Bewertung: 7

Review: #9.04 Schuldgefühle

Foto: Austin Nichols, One Tree Hill - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Austin Nichols, One Tree Hill
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Da haben die Autoren aber gerade nochmal so die Kurve bekommen: nach dem Tiefpunkt von #9.03 Love The Way You Lie schaffen sie es in dieser Woche endlich, dass die einzelnen Storylines Fahrt aufnehmen und dabei auch eine schöne Verknüpfung zwischen den Handlungssträngen und auch den Charakteren stattfindet. Im Mittelpunkt steht dabei hauptsächlich die Auflösung des Cliffhangers der letzten Folge, als Julian seinen Sohn Davis im Auto vergessen hat.

I can't forgive myself for being so careless.

Diesen Abschnitt muss ich ganz einfach mit der Feststellung beginnen, was für eine großartige Leistung Austin Nichols abgeliefert hat und dass er damit wesentlich für die Intensität der Storyline rund um das Vergessen von Davis im Auto verantwortlich ist. Zwar mochte ich auch den nerdy Julian aus der achten Staffel, aber nach den tollen Szenen der siebten Staffel mit Brooke oder auch mit Alex war einfach klar, dass Austin Nichols so viel mehr kann und dieses Potenzial ungenutzt zu lassen war einfach extrem schade. Nun bekommt er die Chance, nicht nur als Anhängsel von Brooke, sondern als zentraler, auslösender Charakter der Storyline und er macht schon in der ersten Folge deutlich, dass er diese Rolle exzellent ausfüllen kann.

Mir gefällt es sehr gut, dass es wieder einmal mehr um das "Was wäre wenn" als um tatsächliche schlimme Konsequenzen geht, vor allem deshalb weil es in der letzten Staffel der Serie in nur 13 Folgen quasi unmöglich gewesen wäre, tatsächlich den Tod eines Kleinkindes durch unabsichtliches Verschulden eines Elternteils zufriedenstellend zu erzählen. Diese "Was wäre wenn"-Szenarien entschärfen die Tragweite eines Ereignisses für die Gesamthandlung der Serie, bieten aber gleichzeitig die Möglichkeit, dass sich die Charaktere trotzdem mit diesen fundamentalen Fragen ihres Lebens beschäftigen – ähnlich war es zum Beispiel auch beim Skandal um Nathan und Renee. Julian muss nun verarbeiten, dass er beinahe für den Tod seines Kindes verantwortlich gewesen wäre und ihn dabei zu begleiten finde ich sehr spannend.

Die Szenen waren durchgängig stark, aber zwei möchte ich doch hervorheben: zum einen natürlich die Szene mit Brooke im Auto, als diese sieht, wie sehr es Julian innerlich zerreißt und daraufhin Haleys Ratschlag versteht. Sie muss Julian trotz ihres tiefsitzenden Schocks wieder vertrauen und ihm dies auch vermitteln, damit Julian selbst auch wieder Vertrauen in seine Fähigkeiten als Vater haben kann. Dies stellt natürlich auch Brooke vor eine große Aufgabe und ich freue mich darauf, Sophia Bush hoffentlich auch weiterhin in emotionalen Szenen zu sehen. Fast noch besser gefiel mir allerdings der Moment zwischen Julian und Haley, als diese ihm von Jamies Beinahe-Ertrinken im Pool erzählt. Und ich wollte ja eigentlich schon Mark Schwahn dafür loben, dass er eine so wichtige Begebenheit aus einer früheren Staffel nicht einfach fallen gelassen, sondern auf wunderbare Weise aufgegriffen und in diese Storyline eingebaut hat – bis ich durch Interviews von Austin Nichols und Bethany Joy Galeotti erfahren habe, dass im Drehbuch eine ganz andere, neue Geschichte über Jamie stand. Als nach mehreren Takes immer noch nicht alle zufrieden waren, hat Joy die Szene komplett improvisiert und aus ihrer Erinnerung von dem Ereignis aus #5.10 Die Vergangenheit ist schneller erzählt. Hut ab vor dieser Leistung, die zu einer derart perfekten Szene geführt hat, dass Mark Schwahn nicht seine, sondern Joys Version für die Folge genommen hat.

