Abschied von "Castle"
Die Hauptcharaktere

Foto:

Neben Richard Castle und Kate Beckett, die wir in einer separaten Kategorie behandeln werden, hatte die Serie "Castle" noch anderen Hauptdarsteller zu bieten, die manchmal mehr und manchmal weniger in das Geschehen in der Serie involviert wurden. Zwei unserer Autorinnen haben diese Hauptcharaktere näher betrachtet und sich Gedanken über die Entwicklung und die Integration in die Handlungsstränge dieser Charaktere gemacht.


Die Hauptcharaktere in "Castle" von Melanie Wolff


Foto: Seamus Dever, Castle - Copyright: ABC Studios
Seamus Dever, Castle
© ABC Studios

"Castle" war natürlich in erster Linie die Geschichte von Richard Castle und Kate Beckett, die loszogen, um Verbrecher zu jagen. Unterstützt wurden die beiden von "Hauptcharakteren", die jedoch hin und wieder die Bezeichnung nicht verdienten, da sie stark in den Hintergrund gedrängt wurden und lediglich als Sparring-Partner für Beckett und Castle dienten.

Die Rollen von Javier Esposito und Kevin Ryan waren zu Beginn der Serie nicht immer ganz klar. Waren sie die Partner von Beckett oder arbeiteten sie nur zufällig zusammen in einem Team auf dem 12. Revier. Während Esposito häufig als "Macher" auftrat und auch mal körperlich zum Einsatz kam, blieb Ryan eher im Hintergrund und machte durch zielführende Recherche auf sich aufmerksam. Sie ergänzten sich ganz gut in den Ermittlungen und verbrachten auch außerhalb der Arbeit wohl einige Zeit miteinander, denn sie wirkten in ihrem Handeln vertraut. Zu Beckett gab es immer wieder eine kleine Distanz, die zu spüren war, doch das Team konnte in den Ermittlungen stets aufeinander vertrauen. Zwar waren es am Ende meist Castle oder Beckett, die die Fälle lösen konnten, doch auch Ryan und Esposito sorgten immer wieder für den ein oder anderen wichtigen Impuls. Am besten wussten die beiden jedoch in Kombination mit Castle zu überzeugen, denn die drei Männer waren sich von Anfang an sympathisch, woraus sich eine kleine Männerfreundschaft entwickelte, die einen netten Gegenpol zu Kate Becketts nüchternen, zielorientierten Ermittlungen bildete.

Foto: Jon Huertas, Castle - Copyright: ABC Studios
Jon Huertas, Castle
© ABC Studios

Natürlich wurden auch Ryan und Esposito in den ein oder anderen sehr persönlichen Fall verstrickt, diese nahmen jedoch nur wenig Raum in der Serie ein. Vielmehr waren es ihre persönlichen Geschichten, die zu überzeugen wussten – Ryans Geschichte war dabei die eines bodenständigen Mannes, dem es in erster Linie darum ging, eine Familie zu gründen. Mitzuerleben, wie er seiner Freundin Jenny einen Heiratsantrag machte, sie heiratete und Kinder bekam, war in einer ansonsten manchmal sehr anstrengenden Serie ein gern gesehenes Stück "Normalität". Ryan mag zwar auf den ersten Blick der am wenigsten interessante Hauptdarsteller gewesen sein, seine Bodenständigkeit war es jedoch, die ihn für mich zu einem der Ruhepole der Serie machte.

Esposito war im Gegensatz zu Ryan ein Draufgänger, der auch gerne einmal körperlich zur Sache ging. Er hatte militärischen Hintergrund und war einfach ein ganz anderer Typ als Ryan, was dennoch nicht einer guten, gleichberechtigten Partnerschaft im Weg stand. Seine Beziehung zu Lanie endete nach einem hitzigen Beginn erst einmal auf dem Abstellgleis und fand in erster Linie abseits der Kamera statt, was es schwer machte, mit beiden als Paar wirklich mitzufiebern. Überhaupt war Lanie eine der Hauptcharaktere, die am wenigsten Screentime hatten. Gerade aufgrund ihrer engen Freundschaft zu Beckett und ihrer schonungslosen Ehrlichkeit, wenn es in ihren Gesprächen um Castle und Becketts Gefühle für ihn ging, wäre es schön gewesen, wenn sie häufiger in die Serie integriert worden wäre.

