschien am 8. April 1977 das Debutalbum "The Clash", das ebenso wie die dazugehörige Single "White Riot" sehr erfolgreich wurde. Nach einem Trip von Strummer und Jones nach Jamaica, bei dem Klassiker wie "Safe European Home" und "Drug Stabbing Time" entstanden, erschien am 10. November 1978 das zweite Album "Give ’Em Enough Rope". Laut Paul Simonon herrschte bei den Aufnahmen im Studio Langeweile, es mangelte an Spontanität.

An Spontanität mangelte es ihm sicher nicht, als er und Headon mit Luftgewehren auf Renntauben schossen und daraufhin verhaftet wurden. Solche kleineren Delikte standen öfter an der Tagesordnung – genauso wie ihr soziales und politisches Engagement, wie zum Beispiel ihr Auftritt am "Rock against Racism"-Festival.

Durch das restliche Management wurde Bernie Rhodes hinausmanövriert – ein Ereignis, das der Gruppe schwer zu schaffen machte. Auf dem am 14. Dezember 1979 erschienen Doppel-Album "London Calling" ist davon nichts zu merken. The Clash standen am Höhepunkt ihrer Schaffensperiode, sie schufen ein beinahe revolutionäres Werk, das auch Element aus Rockabilly, Reggae und Ska enthält. Dieser Stilmix war vermutlich auch ihre Rettung: Zu dieser Zeit wurde der Punk perspektivenlos immer mehr in eine Ecke gedrängt, während The Clash der Meinung waren, jede Art von Musik spielen zu können.

Dies und dass sie stets für neue Sounds offen waren, bewiesen sie 1980 mit der Veröffentlichung ihres vierten Albums "Sandinista". Auf dem Dreifach-Album findet man sogar Dub, Gospel, Instrumental-Stücke und HipHop – und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt der HipHop in Amerika erst in den Startlöchern stand.

Sie waren weiter gegangen als jede andere Punk-Band, und setzten ihren Siegeszug weiter durch die Staaten und auch Asien fort. Nach außen hin trog der Schein: Obwohl sie 1980 Bernie Rhodes wieder zurück ins Boot geholt hatten, begann es dennoch langsam aber sicher bergab zu gehen: Topper Headon hatte immer mehr mit seiner Heroinsucht zu kämpfen, bis er schließlich im Mai 1982 gefeuert wurde.

Ironischerweise wurde trotz des wackligen Bodens, auf dem man sich befand, das im Mai erschienene "Combat Rock" kommerziell am erfolgreichsten.
Bei den letzten gemeinsamen Auftritten (Terry Chimes saß wieder an den Drums) fehlte die Kommunikation innerhalb der Gruppe völlig. Die nächste Konsequenz war der Rauswurf von Mick Jones, der auch oft gleichbedeutend mit dem Ende der Band gesehen wird.

Strummer und Jones brachten 1985 mit einer völlig neuen Formation (Pete Howard, Nick Sheppard, Vince White) noch ein Album heraus: "Cut the Crap", das aber kaum noch irgendeinen Wert hat. Danach wurde das offizielle Ende der Band verkündet.

Ende der 90er kamen Gerüchte über eine mögliche Reunion der ursprünglichen Besetzung auf – doch mit dem Tod von Joe Strummer im Dezember 2002 starb auch diese Hoffnung; sein Vermächtnis ist auch das, was uns seine Band hinterlassen hat: jede Menge herausragender Musik und die Hoffnung, dass der gute, alte Rock’n’Roll nie stirbt.

Stephanie Stummer - myFanbase

Discographie

2004London Calling - 25th Anniversary Edition
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2003The Ultimate Collection
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2000Clash on Broadway
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1993Super Black Market Clash
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1991The Singles
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1985Cut the Crap
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1982Combat Rock
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1980Black Market Clash
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1980Sandinista
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1979London Calling
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1978Give ‘Em Enough Rope
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1977The Clash
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