Bewertung: 8

Review: #6.03 Eidbrecher

Foto: Lena Headey, Game of Thrones - Copyright: Helen Sloan/HBO
Lena Headey, Game of Thrones
© Helen Sloan/HBO

Es ist immer wieder schön, im Frühling in eine neue Staffel "Game of Thrones" abzutauchen und das ganz besonders dann, wenn sie sich so gut entwickelt, wie es Staffel sechs mit dieser Episode tut. Ich bin wahrlich von fast jedem Handlungsstrang der Episode begeistert, da man die gesamte Zeit über die Spannung nicht abfallen ließ und in etwas weniger spannenden Szenen durch witzige Dialoge für Abwechslung sorgte.

And now my watch has ended.

Der Aufmacher der Folge war natürlich etwas ganz Besonderes, da man unbedingt wissen wollte, wie es mit dem auferstandenen Jon weitergeht. Es ging mir sehr nahe, wie liebevoll Jon von seinen Freunden bei der Nachtwache und natürlich auch bei den Wildlingen aufgenommen wurde. Die herzlichen Umarmungen und das ungläubige Stauen waren ein Zeichen dafür, dass Jon nicht nur ein großer Verlust für die Nachtwache sondern auch für die Serie gewesen wäre, was nochmal unterstrichen wurde, indem man uns nicht ein Gesicht zeigt, das sich nicht über seine Rückkehr freut. Auch dass niemand den Zauberkünsten von Melisandre schwarze Magie nachsagt, zeigt, dass man sich in der Eingangsszene ganz und gar auf Jons Auferstehung konzentrieren möchte und es nicht an der Zeit für das Gerede böser Zungen ist.

Ich fand es sehr clever, gleich zu Beginn mit der Geschichte an der Mauer zu starten, da man dadurch wusste, dass wir zum Ende hin ganz sicher noch ein wenig mehr aus dem Norden erfahren. Dies zeigte sich dann in der Endsequenz, als man dann doch darauf zu sprechen kam, dass eben nicht jeder begeistert über Jons Auserstehung ist. In diesem Zusammenhang schlägt man einen Bogen zu Ned Stark, der uns schon zu Beginn der Serie zeigte, dass man seine Widersacher manchmal nur durch die Demonstration von Stärke in die Schranken weisen kann. Auch Jon sah sich in dieser Folge gezwungen, seinen ehemaligen Gefolgsleuten das Leben zu nehmen, da sie ihren Eid gebrochen haben. Erinnert ihr euch noch an die letzte Staffel, in der Jon ebenfalls zum Schwert griff, um Janos Slynt zu enthaupten? Dieses Mal macht Jon dabei ein ganz anderes Gesicht und man fragt sich unwillkürlich, ob es die Niedertracht seiner Mörder ist oder die Zeit als Toter, die ihm so nahe gegangen ist, denn das Jon etwas quält, kann man ihm in jeder Sekunde der Szene ansehen.

Jon, ein Mann von Ehre genau wie sein Vater, tut etwas, was ich so nicht von ihm erwartet hätte: er lässt die Nachtwache hinter sich. Ich finde es wunderbar, dass uns die Autoren mit dieser Wendung überrascht haben, damit gleichzeitig aber nicht gegen Jons Charakter verstoßen, da er seinen Eid schließlich nicht bricht. Er hat der Nachtwache bis zum Tod gedient und nun beginnt für ihn ein neues Kapitel. Ich persönlich freue mich sehr darauf.

Die starke Storyline an der Mauer wird gefolgt von einer Szene mit Sam und Gilly, die wir in dieser Staffel zum ersten Mal sehen. Meine Frage, wie Sam Jons Tod aufnehmen wird, hat sich nun erübrigt, daher kann man sich ganz auf das Paar konzentrieren, dessen Zukunft in den Sternen steht. Sowohl Gilly als auch Sam haben sich über die Staffeln zu stärkeren Persönlichkeiten entwickelt, dabei aber nicht ihre eigentlich zurückhaltenden Züge abgelegt, was uns in dieser Folge erneut gezeigt wurde. Schüchtern aber bestimmt vertreten die beiden ihre Standpunkte und die fröhliche Stimmung von zuvor schwängt langsam in einen ernsteren Ton um.

