Michael & Sucre – Freundschaft in Extremsituationen

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In Michael Scofields sorgfältig vorbereitetem Plan, seinen Bruder Lincoln aus dem Fox River Gefängnis zu befreien, gibt es eine Variable, die er nicht vorausplanen kann, und diese ist der Mann, der ihm als Zellengenosse zugeteilt wird. Da Michaels Plan vorsieht, die Zelle durch ein Loch in der Wand zu verlassen, steht und fällt der gesamte Ausbruch mit diesem Zellengenossen. Dies macht Fernando Sucre zu einem zentralen Menschen in Michaels Leben während der Wochen, die er in Fox River verbringt, um alle Vorkehrungen für den Ausbruch zu treffen.

"Welcome to Prisneyland, fish!"

Foto: Amaury Nolasco & Wentworth Miller, Prison Break - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Amaury Nolasco & Wentworth Miller, Prison Break
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Michael ist ein intelligenter, ruhiger und kontrollierter, aber auch sehr feinfühliger Mensch, der für die Menschen, die er liebt, bereit ist, alles zu riskieren. Als er Sucre kennenlernt, weiß er nichts über diesen in etwa gleichaltrigen Latino, aber er spürt bald, dass er es mit einem leidenschaftlichen Mann mit einem relativ einfachen Gemüt zu tun hat. Sucre erzählt ihm, dass er wegen Einbruchdiebstahls sitzt, und bittet ihn um Hilfe bei der schriftlichen Formulierung des Heiratsantrags, den er seiner geliebten Maricruz per Brief machen möchte. In Michaels Gesicht spiegelt sich in diesem Moment ein Wohlwollen wider, als sei diese Bitte ihm von einem kleinen Bruder angetragen worden. Er scheint bereits in diesem Moment Hoffnung zu schöpfen, dass er es hier mit einem Zellengenossen zu tun hat, der leicht Zutrauen zu ihm fassen könnte.

Sucre erweist sich Michael gegenüber auch beim ersten Ausgang als hilfsbereit, indem er ihm die Basisregeln, die es in Fox River zu befolgen gilt, erklärt. Durch Sucre erhält Michael Antwort auf seine ersten Fragen bezüglich des Aufenthaltsorts seines Bruders Linc und eventueller Kontaktpersonen.

Zum ersten Male auf die Probe gestellt werden die beiden Zellengenossen, als Michael ein selbst gebasteltes Messer, das Sucre versteckt hatte, findet und es nicht schnell genug vor den Wärtern verstecken kann. Als der Gefängnisdirektor Pope Michael fragt, wem das Messer gehört, schweigt dieser, um den darüber sichtlich erstaunten Sucre nicht zu verraten. Pope durchschaut ihn allerdings und schickt Sucre trotzdem in Einzelhaft.

"Soap. I lost my conjugals... over soap."

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Als Sucre wieder aus der Einzelhaft entlassen wird, beschließt Michael, ihn einem Loyalitätstest zu unterziehen, um sich sicher sein zu können, inwieweit er Sucre vertrauen kann. Er versteckt bei der Arbeit vor Sucres Augen ein Mobiltelefon in einem der Stromkästen und macht ihm klar, dass er darüber zu schweigen hat. Als Sucre später vom Wärter Bellick wegen des Mobiltelefons befragt wird, hält er dicht, obwohl ihm dadurch das Liebste entzogen wird, das er hat: die "ehelichen" Besuche seiner Maricruz.

Sucre erklärt Michael, dass er ihn nicht verraten wird, wenn er das Telefon benutzen darf. Da holt Michael das Telefon, das in Wirklichkeit nur eine Seife war, aus seinem Versteck und zerbricht es vor Sucres Augen. Michael weiht den verwirrten Sucre nun in den Sinn dieses Loyalitätstests und somit in den Ausbruchsplan ein, doch der will in Anbetracht seiner überschaubar kurzen Haftstrafe nichts damit zu tun haben und reagiert sogar so wütend, dass er Michael rät, nicht in der Zelle zu graben, während er anwesend ist. Später muss Michael sogar feststellen, dass Sucre um die Verlegung in eine andere Zelle gebeten hat. Michael versucht verzweifelt, ihn zu überreden doch zu bleiben, denn er weiß, dass es im Gefängnis ein seltenes Gut ist, nicht verraten worden zu sein, doch Sucre bleibt hart.

Erst durch Ereignisse außerhalb der Gefängnismauern, die Sucre dazu drängen, frühzeitig aus Fox River freizukommen, geht er wieder auf Michael zu und begeistert wie ein Kind umarmt er ihn, als dieser ihn wieder an Bord nimmt. Auf Umwegen können die beiden erreichen, dass Sucre zurück in Michaels Zelle verlegt wird. In diesem Moment bilden die beiden Männer zwar in erster Linie eine Zweckgemeinschaft, aber dennoch werden erste freundschaftliche Gefühle zwischen ihnen geweckt aufgrund der beidseitig empfundenen Dankbarkeit, einander in dieser Extremsituation gefunden zu haben.

"You’ll drill into one of a dozen gas lines behind the wall. There’ll be an explosion and we’ll be burned alive." – "But you’re good at math, right?"

