Bewertung

Review: #7.16 Die Wurzel unserer Entscheidungen

In den letzten Staffeln habe ich öfters mal bei "Chicago Med" die Augen verdreht, weil man entweder auf der Stelle herumgetreten ist oder weil man so viele Rückschritte in der Charakterarbeit gemacht hat, dass eine Weiterentwicklung gar nicht wirklich möglich war. Doch die aktuelle siebte Staffel macht wirklich einen guten Job, wenn dazu auch gehört, dass offenbar einige personelle Veränderungen nötig sind.

Sie ist zurück!

Eine personelle Veränderung ist wohl, dass eine alte Bekannte zurückgekehrt ist, mit der ich ehrlich gesagt nicht gerecht habe: Dr. Hannah Asher. Ich hätte es zwar besser gefunden, wenn man Jessy Schram noch nicht in den Credits als Hauptdarstellerin gelistet hätte, aber naja. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, was ich von der Rückkehr halten soll. Hannah war nun nicht unbedingt der Charakter, der mir am positivsten im Gedächtnis geblieben ist, was vielleicht auch daran liegt, weil ich ihre Geschichte noch nicht auserzählt fand. Sie war immerhin eine drogenabhängig Ärztin, die praktiziert hat und das finde ich schon von der Backstory her sehr interessant. Allerdings hat man das alles irgendwie für meinen Geschmack ziemlich schnell unter den Tisch fallen lassen oder eben nicht richtig ausgearbeitet, weil man ja damals offenbar eine Frau für Will Halstead gebraucht hat. Dabei fand ich ihre erste Begegnung wirklich gelungen, aber dass dann liebestechnische Gefühle mit im Spiel waren, hat mir nicht gefallen. Zumal diese für mich gar nicht als solche übertragen worden sind und ich nie das Gefühl hatte, dass die beiden tatsächlich etwas füreinander empfinden. Vielmehr hatte ich den Eindruck, als wollte Will Hannah damit nur unter Kontrolle halten, um zu überprüfen, dass sie tatsächlich clean bleibt.

Hannahs Rückkehr könnte tatsächlich interessant gestaltet werden und damit meine ich nicht die baldige Begegnung mit Will oder gar das erneute Aufwärmen ihrer Beziehung, da bitte ich tatsächlich darum, dass man uns da verschont, sonst ist Hannah schneller wieder weg, als dass sie aufgetaucht ist. Aber ich finde ihr Fachgebiet wahnsinnig interessant, zumal man das noch nicht in "Chicago Med" hatte, dass ein Hauptcharakter als solcher darin fungiert hat. Interessant könnte es auch zwischen Hannah und Dean Archer werden, denn der scheint ja alles andere als begeistert von ihr oder vielmehr von ihrer Vorgeschichte zu sein. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er ihr den ein oder anderen Stein in den Weg schmeißen wird. Mich würde auch interessieren, was Hannah so in den letzten zwei Jahren getrieben hat, denn der kleine Anriss ist mir dann doch noch etwas zu wenig. Von Stevie Hammer müssen wir uns wohl erst einmal verabschieden, da Kristen Hager ihr zweites Kind erwartet und sie, genauso wie Brian Tee, nicht mehr im Vorspann auftaucht.

Arrangierte Ehen und unterdrückte Emotionen

Ich fand es sehr interessant, wie man den Fall von Vanessa Taylor und Daniel Charles dargestellt hat bzw. was der Auslöser für Kiran Patels Symptome gewesen ist. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob für mich eine arrangierte Ehe denkbar wäre, vielleicht liegt es auch ganz einfach daran, weil ich nicht in solch einer Kultur aufgewachsen bin. Interessant war aber auch an dem Fall, dass mit Kiran die Mutter von den Symptomen betroffen war und nicht ihre Tochter Varsha, die ihren Verlobten noch nie gesehen hat. Passend war es daher auch, dass man Sam Abrams in den Fall etwas einbezogen hat. Ich liebe seine ironische Art, denn hier hat sie mal wieder optimal gepasst, denn letztlich war es er, der Daniel den Fall 'zugewiesen' hat.

Ich mag die Art und Weise, wie Daniel auf seine Patient*innen eingeht, da man bei ihm wirklich das Gefühl hat, nicht von ihm verurteilt zu werden, sondern indem man ihm seine Geschichte erzählt, kann er so die treffende Diagnose stellen. Kiran selbst führte eine arrangierte Ehe und war alles andere als glücklich in dieser. Das wollte sie ihrer Tochter ersparen, was ihr aber nicht möglich war, denn – wie Daniel schon sagte – ist es eine tausendjährige Tradition, die offenbar ziemlich gut funktioniert. Dadurch, dass Kiran bereits Witwe ist, hatte sie eben auch die Aufgabe, der Tradition nach, einen Ehemann für ihre Tochter auszuwählen. Demnach hatte sie aber auch eine Doppelbelastung: Die Rolle des Vaters, der den Ehemann auswählt und die der Mutter, die ihre Bedenken hätte äußern können. Aber genau das ging eben nicht, weshalb sie ihre eigenen Emotionen unterdrücken musste, was die Symptome ausgelöst hat. Dieser Fall beweist für mich wieder einmal, dass man seine Emotionen nie lange unterdrücken kann und sollte, weil sonst der Körper reagiert, da Körper und Seele einfach zusammengehören.