Tower of Joy

Beim Flashback der Folge können wir erneut mit Bran in die Vergangenheit abtauchen und beobachten gemeinsam mit ihm einen Kampf zwischen Ned Stark und den Anhängern des gestürzten Königs. Sofort ist man wie elektrisiert und fragt sich, was es mit der geheimnisvollen Festung im Hintergrund wohl auf sich hat. Befindet sich dort drin Lyanna? Bekommen wir sie bald zu Gesicht und erfahren etwas mehr, was die brodelnde Gerüchteküche vielleicht zum Schweigen bringt oder gar noch mehr anheizt? Nicht nur durch die sich auftuenden Fragen konnte sich diese Szene profilieren, auch der Schwertkampf trug zur elektrisierenden Stimmung bei. Man wusste zwar, das Ned nichts geschehen wird, dennoch fiebert man mit der vertrauten Figur mit.

Ich kann mich sehr gut damit anfreunden, von nun an in jeder Episode etwas mehr aus der Vergangenheit der Starks zu erfahren. Besonders spannend wird es sicherlich gegen Ende der Staffel, wenn man aus den neuen Informationen Schlüsse ziehen kann, die sich auf die gegenwärtige Handlung auswirken. Von Bran an sich bin ich zwar noch immer kein großer Fan, doch durch die neue Erzählweise ist mir seine Storyline bereits um einiges sympathischer geworden.

Rickon Stark

Wenn ich in dieser Episode mit etwas nicht gerechnet hätte, dann wohl mit dem Auftauchen von Rickon Stark. Das jüngste Stark-Kind stand bisher immer im Schatten seiner Geschwister und war in den letzten Staffeln auch so jung, dass er keine eigenständige Storyline hatte. Nun scheint sich das Blatt jedoch zu wenden. Für Rickon ist es natürlich das größte Pech der Welt, dass er ausgerechnet dem sadistischen Ramsay in die Hände fallen muss, was besonders daran liegt, dass Rickon Ramsay seine Position als Wächter des Nordens streitig macht. Wie wir wissen, hat Ramsay Sansa nur deshalb zur Frau genommen, um seine Macht zu untermauern, das Auftauchen ihres Bruders wirkt sich daher nicht allzu gut auf seine Ansprüche aus. Fest steht aber auch, dass Ramsay vor nichts zurückschreckt und es ihn sicher nicht stören wird, Rickon unter Verschluss zu halten, nachdem er gerade erst seinen eigenen Vater aus dem Weg geräumt hat.

Nicht weniger tragisch als Rickons Festnahme ist die Feststellung, dass ein weiterer Schattenwolf ums Leben gekommen ist. Struppel ist nach Lady und Grauwind nun bereits der dritte tote Wolf und Nymeria bleibt verschwunden. Man wird schmerzlich daran erinnert, welche massiven Verluste die Starks bereits einstecken mussten. Noch nie hat der Tod eines Wolfes etwas Gutes für seinen Besitzer bedeutet und nun deutet sich wohl auch eine düstere Zeit für Rickon an.

Dosh Khaleen

In der letzten Episode setzte die Handlung rund um Daenerys aus, nur um dieses Mal wieder sehr bildgewaltig zu starten. Zurück in Vaes Dothrak bei den riesigen Pferdestatuen fühlt man sich an den Beginn der Serie erinnert und daran, dass Daenerys durch ihre Zeit an Khal Drogos Seite vom Mädchen zur Frau wurde. Die gewonnene Selbstsicherheit strahlt Daenerys in jeder Minute aus und auch wenn man ihr nicht viel Screentime einräumt, wird klar, dass auch auf sie schwere Zeiten zukommen. Zuletzt war Daenerys in der ersten Staffel ohne jegliche Unterstützung, bis sie im Ansehen von Khal Drogos Männern stiegt und sich ihr Imperium aufzubauen begann. Nun befindet sie sich in einer ähnlich hilflosen Position und die Frauen in Dosh Khaleen scheinen kein Mitleid mit ihr zu haben. Im Gegenteil, sie sind wohl eher neidisch auf die Freiheit, die Daenerys genossen hat, während sie selbst ihr Leben quasi aufgegeben haben. Was von den alten Khalessis zu halten ist, kann man noch nicht recht einschätzen, da sie sich alle sehr bedeckt gehalten haben.