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Von nun an vertraut Michael Sucre einige Details seines Plans an, was bei Sucre eine Art Bewunderung für Michaels planerische Fähigkeiten und Intelligenz hervorruft. Wo Michael mit Verstand bei der Sache ist, bringt Sucre Herz mit ein und zusätzlich seine Gefängniserfahrung. Er übernimmt sogar nach und nach verschiedene Aufgaben, um Michael zu helfen. Dabei erweist er sich auch als durchaus erfinderisch und gewitzt. Er steht Schmiere, kaschiert Michaels Geräusche, die durch das Zertrümmern der Wand entstehen, mit lautem Gesang, verhängt die Zelle mit Wäsche, damit man das Loch nicht sieht, und hängt schließlich sogar ein Bettlaken vor die Gitter. Dadurch riskiert er nicht nur seinen Ruf vor den anderen Gefängnisinsassen, denn diese Maßnahme wird normalerweise nur benutzt, wenn zwei Zellengenossen miteinander intim werden, sondern er riskiert weit mehr für den Fall, dass ihre Abwesenheit auffliegt, denn er zieht auch mit Michael los, um weitere Löcher in andere Wände zu bohren. Bei solchen Aktionen verlässt er sich stets auf Michaels Wort und ist tatsächlich genauso vertrauensvoll, wie ein kleiner Bruder. Diese Tatsache bringt Michael allerdings nicht dazu, ihn vorschnell in zu viele Details seines Plans einzuweihen, er bewahrt Sucre gegenüber eine leichte Distanz, wenn er ihn dies auch nicht spüren lässt.

Ein erstes Misstrauen macht sich auf Seiten Sucres breit, als er erfährt, dass Michael Besuch von seiner Ehefrau Nika bekommt, die er nie erwähnt hatte. Für Sucre sind Frauen und Liebe das Wichtigste auf der ganzen Welt, daher ist er enttäuscht, als Michael ihm nichts über seine Frau erzählen will. Danach ist es für einen gerissen Menschen wie C-Note, der sich mittlerweile einen Platz im Kreise der Ausbrecher ergattert hat, ein Leichtes, Sucre auf seine Seite zu bringen. Er macht ihm klar, dass Michael nur an sich und seinen Bruder denkt und ihm alle anderen egal sind. Sucre glaubt das nicht, doch C-Note fragt ihn, wieviel Michael ihm denn wirklich erzählt und verunsichert den leichtgläubigen Sucre damit vollkommen.

"Just so you got one less thing to worry about, I want you to know, I ain’t mad at you!"

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Nachdem der erste Ausbruchsversuch gescheitert ist und Sucre sieht, wie sehr Michael darunter leidet, seinen Bruder hängengelassen zu haben, ist er wieder voll auf Michaels Seite. Als Michael von anderen aus der Gruppe der Ausbrecher angefeindet und bedroht wird, stellt Sucre sich schützend vor ihn und lässt niemanden an ihn heran.

Von dem Moment an schmieden die beiden ihre Pläne stärker gemeinsam. Sucre kann Michael mit eigenen Ideen und Kontakten aushelfen und tritt sogar mutig allein in Aktion, als Michael in Einzelhaft gerät. So ergänzen die beiden sich in den entscheidenden Situationen, und als es zum tatsächlichen Ausbruch kommt, haben sie sich wieder in ihren gewohnten Rollen eingefunden und ziehen die Sache gemeinsam durch. Sucre spürt während der Flucht, dass Michael darunter leidet, Sara für seinen Plan missbraucht haben zu müssen. Sucre hatte mit seinem Gespür für die Liebe längst durchschaut, dass Michael etwas für die Gefängnisärztin empfindet. Er versucht, tröstende Wort für Michael zu finden, der diese freundschaftliche Geste aber nicht sehr gut annehmen kann.

Als die Ausbrecher einen sicheren Ort erreicht haben, trennen sich erstmal ihre Wege. Auch Sucre und Michael verabschieden sich voneinander, doch man spürt, dass zwischen ihnen eine herzliche Bindung entstanden ist. Ihre Wege kreuzen sich nunmehr genau in dem Moment wieder, als Michael am allermeisten einen Freund braucht, nämlich als Linc sich auf den Weg gemacht hat, seinen Sohn zu retten, und Michael damit vorerst allein bei der Suche nach Westmorelands Millionen zurückgelassen hat. Somit haben Michael und Sucre die Gelegenheit, ihre Freundschaft zur Höchstform auflaufen zu lassen. Sie ziehen gemeinsam einen Plan durch, damit sie das Geld nicht mit Leuten wie T-Bag teilen müssen. Allerdings hatte sich T-Bag bereits selbst das gesamte Geld unter den Nagel gerissen und Michael und Sucre bleibt nichts anderes übrig, als die gemeinsame Flucht.

"We both know there’s only two things that can happen now. Leave me here, or we both get caught." - "What you’re suggesting is not an option."

Es kommt zum Höhepunkt des Füreinander-Einstehens, als Sucre von dem Baumstamm fällt, über den die beiden einen Fluss überqueren mussten, und sich sein Fuß unter Wasser verhakt. Obwohl das Wasser steigt und die Polizei ihnen auf den Fersen ist, zieht Michael nicht für einen Moment in Erwägung, Sucre im Stich zu lassen. Sucre erkennt, dass Michael bereit ist, für ihn sein Leben zu riskieren und versucht, ihn von der Verantwortung freizusprechen, damit er wenigstens sich selbst retten kann. Für Michael aber ist es völlig indiskutabel, seinen Freund dem sicheren Tode zu überlassen, und er entsinnt eine Möglichkeit, ihn zu befreien. Sucre legt sein Schicksal vertrauensvoll in Michaels Hände und wird nicht enttäuscht. Michael holt ihn aus der ausweglos erscheinenden Situation heraus. Als Sucre sich später bei ihm dafür bedankt und sie sich zum erneuten Abschied umarmen, sieht man ihren Gesichtern an, dass sie beide tiefe Freundschaft füreinander empfinden.

Nicole Oebel - myFanbase

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