Bewertung: 9

Review: #11.10 Der Kampf (4)

Foto: Gillian Anderson & David Duchovny, Akte X - Copyright: 2018 Fox Broadcasting Co.; Shane Harvey/FOX
Gillian Anderson & David Duchovny, Akte X
© 2018 Fox Broadcasting Co.; Shane Harvey/FOX

"Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" beendet die 11. Staffel mit dem 4. Teil des Vierteilers "Der Kampf" mit der Episode #11.10 Mein Kampf Teil 4. Dabei erhalten Mulder und Scully ihr Happy End, während ein kleiner Cliffhanger zum Schluss die Option weiterer Folgen offen lässt.

Mulder, Scully, William, Skinner, Reyes, Kersh, O‘Malley und der Raucher

In der finalen Episode der 11. Staffel machen nochmal alle wichtigen Charaktere ihren Aufmarsch und beenden somit die Geschichte um den roten Faden, der formal in der Folge #10.01 Der Kampf Teil 1 nach neun Staffeln X-Akten neu gesponnen wurde. Dabei bekommen Alvin Kersh und Tad O’Malley kurze Randauftritte. Letzterer darf noch einmal in die Rolle des investigativen Enthüllungsjournalisten schlüpfen und somit die Bevölkerung auf dem Laufenden halten, was in Bezug auf die Mächte im Hintergrund so alles passiert auf der Welt. Kersh hingegen muss nochmals den zwar nicht unempathischen, aber doch strengen Chef mimen, der seine Untergebenen zur Raison ruft. Es ist schön zu sehen, dass fast alle alten und neuen Hauptcharaktere ihre Screenzeit bekommen - fast so wie auf einer Familienfeier oder auf einem Klassentreffen. Dass Agent Einstein und Agent Miller in dieser Staffel eher blasse Nebenerscheinungen blieben, wo sie doch in der 10. Staffel noch dominanter vertreten waren, ist ebenso zu verschmerzen, wie dass die beiden "Weltraum-Verschwörer" auch im Finale blass sowie undurchsichtig bleiben. Kurzum: Hätte man sich auch sparen können.

Viel wichtiger und spannender sind die Charaktere um Mulder, Scully, William, Skinner, Reyes und den Cigarette Smoking Man. Diese machen die Serie immerhin schon seit Urzeiten aus. Umso trauriger ist es, dass Reyes durch einen Kopfschuss von Skinner stirbt. Das war zwar im Eifer des Gefechtes unvermeidlich, aber dennoch ist es schade, wenn ein Charakter stirbt, der einem dann doch seit der 8. Staffel etwas ans Herz gewachsen war. Reyes konnte man bis zum Schluss als eigentlich guten Charakter kennzeichnen; sie traf eben die Entscheidung, für ein höheres, allgemeines sowie privates Wohl einen Pakt mit dem Teufel einzugehen, und musste zu guter Letzt die Konsequenzen tragen. Ich hätte sie gerne überleben sehen, aber auf Grund der Dramaturgie war ihr Tod wohl unausweichlich.

Noch mehr geschockt als Reyes Abgang hat mich dann Skinners wahrscheinlicher Tod. Es ist davon auszugehen, dass er beim unter die Räder kommen und überfahren Werden vom Raucher gestorben ist. Dabei hat sich insbesondere Skinner bis zuletzt loyal gegenüber Mulder und Scully verhalten sowie den Raucher hintergangen. Skinner ist also nach vielen Momenten des Hin und Her doch seinem Herzen gefolgt und musste dafür womöglich sein Leben lassen. Das ist mehr als schade. Ähnlich wie bei Reyes hätte ich Skinner gerne mit einem Happy End gesehen. Insofern hängt bei allem positiven Endausgang ein traurig-melancholisches Band über dieser finalen Folge. Da alles sehr schnell geht und wieder viel auf einmal passiert, gehen die vielen Tode fast unter bzw. werden einfach mal so zwischendrin eingestreut.

Der Raucher hingegen wird zwar von Mulder erschossen, aber ausgerechnet bei ihm besteht wahrscheinlich die größte Chance, dass er überlebt haben könnte. Immerhin ist er dem Tod schon öfter von der Schippe gesprungen und durch seine vielen Operationen fast unverwundbar. Sollte es zu weiteren Episoden kommen, werden wir den Raucher sicherlich wieder sehen. Positiv emotional waren dann die Momente zwischen Mulder, Scully und William. Mulder kämpft um William wie ein Irrer und auch Scully möchte ihren Sohn bis zum Schluss schützen. Dabei erscheint es naiv, einen Übermenschen, der fast allmächtige Fähigkeiten besitzt, beschützen zu wollen. Den Mordanschlag des Rauchers, der William ursprünglich für Mulder hielt, hat William demnach auch überlebt. Es ist davon auszugehen, dass William von nun an inkognito weiterleben wird - bis zu dem Punkt, an dem entweder der Raucher oder ein neuer Antagonist erscheint um mit Williams Kräften unheilvolle Dinge zu bewerkstelligen.

