Nelly Furtado

Foto: Nelly Furtado - Copyright: Universal Music/Richard Bernardin
Nelly Furtado
© Universal Music/Richard Bernardin

Wo liegen die Grenzen in der Welt der Musik? Es gibt keine. Wenn wir von Musik sprechen, sprechen wir von einem großen Kontinent. Einer Welt. Man kann probieren, Grenzen überschreiten. Wie man möchte. Und wer hätte gedacht, dass auch mal ein zuckersüßes Pop-Sternchen zu eben solch einer Musikerin gehören würde? Einer Musikerin, die Grenzen überschreitet. Ehrlich und Charmant.

Nelly Furtado wurde im Dezember 1978 in Victoria, Kanada geboren, einer Stadt in British Columbia. Als eines von drei Kinder portugiesischer Eltern wuchs sie zweisprachig auf. Nichts ahnend über das in dem Mädchen schlummernde Talent, kommt sie im Alter von Neun Jahre zum ersten mal intensiv in Kontakt mit der Musik. Sie lernt den Umgang mit Instrumenten wie der Posaune, dem Keyboard, der Ukulele und schließlich auch der Gitarre. Mit 13 beginnt sie eigene Songs zu schreiben und eine Art Berufung für die Musik zu entdecken. Später spielte und sang sie auch in einer portugiesischen Band.

Nachdem sie die High School beendete, zog sie in die kanadische Großstadt Toronto. Eingelebt und orientiert formte sie 1997 zusammen mit einem Freund das Trip Hop-Duo Nelstar. Dort machte sie Erfahrung im entwickeln neuer Songs. Sie schrieb, dachte sich Melodien aus und sang. Als das Duo dann schließlich die Möglichkeit bekommt, ein Musikvideo zu produzieren und so ihren Bekanntheitsgrad zu stärken, zieht Nelly den Schlussstrich. Sie kann sich mit dem Stil von Nelstar nicht bzw. nicht mehr identifizieren und lässt ihr nicht die Möglichkeit sich vollständig zu entfalten. Der Clip wurde so nie veröffentlicht und Nelly zog weiter, um ihre eigene Hütte zu bauen.

So tourte sie durch die Nachtclubs in Toronto, stets in der Hoffnung, entdeckt zu werden. Im Lee´s Palace-Club schließlich wurde 1999 ein gewisser Gerald Eaton, seines Zeichen Sänger der The Philosopher Kings, auf die junge Furtado aufmerksam. Die beiden verstanden sich gut und als es wenig später zur Vertragsunterzeichnung mit dem Major Dream Works Records kommt, steht er ihr bei der bevorstehenden Albumproduktion mit Rat und Tat zur Seite. Als Produzenten mit an Bord sind zwei geschätzte Persönlichkeiten, unter der Leitung von Mike Elizondo und Brad Haehnel, die schon mit Künstlern wie Dr. Der, Eminem oder Snoop Dogg zusammenarbeiteten, entsteht ihr Debütalbum "Whoa, Nelly!".

"Whoa, Nelly!" besticht vor allem durch seine Abwechslung. Es wurde kein Hip Hop-Album, keine schon so oft gehörte Pop-Dudelei. Nein, es entstand eine schöne Portion Musik, abwechslungsreich und Genreübergreifend. Das wissen auch die Hörer sehr zu schätzen. Ihre Singles "I'm Like A Bird" und "Turn Off The Light" etablieren sich in kürzester Zeit zu wahren Radioperlen, die auch heute noch gerne gespielt werden. Dementsprechend verkaufte sich das Album prächtig: 4fach Platin in ihrer Heimat Kanada, doppeltes Platin in den USA, UK, Australien und Irland, in weiteren elf Ländern gibt es die Goldene, auch in Deutschland. Und das Sahnehäubchen darf natürlich nicht fehlen, so nimmt sie für "I'm Like A Bird" den Grammy als Best Female Pop Vocal Performance entgegen. In 2002 konnte man sie auf ihrer ersten Tour als Solokünstlerin auf den Bühnen dieser Welt sehen und auch der US-Serie "Roswell", die vor allem bei Jugendlichen TV-Zuschauern Anklang fand, wurde ein Besuch abgestattet.

Nachdem sie schon während ihrer Tournee an neuen Songs schrieb, zog es sie 2003 direkt wieder ins Studio. Allerdings mit kleinem Bäuchlein, denn Furtado war schwanger. Ihr zweites Album, welches zuerst mit dem Titel "Fresh Off The Boat" angekündigt wird, führt sie zurück zu ihren musikalischen Wurzeln. Alles steht im Zeichen der Folklore, ihrer persönlichen. Sie vermischt Folklore-Klänge mit modernen Beats und Melodien ganz nach ihrem Geschmack und abermals mit der Unterstützung von Gerald Eaton. Nach der Single "Powerless (Say What You Want)" und der Geburt ihrer Tochter Nevis kommt ihr zweites Album schließlich im November unter dem Titel "Folklore" in die Läden.

Nachdem sich das Album in Deutschland sehr gut verkaufen ließ und gleich fünf Singles hervorbrachte, sah es weltweit nach den Erfolgen ihres Debüts eher mager aus. In vielen Ländern schaffte sie es gerade mal in die Top 20. Auf Tour ging sie trotzdem, die sich wegen der zurückliegenden Geburt allerdings nicht sehr gewaltig gestaltete. Auch auf ihrem zweiten Studioalbum war der Song "Forca", den sich Portugiesen glatt als Song für die in ihrem Land stattfindende Fussball-Europameisertschaft aussuchten.

Nach Album und Tour ging es 2005 abermals wieder ins Studio. Diesmal allerdings nicht zu altbekannten Produzenten, viel mehr wollte sie was komplett neues und mit großen Produzenten zusammenarbeiten, denn: "Mit neuen Produzenten zu arbeiten ist wie Klamotten-Shopping: Man weiß nie, was einem stehen wird, bis man es nicht am eigenen Leib ausprobiert hat. Und manchmal sehen sie sogar etwas, in dir, das du selbst vielleicht noch nie entdeckt hast." Gesagt, getan, sie reiste zu Nellee Hopper nach Londen, zog weiter nach Los Angeles, wo sich Lester Mendez sich ihrer annahm, besuchte Rick Nowles und beendete ihre Reise schließlich im sonnigen Miami, wo sie mit den Produzentengrößen Pharrel Williams, Scott Storch und Timbaland an ihrem neuen Album weiterarbeitete.

Und genau jene drei waren auch die Richtigen für die Vorstellungen zu ihrem dritten Werk. Denn auf "Loose" geht es sehr trendy zur Sache und Nelly ergibt sich dem Hip Hop, natürlich mit Einflüssen andere Musikrichtungen. "Man kann auf dieser Platte raushören, wie ich alles loslasse und völlig losgelöst zur Sache gehe", sagt Nelly zu "Loose". Das Album kommt schließlich nach der Veröffentlichung der Single "Maneater" im Juni 2006 in die Läden.

René Krieger - myFanbase