Foto: Molly Quinn, Castle - Copyright: ABC Studios
Molly Quinn, Castle
© ABC Studios

Auf der Seite von Castle gibt es vor allem seine Tochter Alexis, wie auch seine Mutter Martha, die ihn stark beeinflussten. Martha ist eine exzentrische Schauspielerin, die sich notgedrungen bei ihrem Sohn einquartiert, als einer ihre Bekanntschaften sie um ihr ganzen Geld bringt. Sie mag eine Nervensäge sein und hin und wieder darf man sich wirklich mit Recht fragen, warum Rick sie nicht einfach vor die Tür setzt. In kleinen Szenen zeigt sich jedoch immer wieder, wie sehr Rick sich freut, sie und Alexis um sich zu haben. Die Familie hält zusammen und steht füreinander ein, ist mit Rat und Tat zur Stelle und unterstützt sich gegenseitig bei allen Unternehmungen, egal wie eigenartig sie erscheinen. So unkonventionell die Familie zu Beginn wirkt, so normal ist sie doch am Ende.

Alexis entwickelt sich in der Serie von einer braven Tochter zu einer taffen jungen Frau, die dank der Unterstützung ihres Vaters ihren Platz im Leben findet. Dass sie dabei vor allem zu Beginn der Serie eher ein typischer Gegenpol zu ihrem Vater ist und ruhig und vernünftig agiert, wenn sie eigentlich sich ausprobieren sollte, ist interessant, aber nicht weiter verwunderlich. Umso schöner ist es, dass sie trotz ihrer augenscheinlichen Perfektion hin und wieder aus ihrem Leben ausbricht, ihrem Vater auch mal Kummer bereitet, aber am Ende immer verantwortungsbewusst handelt und irgendwann selbst entdeckt, dass sie die Leidenschaft ihres Vaters fürs Detektivspielen besitzt.

Die beiden anderen Hauptdarsteller, Montgomery und Gates, bleiben leider sehr blass. Einzig Montgomery gewinnt etwas Profil am Ende seines Engagements, als man ihn in den Fall um Johanna Beckett verwickelt. Ansonsten leiden beide Figuren einfach daran, dass sie nicht wirklich mehr zu tun haben, als immer wieder die Ermittlungen zu kontrollieren und im Hintergrund dafür zu sorgen, dass die Detectives ihre Arbeit erledigen können, wie sie sollen.


Die Hauptcharaktere in "Castle" von Maria Schoch


Foto: Copyright: 2010 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.
© 2010 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.

Im Mittelpunkt der Serie "Castle" standen immer Richard Castle und Kate Beckett. Bei diesen zwei durfte man die Entwicklung der Individuen in persönlicher sowie in beruflicher Hinsicht sowie ihre Beziehung untereinander mitverfolgen. Doch neben den beiden fokussierten Charakteren, gab es noch weitere Hauptcharaktere in der Serie, auch wenn diese meistens eigentlich wie Nebencharaktere behandelt wurden.

Kevin Ryan und Javier Esposito

Kevin Ryan und Javier Esposito arbeiteten zusammen mit Beckett beim NYPD und lösten über die Jahre hinweg mit ihr zusammen Mordfälle. Während sie in den ersten Staffeln zusammen mit Beckett im Team arbeiten, wird sie ab der achten Staffel zu ihrem Captain. Kevin und Javier sind Partner und auch privat gut befreundet, was oft zu schönen Szenen zwischen den beiden führt, in denen ihre Freundschaft untereinander thematisiert wird. Auch zusammen mit Castle konnte das Männergespann überzeugen, während zwischen ihnen und Beckett eigentlich immer ein Vorgesetzter/Mitarbeiter Verhältnis herrschte. Das heißt jedoch nicht, dass die beiden sich nicht immer völlig hinter Beckett stellten, im Gegenteil. Sowohl bei der Suche nach dem Mörder von Becketts Mutter wie auch bei der LokSat Sache, riskieren sowohl Esposito und Ryan ihren Job, um Beckett zu helfen. Trotzdem hat man zwischen den Dreien nie ein rein freundschaftliches Verhältnis gespürt, auch wenn dies dem Zuschauer manchmal so vermittelt werden sollte.