Das Gespräch zwischen Mutter und Tochter fand ich daher auch sehr wichtig, denn im Gegensatz zu Kiran begrüßt Varsha die arrangierte Ehe und vielleicht wäre es bereits im Vorfeld wichtig gewesen, damit beide mit sich im Einklang sind. Wunderbar wurde das dann auch von Daniel genutzt. Nicht, weil er Recherche betrieben hat, wie niedrig die Scheidungsrate bei arrangierten Ehen ist, sondern dass er sich vielmehr auf die Tradition, die sein Vater hatte, fokussiert und wieder aufgenommen hat. Ich bin immer noch gespannt, wie man bei Daniel und Lonnie Richardson weiter vorgehen wird.

Der Informant

Ich freue mich sehr, dass man Riley Voelkel erneut in der Rolle der Milena Jovanovic sehen kann, da mir die Verbindung zu Dylan Scott gut gefällt. Diesmal fand ich aber, dass es nicht allzu gut durchdacht gewesen ist oder zumindest, dass man die Verbindungen nicht sofort erkennen konnte wie letzte Woche. Dylans Fall an sich fand ich jetzt auch nicht so interessant, bis Milena ins Spiel kam und auch Maggie Lockwoods Reaktion auf Dylans 'überdachte' Entscheidung könnte drauf hindeuten, dass auch sie schon bald einbezogen wird. Ich hoffe mal nicht, dass Milena ein mögliches Todesopfer ist, das wäre schade, da man doch Potenzial in der Figur hat, welches man nutzen könnte. Also warten wir mal ab, was uns noch so präsentiert wird.

Eine neue Familie wurde erschaffen

Kommen wir zum emotionalsten Teil dieser Episode. Ich finde es immer so furchtbar, wenn kleine Kinder, in dem Fall sogar noch Babys, im Sterben liegen. Aber nicht nur deswegen fand ich den Fall bzw. die Fälle von Crockett Marcel, Archer, Pamela Blake und so gesehen auch Sharon Goodwin so emotional. Vielmehr war es, wie man alles zusammengefügt hat. Denn neben dem Fall von Marcel und Archer wurde ein Ehepaar eingeliefert, das nach einem Autounfall hirntot und dazu noch Organspender sind. Die Tragik liegt aber auch noch umso mehr darin, da die Frau – Rose – schwanger war und auch das Baby den Unfall nicht überlebt hat. Nicht nur für Roses Eltern war es schwer, sondern auch für Marcel und Sharon.

Letztere wird nämlich Oma, worüber ich mich sehr freue und hoffe, dass wir somit auch ihre Tochter Tara kennenlernen werden und vielleicht war das auch der ausschlaggebende Grund, warum sie Hannah zurückgeholt hat? Eigentlich freut sich Sharon auch auf ihr Enkelkind, doch aufgrund des Falles hat man ihr einfach auch angemerkt, dass ihr das verdammt nahe geht und umso wichtiger war es ihr wohl auch, für die Prices da zu sein. Ich fand es auch toll, als sie meinte, dass durch die Zusammenkunft der Spender und Empfänger quasi eine 'neue' Familie erschaffen wurde. Letztlich sind es vielleicht doch die Tragödien, die umso mehr den Zusammenhalt brauchen.

Sehr gut hat mir auch gefallen, dass man Marcels Vergangenheit und Verlust von Harper mit eingebunden hat. Bereits in den vergangenen beiden Staffeln wurde sein Verlust seiner Tochter immer mal wieder thematisiert. Letztlich hat er sich dann Natalie Manning geöffnet und die beiden wurden ein Paar. Jetzt hat man aber in meinen Augen umso mehr bemerkt, dass Marcel auch bereit gewesen ist, sich dem Verlust auch wirklich zu stellen. Pamela hat hier eine wichtige Rolle übernommen und ich bin wirklich gespannt, wie es mit den beiden weitergeht, denn Marcel hat Pamela damit einen wichtigen Teil seines Seelenlebens gezeigt und offenbart und Pamela hat darauf sehr empathisch reagiert. Vielleicht ist das doch ein weiterer Schritt in ihrer Beziehung?

Randnotizen

  • So richtig weiß ich ja nicht, was ich von Will halten soll. Ja, okay. Das weiß ich seit ein paar Staffeln schon nicht mehr. Aber das Thema sichere Entscheidungen hatten wir erst und dadurch hat er ja das Geld für sich in Anspruch genommen. Warum wird es denn jetzt schon wieder thematisiert? Ich bin mir auch nicht sicher, ob seine Investition richtig war.
  • Offenbar will man tatsächlich Vanessa und Randall Shentu als Paar zusammenbringen. Ich weiß nicht, ob ich das will.
  • Wieso hört man denn gar nichts mehr, was man nun bei Maggie gefunden hat? Krebs ist es ja nicht, aber was dann?

Fazit

Es scheint so, als sei "Chicago Med" in dieser Season gar nicht mehr das Sorgenkind, da auch diese Episode überzeugen konnte. Mit der Rückkehr von Hannah Asher bietet man zumindest neue und wahrscheinlich auch neue Aspekte, auf die ich mich wirklich freue.

Daniela S. - myFanbase

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