We're gonna have to do something about this stupid sign!

Großen Spaß macht mir bislang auch die Rivalität zwischen den beiden Cafés, vor allem weil ich es toll finde, dass es zu so viel Interaktion zwischen Brooke und Haley führt. Die beiden erinnerten mich beim Aufhängen des neuen Banners sehr an Deb und Karen in #3.07 Falsche Dates, eine schöne Reminiszenz an die frühen "One Tree Hill"-Zeiten, als Karen's Café von diesen beiden geführt wurde und es auch viele wichtige und emotionale Gespräche in diesen vier Wänden gab. Umso besser fand ich es, dass selbst Mouth und Skills in diese Storyline involviert werden, denn auch wenn es nicht um tiefgründige Gespräche, sondern um eine wirkliche witzige Szene ging, so kommt es zwischen den einzelnen Charakteren endlich wieder zu mehr Verknüpfungen – etwas, das mir in der letzten Folge extrem gefehlt hat.

Tara als Besitzerin des neuen Cafés finde ich vielversprechend, weil ich bei ihr nicht glaube, dass sie in dem Kleinkrieg so schnell klein beigeben wird. Allerdings ist so eine Storyline natürlich eine Gratwanderung, weil es sehr schnell lächerlich werden kann und ich hoffe, dass die Autoren noch eine etwas tiefere Ebene einbringen werden. Immerhin wissen wir nun auch, wo einer der weiteren Flashforwards stattfinden wird, die in #9.01 Know This, We Noticed vorkamen, denn Brooke randaliert eindeutig in Taras Café und ich bin gespannt, mit was diese sie so sehr auf die Palme gebracht hat.

The sleepwalking is happening during the day and I can't remember anything.

Einen anderen Flashforward bekommen wir allerdings tatsächlich zu sehen und zwar den von Clay und Quinn. Der Streit der beiden hat mir – nun auch in ganzer Länge und im richtigen Kontext – so gut gefallen, wie ich es mir nach dem kurzen Teaser im Staffelauftakt gedacht habe, auch wenn es nach der letzten Folge quasi unmöglich erschien, dass ich an dieser Storyline noch irgendetwas gut finden könnte. Doch die Autoren bügeln ihren scheinbaren Fauxpas aus, indem sie eine Erklärung für die überstürzte und durch nichts motivierte Medikamentensucht von Clay liefern: er ist überhaupt nicht süchtig, sondern hat es nur behauptet, um vor Quinn nicht zugeben zu müssen, dass er keine Erinnerung daran hat, den Dealer getroffen zu haben. Das gibt nicht nur der Folge der letzten Woche, sondern der kompletten Geschichte um Clays Schlafwandeln eine interessante Richtung und nun bin ich doch wieder gespannt, was hinter dem Ganzen steckt.

Dans Intervention fand ich einerseits toll, weil es zeigt, wie sehr ihm daran liegt, seine Familie auch im weiteren Sinn zu beschützen und außerdem war es grandios, dass sie tatsächlich noch einmal diese irre Show abgezogen haben, dass Dan Clay ins Meer zieht, um ihm buchstäblich den Kopf zu waschen. Andererseits hatte ich bei seiner Konfrontation mit dem Dealer doch ein sehr mulmiges Gefühl, dass er sich diesmal vielleicht doch mit den falschen Leuten angelegt hat. Gerade der Schluss der Folge legt nahe, dass seine Drohung gefährliche Konsequenzen haben könnte – aber dazu später mehr…

How is it that you can quit your job in Omaha for Millie but you can't take care of your health for her?