Foto: Jon Huertas & Seamus Dever, Castle - Copyright: 2013 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.
Jon Huertas & Seamus Dever, Castle
© 2013 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.

Auch wurde das Privatleben von Kevin und Esposito oft thematisiert, leider wurde jedoch in diesen Storylines nie in die Tiefe gegangen, sondern meistens nur an der Oberfläche gekratzt. So hat man beispielsweise bei Kevin mehrmals hervorgehoben, dass er als Polizist nicht genügend verdient, um seine Familie zu ernähren oder vor allem seinen Kindern eine gute schulische Bildung zu bieten und sich so Nebenjobs zulegen muss. So wurde er bei einem solchen Nebenjob auch mal in einen Mord verwickelt, was eine Episode gefüllt hat, weiterverfolgt wurde das Thema aber nicht. Bei Esposito wurde oft sein Liebesleben thematisiert, vor allem seine on/off Beziehung zu der Gerichtsmedizinern Lanie und obwohl diese Beziehung eigentlich überzeugen konnte, wurde sie nicht schön ausgearbeitet, die Trennungen und das erneute Zusammenkommen erfolgt meistens off-screen und wurde dann nur Nebenbei erwähnt. Oft wusste der Zuschauer auch gar nicht, ob die beiden noch zusammen sind oder sich schon längst wieder getrennt haben. Bei diesem Handlungsstrang sehe ich oft die Parallelen zu "Bones" und der Beziehung von Hodgins und Angela, die viel besser in die Serie integriert wird.

Gestört an dem Einbezug von Kevin und Esposito hat mich aber vor allem teilweise schon die siebte und ganz besonders die achte Staffel in der die zwei öfters als Lachnummer dargestellt werden, indem sie sich peinliche Sachen leisten. Ich denke da beispielsweise daran, dass Kevin Esposito bei einer Verfolgungsjagd anschießt und sich daraus ein künstlich erschaffenes Drama, das wohl witzig sein sollte, zwischen den beiden entwickelt. Die Zwei konnten eine Weile lang kaum mehr ernstgenommen werden, was sie definitiv nicht verdient hatten, da sie lange Zeit ein wichtiger Bestandteil der Serie waren und ich mir oft gewünscht hätte, dass die zwei liebenswerten und durchaus interessanten Charaktere etwas vermehrt in "Castle" integriert werden.

Foto: Tamala Jones, Castle - Copyright: ABC Studios
Tamala Jones, Castle
© ABC Studios

Lanie Parish

Lanie Parish war die Gerichtsmedizinerin beim NYPD und wird vor allem in ihrem beruflichen Rahmen in die Serie integriert, was dazu führt, dass ihre Szenen pro Folge an einer Hand abzuzählen sind. Anfang der Serie wurde oft noch ihre Freundschaft zu Beckett thematisiert, was jedoch je länger "Castle" andauerte, auch weniger Erwähnung fand, was ich eigentlich immer sehr vermisst habe, da diese Freundschaftsszenen zwischen den beiden Frauen immer sehr schön waren und so auch eine andere, etwas verletzliche Seite, von Beckett aufzeigten. Auch in ihrer Beziehung zu Esposito fand Lanie ab und zu noch Erwähnung, die negativen Punkte dieser habe ich schon im vorigen Absatz geschildert. Abgesehen davon war Lanie vor allem in den letzten beiden Staffeln kaum noch zu sehen, was dazu geführt hat, weswegen ich mich immer wieder gefragt habe, weswegen Tamala Jones noch im Hauptcast aufgeführt wird.

Roy Montgomery und Victoria Gates

Die beiden Captains waren die Vorgänger von Kate Beckett und haben die größte Zeit der Laufzeit von "Castle" den Captainposten des NYPD innegehabt. Trotzdem wurden sie aber kaum in die Handlungen der Serie einbezogen und trugen nur am Rande etwas zur Serie bei. Montgomery wurde zum Schluss einer Serienzeit noch in den Fall um den Mord an Becketts Mutter involviert und wurde so noch etwas in die ganze Storyline um Johanna Beckett verwickelt. Gates Abschied hingegen kam völlig überraschend und daraus wurde auch keine große Sache gemacht, also eigentlich nicht so, wie es einem Hauptcharakter gebührt.