Conversation

Die Stimmung war nach dem Ausflug zu Daenerys recht bedrückend, weshalb es umso amüsanter war, dass die Autoren versuchen, die Situation mit etwas Witz aufzulockern. Ich konnte mich vor Lachen kaum halten, als Tyrion, Missandei und Grauer Wurm stocksteif am Tisch saßen und kein Gespräch zu Stand kam. Die feine Art der Konversation ist in Westeros wohl wesentlich verbreiteter als in Essos und so waren Tyrions Versuche, die Stimmung durch ein Trinkspiel anzukurbeln, ein schöner Lacher. Auch die unverständlichen Blicke von Missandei und Grauer Wurm waren genial und die Krönung der Szene war ebenso gelungen. Man konnte förmlich sehen, wie die Anspannung von Tyrion abfiel, als Varys endlich auftauchte und er nicht mehr gezwungen war, krampfhaft ein Gespräch in Gang zu bringen. Auch wenn die Szene an sich nicht viel Aussagekraft hatte, konnte sie einfach durch ihre Andersartigkeit überzeugen.

Little Birds

In einigen Szenen wurden angesprochen, wie hilfreich es ist, überall seine Augen zu haben. Ich fand es schön, dass man so den Bogen von Essos nach Westeros schlug und Varys' Markenzeichen nun auch von Qyburn aufgegriffen wird. Dabei wurde auch klar, in welche Richtung sich die Lage in Königsmund entwickelt. Während der kleine Rat versucht, sich von Cersei abzukapseln, ist es der Rückhalt von Jaime, der Cersei nun hilft, ihre etwas entglittene Machtposition zu unterstreichen. Ich finde es gut, dass es nach Myrcellas Tod nicht zu einem Bruch zwischen den Geschwistern kam, da Jaime der Einzige ist, zu dem Cersei aufrichtig und ehrlich sein kann. Die Dynamik zwischen den beiden hat sich mittlerweile sehr verändert und es stört die beiden augenscheinlich nicht mehr, was über ihre Beziehung gemunkelt wird. Im Gegenteil, dass nun alle Bescheid wissen, es aber keine Bestätigung gibt und niemand ihren Thronanspruch anzweifelt, scheint Cersei und Jaime noch enger zusammengeschweißt zu haben.

Blind Girl

Mit Aryas Geschichte bin ich in der letzten Staffel nicht warm geworden und auch in den letzten beiden Episoden hatte man keine großen Überraschungen für uns parat. Man fragt sich zwar, wie sich Arya schlagen wird (im wahrsten Sinne des Wortes) dennoch steht an sich fest, dass sie im tiefsten Herzen eine Stark ist und auch bleibt. Oder? Genau das ist auch der Grund dafür, dass ihre Entwicklung seit Langem auf der Stelle tritt. Die kleine Kampfübung fand ich daher nicht sonderlich spannend. Das Arya anschließend ihr Augenlicht zurückerhalten hat, war für mich jedoch etwas verwunderlich. Was hat sie getan, um das zu verdienen? Seit Langem behauptet sie, Niemand zu sein, doch immer gab es Zweifel an der Aufrichtigkeit ihrer Worte. Nun scheinen diese ausgeräumt, doch ich glaube nicht, dass sie ihre Racheliste vergessen hat.

Fazit

Man bietet uns eine sehr gute Folge, in der es sehr viele starke Storylines gibt. Natürlich sind auch weniger fesselnde Szenen dabei, doch diese werden geschickt in die spannenden Geschehnisse eingebettet und hinterlassen keinen negativen Eindruck.

Marie Florschütz - myFanbase


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Diskussion zu dieser Episode

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