Bewertung: 8

Review: #14.03 Go Big or Go Home

Wer hätte das gedacht? Nachdem es im Finale von Staffel 13 so aussah, als würden wir ein Love Triangle gepaart mit Kriegstrauma zu sehen bekommen, fokussiert sich diese Staffel immer mehr auf Storylines, die ich so nicht hätte kommen sehen können. Mit Amelias Tumor rutscht eine Geschichte in den Fokus, die mit einer großartig aufspielenden Caterina Scorsone auffährt und das Love Triangle hilft viel mehr bei Merediths Reifungs-und Entwicklungsprozess. Wie gesagt: Wer hätte das gedacht!

Amelias Tumor

Diese Geschichte hat sich bereits zu meiner neuen liebsten Storyline entwickelt, da sie in so vielen Einzelheiten und Details funktioniert und heraussticht. So lernen wir mit Tom Koracick einen Lehrer von Amelia kennen, der so herrlich arrogant von Greg Germann gespielt wird, dass man es einfach liebt, ihn ein kleines bisschen zu hassen – doch schließlich liegt Amelias Leben in seinen Händen, obwohl der Tumor "nur" gutartig ist. Dazu haben wir einen Andrew, der nicht nur wie selbstverständlich Stephanies Platz an Amelias Seite angenommen hat, sondern auch auf seine Art versucht, ihr beizustehen und Maggie auf eine wirklich großartige lustige Weise über Amelias Tumor aufzuklären. Nicht nur, dass damit die Beziehung der beiden wieder zum Thema gemacht wird und wir Zeuge von ihrer unglaublichen Chemie werden, Maggie missversteht Andrew so komplett, dass wir eine der besten Szenen geliefert bekamen. Auch der Tumorvergleich zwischen Amelia und Webber war einfach nur genial und von Caterina Scorsone ziemlich trocken gespielt, sodass ich auch hier viel zu lachen hatte.

Doch gleichzeitig ist diese Storyline hochemotional, stellt sie nämlich Amelia selbst völlig in Frage. Der Tumor, der sich in ihrem Kopf befindet, wächst dort seit etwa zehn Jahren – was die komplette Zeitspanne darstellt, die wir Amelia, seit ihrer Zeit in "Private Practice", kennen. Ihr obsessives, impulsives Verhalten, ihre Stimmungsschwankungen, ihre Suchtprobleme, ihre Art mit Männern, vor allem mit Owen, umzugehen, oder die Nerven bei den Menschen in ihrem Leben wie Meredith zu verlieren… All das hat der Tumor beeinflusst. Diese Enthüllung ist ein wirklicher Game Changer und lässt die Frage hochkommen, inwieweit Amelia auch ihre Patienten in den letzten zehn Jahren gefährdet hat. Doch selbst mit Tumor sind weniger Menschen auf ihrem OP-Tisch gestorben als auf Dereks, selbst mit Tumor hat sie bahnbrechende Operationen wie die von Nicole Herman erfolgreich abgeschlossen. Dennoch bleibt für mich die Frage bestehen, ob sich Amelias Charakter nach ihrer OP verändern wird bzw. ob sie ruhiger und besonnener wird. Dass sie überlebt, steht für mich außer Frage, stehen wir nämlich noch am Anfang der Staffel und ein so großer Todesfall, wie Amelias ihn darstellen würde, findet eigentlich immer nur am Ende einer Staffel statt.

Webber ist in diesen Szenen, in denen Amelia mit sich selbst hadert, einfach nur wundervoll und schafft es, Amelia beizustehen und sie gleichzeitig dazu zu bringen, sich ihrer Familie zu stellen. Und hier finde ich es wunderbar, dass Amelia sich zuerst Maggie anvertraut. Die Beziehung der beiden wird oft nicht so in den Fokus gestellt wie ihre jeweiligen Beziehungen mit Meredith, dennoch haben die beiden ein wunderbares, enges Band, das hier wieder auf schöne Art dargestellt wird. Maggie kann Amelia dabei unterstützen, es Owen und Meredith mitzuteilen – Owens geschockte Reaktion, jedoch auch seine sofortige Sorge und Hilfsbereitschaft ihr gegenüber, ist schön inszeniert, wird für mich jedoch von der Szene mit Meredith übertroffen. Amelia denkt schließlich, dass Meredith sich nun im Recht fühlt, hat sie doch jahrelange gesagt, dass Amelia sich verrückt verhält und kann es ihr nicht sagen – aber als Meredith davon erfährt, legt sie sich einfach zu Amelia in ihr Bett und steht ihr schweigend bei. Nach all den Schwierigkeiten, die diese beiden Frauen in der Vergangenheit miteinander hatten, ist diese Szene bezeichnend dafür, dass Meredith Amelia als ihre Familie akzeptiert hat und sie von Herzen liebt.

