Bewertung: 7

Review: #1.12 Veränderungen

Foto: Milo Ventimiglia, Sky Night, Wien 2015 - Copyright: Sigrid Graf
Milo Ventimiglia, Sky Night, Wien 2015
© Sigrid Graf

Mit #1.12 The Big Day bricht man zum ersten Mal aus dem bisherigen Erzählschema aus, denn man verzichtet in dieser Episode darauf, uns die Geschichte mit Flashbacks in die Vergangenheit zu zeigen. Stattdessen taucht man in dieser Episode gänzlich ins Jahr 1980 ein und lässt die Gegenwartshandlung eine Runde aussetzen. Dass wir nichts über die aktuellen Probleme der drei Geschwister erfahren, habe ich erst nach ungefähr einem Drittel der Episode realisiert, denn die Handlung wurde so interessant erzählt, dass es nicht gestört hat, dass dieses Mal nicht in der Zeit gesprungen wurde. Daher war es eine nette Abwechslung und ich hätte nichts dagegen, wenn man auch in Staffel 2 und 3 eine Episode dieser Art einbaut, doch gänzlich auf die Gegenwartshandlung möchte ich auf keinen Fall verzichten, da mir die vielen guten Schauspieler und ihre Charaktere zum Ende hin tatsächlich ein wenig gefehlt haben.

31. August 1980

Die Geschichte rund um Jacks Geburtstag und den Tag der Geburt der Drillinge war sehr schön erzählt und hat uns nicht nur daran erinnert, was für ein liebeswerter Mensch Jack ist, auch das man eine andere Seite von Rebecca gesehen hat, hat mir sehr gut gefallen. Bereits in der letzten Episode zeigte man uns mit Jacks Handlung, wie fürsorglich er ist und dass er seine eigenen Bedürfnisse gern zurückstellt, um ein guter Vater und Ehemann zu sein. Dieses Thema greift man nun erneut auf und ich muss sagen, dass Jack eine Figur ist, die man unmöglich nicht lieben und bewundern kann. Ganz egal wann, in jedem Teil der Episode stellt man Jack als den perfekten Mann dar. Er muckt nicht, als Rebecca seinen Geburtstag vergisst, erträgt ihre üblen Schwangerschaftslaunen ohne mit der Wimper zu zucken und schlägt einen Ausflug auf den Golfplatz aus, um trotz allem Zeit mit seiner Frau zu verbringen.

Die Szene im Golfclub, als alle anderen Männer Jack wegen der baldigen Geburt der Drillinge bedauern, ging mir sehr nahe. Hier hat man besonders unterstrichen, wie sehr sich Jack auf das Vatersein freut, denn obwohl er in Bezug auf Rebecca wie auf Eierschalen laufen muss, kann sich Jack nichts Schöneres vorstellen, als zu seiner Frau zurück zu kehren. Im krassen Gegensatz dazu steht Miguel, der bei mir bisher als einzige Figur der Serie noch keinen Stein im Brett hat. Zwar ist er nur einer der Nebendarsteller und steht deutlich im Hintergrund, doch viel Gutes hat er noch nicht geleistet. Als neuer Mann von Rebecca ist Miguel einem sowieso ein Dorn im Auge, da man als Zuschauer Jack so sehr ins Herz geschlossen hat, dass Miguel in der Familie für mich noch immer wie ein Eindringling wirkt. Seine Äußerung, lieber den Tag auf dem Golfplatz zu verbringen, obwohl er den Sport nicht mag, statt bei seiner Familie zu sein, rückt Miguel in ein noch schlechteres Licht, da er neben dem perfekten Jack immer unsympathischer zu werden scheint. Gleichzeitig finde ich aber auch, dass man bei Jack langsam vorsichtig werden muss, um nicht zu sehr in eine kitschige Verherrlichung abzurutschen. Dass Jack der perfekte Mann sein kann, hat man nun mehrfach unter Beweis gestellt und nur in Episode #1.02 The Big Three lies man anklingen, dass auch er eine Schattenseite hat. Nun immer mehr einen Engel aus Jack zu machen, könnte bald so wirken, als würde man viel zu dick auftragen, da jeder Mensch gern Ecken und Kanten haben darf, durch die er einfach menschlicher und realer wirkt. Allerdings könnte man den perfekten Jack auch nutzen, um langsam zu erzählen, weshalb er sich in den Alkohol geflüchtet hat. Vielleicht hat er dem Druck, es allen recht machen zu wollen eines Tages nicht mehr ausgehalten? Daher bin ich sehr gespannt, wie es in Zukunft mit Jack weitergehen wird und ob man es bald schafft, uns auch an Miguel eine gute Seite zu zeigen.