Auch bei Millie und Mouth geht es nach dem Eklat in der letzten Folge wieder etwas ruhiger und toleranter zu. Auslöser dafür ist Skills, der von seinem Sportchoreografie-Job in L.A. zurückkommt und den beiden ins Gewissen redet. Dass die beiden einen Mittelsmann benötigen, um sich wieder zu versöhnen, finde ich gar nicht so unrealistisch, nachdem sich das ganze Thema bei Millie so aufgestaut hat und sie Mouth mit ihrem Ausbruch letztlich sehr verletzt hat. Mir hat gefallen, dass er einerseits Mouth verdeutlicht, dass er sehr zugenommen hat und seine Gesundheit damit gefährdet und andererseits auch Millie klar macht, dass ihre Aussagen vor der Kamera einfach unterste Schublade waren. Wichtig war aber natürlich vor allem, dass Mouth versteht, wieso Millie so ausgerastet ist, nämlich weil sie sich in erster Linie um ihn sorgt. Den Schluss fand ich dann sehr interessant: Mouth sieht ein, dass er etwas ändern muss, fängt für Millie auch an, sich gesünder zu ernähren – nur um dann nachts den Kühlschrank zu plündern. Und das nicht aus Trotz, sondern weil er sich nicht dagegen wehren kann. Daraus könnte sich wirklich etwas Gutes entwickeln, auch wenn die Maskenbildner nach wie vor großen Verbesserungsbedarf bei ihren Fettmasken haben.

Now I got to be the douchey pig who hooks up with someone else's girl.

Kommen wir nun zum einzigen Minuspunkt der Folge: Chase und sein neuer love interest. So sehr ich mich mit Tara als neuem Miststück in der Stadt und als Feindin von Haley und Brooke anfreunden kann, so sehr missfällt mir, dass sich mit ihr nun plötzlich doch noch das Liebesdreieck zwischen Chase und Chris ergibt, von dem ich mich nach der Abreise von Alex verschont geglaubt habe. Während die anderen Storylines endlich ein Tempo gefunden haben, das es den Charakteren erlaubt, sich zu entwickeln und ein Interesse beim Zuschauer aufzubauen, wird bei Chase und Tara wieder alles überhastet. Er besäuft sich bis zum Blackout, hat dann einen One-night-stand, in den er sich scheinbar gleich verliebt hat oder dem er nicht widerstehen kann, obwohl er eigentlich noch Alex hinterher trauert, und dann ist diese Neue auch noch die Freundin von Chris, mit dem ihn eine aufkeimende Freundschaft verbindet – gibt es noch ein Klischee, das ich vergessen habe? Dieser Handlungsstrang hat (wie schon so viele von Chase) mal wieder dick und fett das Prädikat "unnötig" verdient und es bleibt abzuwarten, ob aus dieser 08-15-Geschichte noch irgendwas Anständiges wird. Aber ich bezweifle es…

Nathan is coming home tonight, so… – I know. Once he gets here, I'll leave.

Bleibt abschließend noch der Cliffhanger – ja, schon wieder einer, das ist man nach der achten Staffel gar nicht mehr gewohnt! Das Foreshadowing in der gesamten Folge hat mir schon mal sehr gut gefallen: Immer wieder wird Nathans baldige Rückkehr angesprochen, sowohl im positiven Sinn für Haley, Jamie und Lydia, aber auch im negativen für Dan. Es ist ziemlich eindeutig, dass Dan immer noch darauf hofft, mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen zu können, aber ob er dafür so weit gehen würde, seinen eigenen Sohn von dessen Familie fernzuhalten? Das traue ich ihm eigentlich nicht zu. Wahrscheinlicher ist für mich nach dem Zusammenstoß mit Clays Dealer eher, dass dieser Dan klarmachen will, welche Konsequenzen es hat, wenn man sich mit ihm anlegt. Es steht jedenfalls fest, dass dieser Cliffhanger um Nathans Verschwinden mindestens genauso viel versprechend ist wie das Ende der letzten Folge und ich freue mich wirklich darauf, wie dies in der nächsten Episode umgesetzt wird.

Fazit

Eine gelungene Folge mit wohltuenden und nötigen Wendungen in den Storylines und endlich mal wieder tollen, emotionalen Szenen. Nachdem der Anfang doch etwas holprig war, scheint sich die finale Staffel so langsam zu finden und kann mit guten Entwicklungen punkten. Einzig die Storyline von Chase hinkt dem Niveau der übrigen Folge deutlich hinterher, das allerdings insgesamt auch noch Luft nach oben lässt.

Lena Stadelmann - myFanbase


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