Alexis Castle und Martha Rodgers

Foto: Susan Sullivan, Castle - Copyright: ABC Studios
Susan Sullivan, Castle
© ABC Studios

Während Kevin, Esposito, Lanie und die beiden Captains vor allem mit dem beruflichen Umfeld von Beckett zu tun hatten, waren Alexis und Martha die Charaktere aus Castles Privatleben, nämlich seine Mutter und seine Tochter. Wie auch die anderen Hauptcharaktere hatten auch Alexis und Martha relativ wenig Screentime, doch wurden ihre Entwicklungen von allen am meisten in die Serie integriert, vor allem diejenige von Alexis, die sich von dem kleinen Mädchen während der Serie zu einer Frau entwickelt, die später an der Seite ihres Vaters die Detektei führt. Mit Alexis harmonierte Castle immer sehr schön und die kindlichen Spiele der beiden haben mir immer sehr gut gefallen. So kam es zu Kämpfen mit Laserschwerts oder zu Scootertouren in der Stadt. Mit Alexis wurde auch immer wieder schön die kindliche Seite von Castle zum Vorschein gebracht. Natürlich wurden aber auch seine elterlichen Qualitäten gefordert, vor allem als sich Alexis an der Schwelle des Erwachsenwerdens befindet und ihre ersten Freunde nach Hause bringt oder zum ersten Mal das väterliche Nest verlässt. Diese Entwicklung von Alexis hat mir vor allem im Bezug auf ihren Vater sehr gut gefallen, der dadurch oft seine kindliche Art ablegen und zu einem "Erwachsenen" werden musste. Dabei geholfen hat ihm oft seine Mutter, wenn auch diese dabei oft ihre verrückten Eigenschaften zu Tage führte, dabei aber nie lächerlich wirkte, sondern oft einfach für witzige Szenen sorgte, die die Folgen etwas auflockerten.

Hayley Shipton

In der achten Staffel verabschiedeten wir uns von Captain Gates, da Beckett ihren Posten übernommen hat und hießen dafür Hayley Shipton willkommen. Hayley, die früher für Scotland Yard gearbeitet hat, lernte Castle wie man später erfährt, während seiner "Erinnerungslücke" kennen und arbeitete danach mit ihm und Alexis in seiner Detektei. Warum man den Hauptcharaktere Hayley in der achten Staffel eingeführt hat, bleibt mir bis heute ein Rätsel, hätte man grundsätzlich alle Storylines, in die sie involviert war, durchaus auch ohne sie lösen oder Toks Olagundoye einfach als Nebendarsteller engagieren können. Bei mir hat sich nach all den Vorkommnissen kurz vor der Absetzung der Serie die Meinung festgesetzt, dass sie die Szenen mit Nathan Fillion übernehmen sollte, die er und Stana Katic, wegen Ungereimtheiten untereinander, nicht mehr gemeinsam drehen wollten. Und genau das hinterlässt einen etwas unangenehmen Eindruck, vor allem weil Hayley in der ersten Hälfte der achten Staffel kaum in die Handlungsstränge involviert wurde, um sich dann plötzlich inmitten des Geschehens um LokSat wiederzufinden. Ich selber konnte mich mit ihrem Charakter eigentlich nie wirklich anfreunden, was aber nicht an Toks Olagundoye oder an ihrer Darstellung der Hayley, sondern einfach am Umgang der Autoren mit diesem Charakter, lag.

Die Hauptcharaktere von "Castle" waren unumstritten Richard Castle und Kate Beckett, die anderen haben eigentlich nur eine Nebenrolle gespielt und wurden viel zu wenig in die Handlungsstränge integriert. Auch ihre, viel zu selten eingebauten eigenen Storylines, wurden meistens völlig lieblos aufgezogen oder nicht weiterverfolgt. Schade eigentlich, denn Potential wäre bei all den Charakteren durchaus vorhanden gewesen.

Zurück zur Übersicht der "Castle"-Abschiedskolumne

Kommentare

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.

Mehr zum Datenschutz Schließen