Rebecca haben wir bisher eigentlich nur von ihrer fürsorglichen Seite gesehen, obwohl wir seit #1.05 The Game Plan wissen, dass sie sich nicht unbedingt danach gesehnt hat, Mutter zu werden. Man zeigt uns nun in Ausschnitten den Verlauf ihrer Schwangerschaft und ich musste herzlich lachen, da sich Rebecca in den ersten Monaten noch sehr wohl und sexy in ihrem Körper gefühlt hat, doch mit jeder weiteren Woche und jedem neuen Zentimeter Bauchumfang sank ihre Begeisterung. Wie ihre Freude in Unmut umschlug und sie nicht einmal mehr fähig war, in ihre Schuhe zu schlüpfen, war sehr authentisch umgesetzt. Auch wie Rebecca ihren riesigen Bauch ausgetragen hat, um einen Kuchen für Jack zu backen und dass sie sich für diesen Anlass die Flip Flops an die Füße geklebt hat, haben mich sofort zum Lachen gebracht. Ähnlich ging es mir bei Rebeccas Anruf bei Shelley, wo sie sich eingestanden hat, eine schreckliche Ehefrau gewesen zu sein und diese Selbsterkenntnis vollkommen verzweifelt auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat. Durch diese kleinen Szenen und ihre unvorhersehbaren Gefühlsausbrüche, hat man in der doch recht ernsten und bedrückenden Handlung für Auflockerung gesorgt.

Ähnlich wie bei Jack, bei dem die Autoren darauf achten sollten, ihn nicht zu perfekt dastehen zu lassen, müssen sie aber auch bei Rebecca Acht geben. Ihre Stimmungsschwankungen, das Vergessen von Jacks Geburtstag und die üble Art, mit der sie Jack in der ersten Hälfte der Episode behandelt hat, waren fast schon ein wenig zu viel. Zwar hat man dadurch nachdrücklich klar gemacht, dass Rebecca es in der Schwangerschaft mit Drillingen nicht einfach hat und auch auf diese Weise noch einmal dafür gesorgt, Jack für seine Geduld in den Himmel zu loben, doch ich weiß nicht, wie glaubwürdig diese Umsetzung ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in der Schwangerschaft alles um sich vergisst und zu einem Vulkan an Emotionen wird, bei denen man sich nicht die Mühe macht, sie vor dem Ausbruch zu bewahren. Dieses krasse Bild hat man allerdings geschickt abmildern können, indem man uns das Gespräch zeigte, das Rebecca mit ihren ungeborenen Kindern geführt hat. Durch die Einsicht, sich in letzter Zeit vollkommen daneben benommen zu haben und die ehrliche Vorfreude in ihren Augen, konnte man einiges wieder gut machen.

Wir haben in dieser Episode auch Dr. Katowsky wiedergesehen und die Einblicke in sein Leben waren zunächst äußerst bedrückend. Doch ähnlich wie beim Rest der Handlung findet man auch hier einen Weg, im Verlauf der Folge alles in ein positives Licht zu rücken. Wie Dr. K. Jack so schön sagt, geht es in dieser Folge darum, etwas Bitteres zu nehmen und daraus etwas Gutes zu machen und genau diesen Vorsatz setzt auch er in die Tat um. Seine Frau ist nunmehr 14 Monate tot und noch immer sieht man Dr. K. den Schmerz über ihren Verlust und den Schmerz über das Weiterziehen an, was unvermeidlich ist. Gerald McRaney spielt seine Rolle ausgesprochen gut und kann den Zuschauer mit seiner Trauer mitfühlen lassen. Als er zum Grab seiner Frau ging, befürchtete ich kurzzeitig, dass sich Dr.K. mit Selbstmordgedanken trägt, da er auf die Medikamente seiner Frau und die Unfähigkeit, noch länger so weiter zu machen, zu sprechen kam. Dass er die Kurve gekriegt und scheinbar eine neue Liebe gefunden hat, gönnt man dem Arzt mit dem großen Herz sofort. Es stellt sich jedoch die Frage, wie sein Leben seither verlaufen ist und ob Dr. K. auch neun Jahre später noch glücklich liiert ist, was aufgrund der Ereignisse aus der Weihnachtsepisode eher zu bezweifeln ist. Ich finde es gut, dass man auch sein Leben näher beleuchtet, da er in der Vergangenheitshandlung eine wichtige Person für die Pearsons darstellt.

Eine Geschichte mit der ich nicht gerechnet hatte, war die rund um Feuerwehrmann Joe und dessen Frau Samantha. Wir wissen zwar bereits seit der Pilotfolge, dass Randall als Baby von einem Feuerwehrmann ins Krankenhaus gebracht wurde, nachdem man ihn ausgesetzt hatte, doch weshalb man Joe nun erneut ins Spiel gebracht hat, erschließt sich mir nicht. Die Handlung fügt sich zwar nahtlos in den Rest der Episode ein, da man auch hier aus einer eher bedrückenden Lage zum Ende hin den Silberstreif am Horizont sieht, doch sonst konnten mich die neuen Charaktere nicht sonderlich begeistern. Ich bin gespannt, ob man bald erneut von Joe und seiner Frau hören wird, denn wenn nicht, wäre dieser Handlungsstrang gänzlich sinnlos. Mir wäre es daher lieber gewesen, wenigstens zum Schluss noch einen kleinen Einblick in die Gegenwart zu bekommen, da man in Bezug auf Kate & Toby, William & die Krankheit und Kevin & sein Liebesleben zuletzt einige große Steine ins Rollen gebracht hat.

Fazit

Man überrascht dieses Mal damit, lediglich eine Zeitebene zu erzählen, was bei Rebecca, Jack und Dr. K. durchaus passt, während mich die neuen Charaktere nicht gleich für sich einnehmen konnte. Es hat zwar Spaß gemacht, dieses Mal so viel Zeit in der Vergangenheit zu verbringen, aber nun brennt man umso mehr auf Neuigkeiten aus der Gegenwart und möchte gern wissen, wie es in New York weitergeht.

Marie Florschütz - myFanbase


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