Take That

Foto: Take That, 2010 - Copyright: Universal Music
Take That, 2010
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1990: Noch ahnt niemand, was die Musikwelt im neuen Jahrzehnt für uns bereithält. Die erfolgreichste Boygroup aller Zeiten erobert von England aus die Welt. Ihr größter Hit "Back For Good" mauserte sich zu einem zeitlosen Klassiker der Neuzeit und zu einem der Aushängeschilder jüngerer Pop-Musik schlechthin. Take That hatten es geschafft: Rekorde pflasterten ihren Weg und Unterwäsche junger Mädchen ihre Bühne. Kaum einer Band gelang es nach ihnen, in der Popwelt derartig Fuß zu fassen und über Jahre hinweg so präsent in Köpfen der Menschen zu bleiben, ohne es selbst geblieben zu sein.

Die (Erfolgs-)Geschichte von Take That schreibt sich eigentlich von allein. Es ist die Geschichte einer Boyband, die im Triumphzug und in kürzester Zeit die Welt und die Herzen der Fans eroberte – und das ganz ohne Millionenmacher und Boygroup-Mogul Lou Pearlman (Backstreet Boys, N’Sync, Take 5, Lyte Funky Ones [LFO], Natural, O-Town, US5).

Stattdessen war es Manager Nigel Martin Smith, der Take That ins Leben rufen und zu großen internationalen Erfolgen führen sollte. Angefangen hat alles im Jahre 1990, als die Mode grell und die Musik vorwiegend techno- und beatlastig war. Smith hielt mit dem zuerst von ihm entdeckten Gary William Barlow, seit Kindertagen schrieb er Songtexte, Einzug ins Tonstudio. Bei ihrer Arbeit trafen sie auf die dortige Hilfskraft Mark Anthony Patrick Owen und Smith verpflichtete ihn für sein noch ungeborenes, später durchaus profitables liebstes Kind: Take That.

Doch zwei waren drei zu wenig. Der Manager hielt fortan seine Augen offen. In ihr Blickfeld rückten die damaligen Breakdancer Howard Paul Donald und Jason Thomas Orange. Bald darauf sollte Robert Peter Maximilian Williams, bekannt als "Robbie", welcher nach Schaltung einer Zeitungsannonce mit dem Aufruf "Singers wanted" hinzu stieß, das Quartett ergänzen.

Den Grundstein für ihre Karriere legte die Band seinerzeit in diversen homosexuell orientieren Einrichtungen. Gute private Kontakte zu den Verantwortlichen gaben Smith die Möglichkeit, seine Neuentdeckung einem zunächst kleinen Publikum zu präsentieren. Schon bald machten Take That von sich reden – und kehrte der Club-Szene bald den Rücken.

Mit den Jahren erreichten die fünf Briten ein immer größeres, größtenteils weibliches Publikum und füllten die größten Hallen der Welt bis auf den letzten Platz. Es stiegen nicht nur die Plattenverkäufe, sondern auch die Zahl derer, die sich mit Haut und Haar dem Phänomen Boygroup hingaben. Poster in Groß und Klein, Starschnitte, Kissen, Tücher, Videos und Sammeltassen – Wo Take That draufstand, das musste her. Vor dem Zubettgehen bekamen Mark, Gary, Howard, Robbie und Jason in 2D einen Gute-Nacht-Kuss aufgedrückt. Geschlafen wurde selbstverständlich im TT-T-Shirt, in der Hoffnung, von den fünf Jungs zu träumen.

Ausgeträumt hatte es sich für die Fans am 17. Juli 1995: Robbie Williams verlässt die Band. Er startet eine Solo-Karriere, die seines Gleichen sucht. Für die übrigen vier geht es ohne Robbie noch ein Jahr lang weiter. Ohne ihn können die Jungs zwar nicht an die ganz großen Erfolge wie "Babe", "Sure", "Relight My Fire" oder "Back For Good" anknüpfen, bleiben allerdings weiterhin erfolgreich und lassen auch als Quartett noch heute jede weitere, aus dem Boden sprießende Boygroup alt aussehen. Mit "Never Forget" erscheint die vorletzte Single der Band. Das Patchwork-Video zum Lied hält die guten und die schlechten Zeiten in knapp vier Minuten fest. Das Bee Gees-Cover "How Deep Is Your Love" zieht als endgültig letzte Auskopplung und Bonus-Track des Greatest Hits-Albums einen bewegenden Schlussstrich unter eine einzigartige Karriere.

Am 13. Februar 1996 geben Take That ihre Trennung bekannt. Millionen Mädchen brechen zusammen und in Tränen aus. Viele von ihnen trifft diese Nachricht wie ein Schlag. Diese neue Dimensionen erreichende Fan-Hysterie erschreckte die Medien, die Eltern zeigen sich besorgt: Ihre Kinder weinen, kreischen, protestieren gegen das Ende ihrer Lieblingsband. Sie schließen sich in ihre Zimmer ein, betrauern die Bilder an den Wänden, die fortan nur noch als Erinnerungen an vergangene Zeiten gesehen werden konnten. Sie verweigern die Nahrungsaufnahme und suchen bei anderen Fans Trost und Verständnis. Im schlimmsten Falle endete ihre Trauer im Suizid.

Im Laufe ihrer beispiellosen Karriere wanderten die CDs von Take That millionenfach über den Ladentisch. Zehn Jahre nach der Trennung wagen Jason, Mark, Howard und Gary ihre Rückkehr auf die Bühne.

Ihr Comeback feierten sie in Deutschland: Bei der "50 Jahre Bravo"-Party Ende Oktober 2006 performten sie erstmals ihre neue Single "Patience". Sie ernteten tosenden Applaus – von Mädchen, die, als Take That geboren wurde, selbst noch nicht geboren waren. Aber auch eingefleischte Fans, inzwischen vielleicht sogar selbst Eltern für Boygroups schwärmender Kinder, hatte es nach Hamburg verschlagen, um ihre Idole von damals noch einmal lauthals zu bejubeln. Nun treten die Jungs nach genau zehn Jahren das schwerste Erbe an: ihr eigenes.

Aljana Pellny - myFanbase

Discographie

2008The Circus
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2006Beautiful World
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2005Never Forget - The Ultimate Collection
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1996Greatest Hits
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1995Nobody Else
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1993Everything Changes
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1992Take That And Party
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