Als Happy End für Mulder und Scully entpuppt sich dann noch deren Schwangerschaft. Wie bereits vermutet, ist Scully auf Grund der Ereignisse in der Folge #11.03 Galgenmännchen von Mulder schwanger. Somit erfüllen sich beide ihre Herzenswünsche, eine Familie zu gründen und echte Eltern eines gesunden Kindes zu werden. Zusammengefast lässt sich also sagen, dass die Verschwörung besiegt wurde; William inkognito weiterleben wird sowie Mulder und Scully gemeinsam und zusammen ihr privates Glück gefunden haben. Mit diesen positiven Aspekten kann man eine Staffel bzw. eine Serie durchaus beenden. Als fader Beigeschmack bleiben dennoch die etwaigen Tode von Skinner und Reyes. Und sofern man Sympathien für den Raucher hegte, muss man auch dessen temporäres Ableben verkraften.

Reflexion & Ausblick

Was hat die 11. Staffel nun gebracht und wie könnte es weitergehen?
Zum einen kann man ohne Widerworte festhalten, dass "Akte X" mit dem Konzept um Mulder und Scully sowie um den roten Faden einer Verschwörung auch nach über 20 Jahren im 21. Jahrhundert nachwievor funktioniert. Sowohl die 10. als auch die 11. Staffel wussten zu überzeugen: Die Story, der Humor, die Action, die Spannung, der Mysteryanteil - alles hat gepasst und lässt vor allem das Herz von Fans der ersten Stunde höher schlagen. Spätestens wenn man in diesem "Akte X"-Gemenge dann noch die Klänge von Mark Snow hört, beginnt man eine Zeitreise in die 1990er, wobei man zu Recht nie das Gefühl hatte in den 1990er zu sein.

Zum anderen steht fest, dass die Serie vor allem von Mulder und Scully getragen wird. Die Fälle der Woche sind zwar unterhaltsam, aber ohne dieses Mulder-/Scully-Feeling wären die Folgen nur halb so gut. Mich persönlich haben die neuen Episoden sehr gut unterhalten - sowohl der Humor hat gepasst, als auch die Inhalte waren spannend inszeniert. Insofern kann man sagen, dass die neuen Folgen der alten Serie gerecht wurden und gelungen sind.

Doch wie könnte es weitergehen? Wenn die Serie nun für immer beendet sein sollte, könnte ich sehr gut damit leben. Im Gegensatz zur 10. Staffel oder dem auch recht offenen Ende der alten Serie fühlt sich das Ganze nach der 11. Staffel abgeschlossen an. Zwar sind viele Charaktere gestorben oder nicht mehr aufgetaucht, aber Mulder und Scully haben ihr Happy End. Außerdem wurde die Erde endgültig gerettet und keine der beiden verschrobenen Verschwörungen gegen die Menschheit konnte sich im Endeffekt durchsetzen. Wenn sich Chris Carter allerdings dazu bereit erklärt weitere Episoden und Staffeln in Angriff zu nehmen, dann bitte nur mit folgendem Erfolgsrezept: Schuster bleib bei deinen Leisten. Im Klartext bedeutet dies, dass die Serie nur mit Mulder und Scully gemeinsam funktioniert. Wenn nur einer der beiden weniger Screenzeit bekommt, dann verblasst der Charme der Serie. Sind David Duchovny und Gillian Anderson also nicht gemeinsam vor die Kamera zu bringen, dann bitte ich darum, es bei den bisherigen gelungenen elf Staffeln zu belassen.

Insider & Hintergründe

  • In dieser Episode darf William den Eröffnungsmonolog ("Familiensache") halten.
  • Die Tagline Salvator Mundi - Latein für Retter der Welt und Titel eines Jesus-Gemäldes von Leonardo da Vinci - soll wohl eine Anspielung auf William sein.
  • Madelaine West Duchovny (Maddy) ist die Tochter von David Duchovny.
  • William steigt in einen Truck, auf dessen Tanklaster der Schriftzug MilleniuM - eine weitere Serie von Chris Carter - prangt.
  • Der längste Mehrteiler (4 Teile) der "Akte X" - Geschichte geht mit der Episode #11.10 Der Kampf Teil 4 zu Ende. Chris Carter verriet, dass man sich mal alle vier Teile am Stück ansehen müsse, um alles verstehen zu können.



Fazit

"Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" beendet die 11. Staffel mit dem 4. Teil des Vierteilers "Der Kampf". Dabei erhalten Mulder und Scully ihr Happy End, während ein kleiner Cliffhanger zum Schluss die Option weiterer Folgen offen lässt. Für ein gelungenes Finale gibt es die volle Punktzahl.

Alexander L. - myFanbase


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