Being in a mood

Meredith selbst hat immer noch mit der Situation mit Nathan und Megan zu kämpfen und befindet sich deswegen in durchaus schlechter Laune – da trifft es sich ziemlich gut, dass ausgerechnet ihr (ehemaliger? So ganz wird das nicht deutlich) Psychiater als Patient eingeliefert wird und Meredith die Möglichkeit hat, sich endlich alles von der Seele zu reden. So stellt sie nicht nur fest, dass Walter, von dem sie dachte, er hätte alle Antworten, es jahrelang versäumt hat, zum Arzt zu gehen oder seine eigenen persönlichen Probleme hat, sondern dass sie schlichtweg sauer auf Nathan ist. Schließlich hat er die Chance, die sie selbst nie bekommen wird: Nämlich mit seiner großen Liebe wieder zusammen zu kommen und seinen Traum somit zu leben. Sie ist nicht eifersüchtig auf Megan, sie will einfach, dass Nathan für seinen Traum kämpft, so wie sie es selbst tun würde, wenn Derek noch am Leben wäre. Hier wird abermals deutlich, wie ambivalent Meredith Dinge sehen kann – so ist es für sie okay, dass der Mann, der sie am besten verstand und bei dem sie sich seit Derek am wohlsten fühlte, gleichzeitig auch eine andere liebt. Dass sie dazu noch herausstellt, dass Megan ebenso wie sie versteht, dass das Leben kompliziert ist, finde ich faszinierend, unterstreicht das nur, wie ähnlich die beiden Frauen sich doch sind. Doch wie wird es hier weitergehen? Ich vermute nicht, dass Nathan und Megan auf lange Sicht zusammenbleiben, aber ich kann mir ebenfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich vorstellen, wie Meredith und Nathan wieder ein Paar werden könnten.

"You're fired!"

Harper Avery ist zurück – und ohne Probleme lässt sich feststellen, dass er sich seit seinem letzten Auftritt in keinster Weise geändert hat und seine arrogante, eigensinnige und überhebliche Art beibehalten hat. So lässt er natürlich kein gutes Haar an einer der Veränderungen, die Bailey unternommen hat (und die tatsächlich das Aussehen des Krankenhauses gehörig verbessern), behandelt seinen Enkelsohn Jackson wie ein Kleinkind und behauptet, das Krankenhaus und die Stiftung würden aufgrund von emotionalen, "weiblichen" Entscheidungen von Catherine und Bailey bankrottgehen. Was für ein Kotzbrocken. Dass Bailey irgendwie doch noch um die Kündigung herumkommt, war klar, aber dass Harper Avery jetzt tatsächlich gestorben ist, ist etwas, was ich so nicht erwartet hätte. Schließlich gehört er zu den wichtigsten Ärzten in der fiktiven Ärztewelt von "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" und dass er nun so sang- und klanglos gestorben ist, dass nicht einmal die Averys von der Presse belagert wurden, finde ich schon etwas merkwürdig. Dazu ist es seltsam, dass Jackson nicht einen Funken Trauer für den Verlust seines Großvaters übrig hat. Aber immerhin, Catherine und Jackson haben Bailey sofort zur Chefin des Krankenhauses ernannt. Ich frage mich ja, ob sich nun irgendwas bei den Averys verändert, nun, wo ihr Oberhaupt verstorben ist. Wird eventuell wieder Jacksons Vater auftauchen? Oder könnte Jackson eventuell mehr Aufgeben in der Stiftung bekommen?

Kurze Eindrücke

  • Carina verzaubert immer weiter! Mit ihrer offenen Art und ihren leicht kontroversen Methoden lockert sie die Ärzte des Grey + Sloan Memorials immer weiter auf und sorgt damit stets für die größten Lacher. Dazu ist die Chemie mit Arizona unglaublich und Andrew als kleiner, blamierter Bruder gefällt mir ebenso. Großartig!
  • Auch Megan ist einfach nur eine Bereicherung für den Cast und hat wieder ein paar wunderbare Szenen mit Owen abbekommen – es ist zum einen gut, dass Owen jemand hat, dem er sich so sehr anvertrauen kann, zum anderen bietet sie ihm die nötige Kontra und wäscht ihm den Kopf. Ich hätte nicht erwartet, dies je zu sagen, aber Megan in die Serie zu holen, war tatsächlich eine sehr gute Entscheidung.
  • April leidet immer noch unter der Situation mit Jackson und Maggie, doch sie scheint nicht den Glauben an die große Liebe verloren zu haben. Ihr Engagement bei dem jungen Pärchen war sehr rührend. Die Erwähnung von Matthew, der in vielerlei Hinsicht der bessere Ehemann für April gewesen wäre, fand ich dazu ebenfalls passend – schließlich hat April in der Vergangenheit nicht auf ihren eigenen Ratschlag gehört. Für April würde ich mir wünschen, dass sie endlich mal richtig zu daten beginnt.
  • Jackson und Maggie hatten wieder einen wirklich awkward moment, der mich jedoch sehr zum Lachen gebracht hat. Lange kann man das aber nicht aufrechterhalten; es sollte bald geklärt werden, was da genau zwischen ihnen läuft.
  • Jo und Alex sind wieder glücklich vereint und ziehen sogar wieder zusammen – sind das nicht ein, zwei Schritte zu früh? Wie dem auch sei, es tut gut, beide so glücklich nach den Ereignissen der letzten Staffel zu sehen. Dazu hat Alex scheinbar zu viel Platz in Merediths Haus eingenommen und war offensichtlich nicht der Ordentlichste - mit Alex‘' Auszug war auch dieses Problem geklärt.


Fazit

Im Vorfeld groß angekündigt, von mir stark bezweifelt, doch für mich steht bereits nach dieser Folge fest: Das alte "Grey's"-Feeling ist zurück! Lachen und Weinen in einer Folge, gepaart mit großartigen schauspielerischen Leistungen, herrlichen One-Linern und wunderbaren Beziehungen, die uns zum Mitfiebern anregen. Ich möchte es nicht verhexen, aber Krista Vernoff ist zum jetzigen Zeitpunkt genau das, was "Grey's Anatomy" nach der allzu durchwachsenen Staffel 13 gebraucht hat. Vielen Dank im Voraus und weiter so!

Lux H. - myFanbase


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