Forty Foot Echo

Die Zeiten, in denen alternative Rockmusik fast ausschließlich aus den USA stammte, sind schon lange vorbei. Immer mehr Bands aus aller Welt treten mit aufgeschwellter Brust an, um kräftig mitzurocken. Auffällig stark vertreten war dabei in den letzten Jahren Kanada. Die Truppen versuchten sich in ihrer Heimat einen Namen zu machen, um dann auch im großen Nachbarland zu überzeugen. Eine solche Band ist auch Forty Foot Echo. Nach Veröffentlichung des Debütalbums und einer ausgedehnten Tour folgte allerdings schnell eine Krise und der Abstieg vom Major- zum Indie-Act...

Angefangen hatte alles im November 2001, Murray Yates war gerade auf dem Weg nach Hause, ins kanadische Vancouver, mit dem Gedanken, wie es in seinem Leben nun weitergehen sollte. Schließlich löste sich einige Wochen zuvor Yates’ Truppe Templar auf, dessen Bandmitglieder nach zwei Jahren Tour, der Veröffentlichung des Debüts und der daraus resultierenden Hitsingle "Here We Go" emotional ausgebrannt und zu keiner Kreativität mehr im Stande waren. Auf dem Rückweg in seine Heimat kam Yates allerdings eine Melodie in den Kopf. Laut eigener Aussage erreichte ihn eine Melodie mit den Worten "tommorrow’s a brand new day". Und zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass dieser Moment die Geburt einer brandneuen Band war: Forty Foot Echo.

Zusammen mit seinem guten Freund Joe Moi, der bereits mit Gruppen wie Nickelback und Default zusammenarbeitete, entstanden mehrere Demos seiner Songs, die er an Freunde und Labels weitergab. Allein mit seiner Akkustik-Gitarre ausgestattet konnte er die Zeit nutzen, um seine Songs voll auszuarbeiten. Die Arbeit lohnte sich und zeigte, sehr viel schneller als erwartet, Erfolg. Die Labels riefen tatsächlich zurück und nur fünf Monate später hatte er bereits beim Major-Label Hollywood Records/Universal Music unterzeichnet. Was nun noch zum Start fehlte, war eine Band.

Dafür reiste Murray Yates ins sonnige Los Angeles, wo er sich die Band zusammensuchen sollte. Doch trotz der Entfernung waren letztendlich alle Mitglieder Kanadier. Als erster vergrößerte Eric Schraeder die Band. Ihn entdeckte Yates noch im heimischen Vancouver, wo er ihn von einer Lokalband abwarb. Er war künftig für die Gitarre zuständig. Imponiert hatte Yates auch Mike "Sancho" Sanchez. Nachdem dieser Yates' Demo gehört hate, folgte er ihm in die Staaten, um dort an dem Casting teilzunehmen. Sein Auftritt bei diesem war reine Formsache, auch er stieß der Truppe hinzu. Es folgten der Schlagzeuger Rob Kurzretier sowie Peter Thorn, der gerade eine Tour mit Five For Fighting beendet hatte. Schließlich war es vollbracht: Forty Foot Echo war geboren und die Arbeiten konnten beginnen.

Mitte 2003 kam dann endlich das Debütalbum in die Läden, produziert von Jim Wirt (Incubus, Hoobastank). "Viel wichtiger als Ruhm oder Geld war mir, ein Album zu machen, dass ich in den Händen halten und sagen kann ‚Darauf bin ich stolz’. Das war es, was ich machen wollte. Und mit der Hilfe der Band und einem großartigen Team ist es wirklich passiert.", äußerte sich Bandleader Murray Yate zu "Forty Foot Echo", dem selbstbetitelten Debüt. Dieses entdeckten auch die Verantwortlichen der US-Teenie-Serie "One Tree Hill", die Songs der Truppe gleich dreimal in der Serie einsetzten. Im Soundtrack zu "Freaky Friday" fand sich sogar "Brand New Day" wieder, jener Song, der Yates zu neuen Taten animierte. Nach weiterer Promotionarbeit ging es für die fünf schließlich auf Tour durch Kanada und den USA.

Im Frühling 2004 war die Tour erst vorbei. Ganze 14 Wochen war man als Support der Three Days Grace und Theory of a Deadman auf Reisen. Nachdem die Truppe ein verlassendes Appartment sowie den leergeräumten Proberaum wiederfand, zeichnete sich schnell ab, dass dies die letzte Tour in dieser Formation sein würde. Auch Geld haben sie kaum welches gesehen. Das Label stellte die Zusammenarbeit mit der Gruppe ein, auch die Manager von Forty Foot Echo sahen kaum Möglichkeiten. Um die Band trotzdem zusammenzuhalten, mietete Yate einen alten, dreckigen und versifften Raum in Nordhollywood, in dem er zusammen mit seinem Freund Eric Schraeder wohnte und probte.

Doch ohne Unterstützung des Labels und stets auf der Suche nach Arbeit, um den Raum weiterhin zu bezahlen, sahen alle Mitglieder keine Zukunft mehr. Auch bei Yates machte sich langsam Verzweiflung breit. Er entschloss sich zurück nach Vancouver zu gehen. In Vancouver angekommen fühlte er sich, als ob er jeden Moment den Boden unter den Füßen verlieren würde. Fernab von seiner Band, dem Label, seiner Verlobten und seinen Freunden und Kollegen musste er sich irgendwie wieder aufrappeln.

Diese Art Schockzustand inspirierte ihn aber weiterzumachen. Er setzte sich wieder auf den Hosenboden um sich an neue Texte zu machen und neue Melodien zu kreieren. Shaun McDowell, ein alter Freund und Gitarrenspieler, bot dem niedergeschlagenen Yate seine Unterstützung an. Er ermutigte ihn dazu, gemeinsam eine neue Platte zu machen und neue Bandmitglieder zu suchen. Dieser war ganz angetan und wieder voll bei der Sache. Sie arbeiteten zusammen bei der Vancouver Sun, einer großen Tageszeitung in Kanada, und nutzten jede freie Minute um an neuen Texten zu schreiben, Tag und Nacht. Im Januar hatten sie schließlich elf Songs beisammen, aus der sie nun ein neues Album machen wollten.

Nur fehlte erneut die Band. In insgesamt sechs Monaten suchten sich die beiden in zahlreichen Castings und Clubbesuchen die nötige Unterstützung. Forty Foot Echo komplettierten schließlich Justin Hinteregger (Bass), Ryan Chamberlain (Gitarre) und Dayvid Swart (Drums). Zusammen verkrochen sie sich im Juli 2005 in den Armoury Studios in Vancouver um die Arbeiten an ihrem neuen Album zu beginnen. Als Produzent konnten die fünf Darren Grahn gewinnen, einem lokalen Rockproduzenten. Auch Murray Yates fand man diesmal an den Reglern wieder.

Nachdem sich mit Echoman Music auch eine neues Label gefunden hatte, stand der Veröffentlichung von "Aftershock" nichts mehr im Wege. Dieses kam im Herbst 2006 in die Läden, begleitet durch die Singleveröffentlichung von "Closer", die viel Anklang beim Publikum fand. Gefolgt von einer ausgedehnten Tour durch Kanada und Teilen der USA sind die fünf immer noch zusammen und erspielen sich immer mehr Fans.

René Krieger - myFanbase