Was steckt eigentlich hinter dem Titel "Grey's Anatomy"?

Der Titel einer Serie entscheidet oftmals darüber, ob unser Interesse geweckt wird oder ob wir weiter zappen. Er soll zur Show passen, einprägsam sein und den Zuschauer zum Einschalten bewegen, und sei es nur aus Neugierde. "Complications" - so der ursprüngliche Titel von "Grey's Anatomy" - weckt sicherlich die Neugier des Zuschauers, allerdings lässt er nicht erkennen, in welche Richtung sich die Show bewegt. "Lost" klingt mysteriös, "Desperate Housewives" komisch und tragisch zugleich und die "Gilmore Girls" spiegeln einfach die beiden Gilmore Girls wieder. Deswegen entschied sich ABC dazu, den Titel "Complications" zu verwerfen und der Show den Namen "Grey's Anatomy" zu verpassen.

Zunächst scheint es also offensichtlich, eine medizinische TV-Serie nach ihrer Hauptdarstellerin zu benennen und einen Hinweis auf die medizinischen Thematik der Serie zu geben. Ärzte und Medizinstudenten in den USA und Großbritannien jedoch haben sich sicherlich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Hinter dem Titel verbirgt sich nämlich nicht nur Meredith Grey, sondern ein Buch, das in fast 150 Jahren zum Standardlehrwerk auf dem Gebiet der Anatomie avancierte.

Ein verständliches, ausführliches Lehrwerk

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Henry Gray, Dozent an der St. George's Hospital Medical School in Großbritannien, ärgerte sich darüber, dass es kein vernünftiges Lehrwerk gab, mit dem Studenten sich die Anatomie des Menschen erarbeiten konnten. Zusammen mit Freund und Kollege Dr. Henry Vandyke Carter arbeitete er an einem Buch, das eine akkurate Ausbildung gewährleisten und zudem noch erschwinglich sein sollte. Es sollte jungen Studenten dabei helfen, sich auf Prüfungen vorzubereiten und sie in ihrer Ausbildung zu fähigen Chirurgen unterstützen.

Drei Jahre arbeitete Gray an seinem Werk, bevor es 1858 unter dem Titel "Anatomy – Descriptive and Surgical" in Großbritannien veröffentlicht wurde. Auf über 750 Seiten enthielt es alles wissenswerte über die menschliche Anatomie, illustriert von über 350 detaillierte Zeichnungen, die Carter per Hand angefertigt hatte. Das Buch fand reißenden Absatz bei Studenten und praktizierenden Medizinern gleichsam, und fand kurze Zeit später auch den Weg in die USA.

Gray's Anatomy, 150 Jahre später

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Noch heute, fast 150 Jahre nach Veröffentlichung der ersten Ausgabe, gilt das Buch als bestes und umfangreichstes Nachschlagewerk in Sachen Anatomie. Natürlich wurde es seither um die neuesten medizinischen Erkenntnisse erweitert und fasst in seiner 39. Auflage, die im Februar 2005 erschienen ist, mehr als 2000 Seiten. Viel zu unhandlich für Studenten, weswegen man ab Auflage 35 darum bemüht war, den Lehrstoff zu komprimieren und eine Version zu veröffentlichen, die den Studenten seither als kompaktes Lehrbuch im Studium begleitet.

Kein Wunder also, dass man auf der Suche nach einem passenden Namen für eine Show über junge Chirurgen irgendwann auf das Buch stieß, das von Studenten kurz und knapp "Gray's Anatomy" genannt wird. Während durch die Änderung eines kleine Buchstabens das medizinischen Thema angedeutet wird, wird im gleichen Atemzug Hauptcharakter Meredith Grey eingeführt. Guter Schachzug.

Melanie Brandt - myFanbase

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