The End of an Era - Geschäftliches

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"Mad Men" mag zwar in erster Linie eine Charakterstudie sein und als solche ein Sittenbild der New Yorker Gesellschaft in den 1960ern abliefern, doch auch die geschäftlichen Vorgänge in der vom wachsenden Konsumismus beflügelten US-Werbeindustrie spielen in der Serie ein zentrale Rolle. Geschickt wird das Treiben in der im Fokus stehenden Agentur Sterling Cooper mit dem Privatleben ausgewählter Mitarbeiter verwoben und dank einer Mischung aus spannenden, witzigen und bewegenden Arbeitsgeschichten mit dem Klischee vom geregelten und dementsprechend langweiligen Nine-to-Five-Büroalltag aufgeräumt.

Foto: Mad Men - Copyright: 2008 Carin Baer/AMC
Mad Men
© 2008 Carin Baer/AMC

Den Einblick in eine mittelständische Werbeagentur als Prämisse für eine Dramaserie zu wählen, kann getrost als sehr gewagter Schritt seitens Schöpfer Matthew Weiner bezeichnet werden, gibt es doch wahrlich verlockendere Szenarien, um die Zuschauer Woche für Woche vor den Bildschirm zu locken. Ein ganz wesentlicher Grund dafür, warum "Mad Men" trotz vermeintlich spannungsarmer Ausgangslage so wunderbar funktioniert, ist die Tatsache, dass Sterling Cooper zu keinem Zeitpunkt wie ein starrer Arbeitsplatz wirkt. Vielmehr präsentiert sich die Agentur als ein lebend(ig)er Organismus, bei dem die soziale Interaktion der verschiedenen Berufsgruppen - Führungsriege, Werbetexter und -grafiker, Kundenbetreuer und Sekretärinnen - im Vordergrund steht. Vor allem die diversen Konfliktsituationen, die sich bei der tagtäglichen Zusammenarbeit unweigerlich ergeben, wissen zu unterhalten und werden gleichzeitig gekonnt für die Charakterzeichnung instrumentalisiert. Ein Paradebeispiel hierfür ist das inhärente Spannungsverhältnis zwischen den kreativen Köpfen und den Kontaktern, die zwar im Prinzip ein und dasselbe Ziel - die Zufriedenstellung der Werbekunden - verfolgen, doch dabei nicht immer an einem Strang ziehen. Egal ob Kreativdirektor Don Draper mit Pete Campbell oder später mit Duck Phillips und Jim Cutler darüber streitet, wem nun im Erfolgsfall die Lorbeeren gebühren und wer im Falle des Scheidens die Schuld trägt - selbst völlige Werbelaien laden diese beruflichen Querelen zum Mitfiebern ein. Aber auch abseits der besagten Konkurrenzkämpfe findet sich eine Vielzahl an mitreißenden Beziehungskonstellationen unter Bürokollegen, man denke bloß an das prägende Mentor/Protegée-Verhältnis zwischen Don und der jungen Peggy Olson oder an die immens unterhaltsame Lästerfreundschaft zwischen letzterer und Organisationsleiterin Joan Harris. Kein Wunder also, dass man als Zuseher die Charaktere immer wieder gerne bei der Arbeit begleitet hat.

Foto: Mad Men - Copyright: Michael Yarish/AMC
Mad Men
© Michael Yarish/AMC

Die Werbeagentur lediglich als einen Schauplatz von "Mad Men" abzutun, wird ihrer zentralen Bedeutung über sieben Staffeln hinweg im Grunde genommen nicht gerecht. Vielmehr ist sie Dreh- und Angelpunkt der Serie, ja fast schon so etwas wie ein heimlicher Hauptcharakter, der mit einer ähnlich facettenreichen Entwicklung wie Don und Konsorten aufwartet. Spätestens ab der Gründung von SCDP im famosen Staffe-3-Finale rückt das Schicksal der Agentur endgültig in den Vordergrund und bietet ebenso viel Gesprächsstoff wie Raum für Spekulationen, sei es über die Verteilung und Gestaltung der neuen Büros, die finanziellen Turbulenzen nach dem Verlust des größten Kunden Lucky Strike oder die Rückkehr auf den Erfolgspfad samt Erweiterung um eine zweite Etage. Genauso wie die Charaktere durchlebt die Agentur im Laufe der 1960er einen grundlegenden Wandel, nicht zuletzt infolge des technologischen Fortschritts (vom ersten Kopierer bis hin zur Ankunft des Computers) und unaufhaltsamer gesellschaftspolitischer Veränderungen (siehe Peggy als erste weibliche Werbetexterin oder Dawn als erste afroamerikanische Sekretärin). Den ein oder anderen langjährigen Anhänger wird es angesichts dessen sicherlich wie ein Schlag in die Magengrube getroffen haben, ohne große Vorwarnung mitansehen zu müssen, wie die Ära Sterling Cooper & Partners durch die Integration in McCann Erickson zu Ende geht. Beim letzten Blick auf die leer geräumte Agentur kommt der eingefleischte Fan nicht umhin, ein gewisses Maß an Wehmut zu empfinden, wie man es sonst nur von der Abschiednahme von lieb gewonnenen Charakteren kennt. Vor diesem Hintergrund dürfen beim Rückblick auf sieben Jahre "Mad Men" die bedeutendsten Bürogeschichten keinesfalls fehlen. Werft einen Blick auf unsere Galerie und stimmt anschließend für euer persönliches Highlight ab:

Welche Bürogeschichte hat euch am besten unterhalten?

Harry Crane gründet eigenmächtig eine TV-Abteilung
Britischer Mitbewerber PPL steigt bei Sterling Cooper ein
Don und Konsorten gründen Sterling Cooper Draper Pryce
SCDP fusioniert mit CGC zu einer Gemeinschaftsagentur
Abschiednahme von SC&P als eigenständige Agentur
eine andere Storyline (teilt sie uns in den Kommentaren mit)

Was die inhaltliche Arbeit der Werbemänner und -frauen anbelangt, allen voran das Erstellen von Kampagnen, wird der Zuschauer ebenfalls auf überraschend kurzweilige Art und Weise involviert. Dank fachmännischer Beratung durch die Branchenvertreter Josh Weltman und Bob Levinson vermitteln die Serienmacher einen mitunter faszinierenden Einblick in den kreativen Entstehungsprozess von Werbestrategien, sprich von den ersten unbrauchbaren Ansätzen bis hin zur druckfertigen Anzeige oder dem sendebereiten Werbespot. Nicht selten findet das Endresultat bei den Zusehern auf emotionaler Ebene Widerhall (Stichwort Kodak, Hershey's oder Burger Chef), sind sie doch hautnah bei der mit viel Herzblut verbundenen Konzeption mit dabei und kennen die zum Teil zutiefst persönlichen Hintergründe der vorgestellten Ideen. Darüber hinaus steht auch die Arbeit an den Kampagnen immerzu im Dienste der Charakterarbeit, etwa wenn sich die Rivalität zwischen Don und Duck im Interessenskonflikt zwischen Mohawk Airlines und American Airlines widerspiegelt, und vermittelt ganz gezielt gesellschaftspolitische Botschaften zu prägenden Sixties-Themen wie Sexismus (Topaz), der Rassenproblematik (Admiral) oder dem Judentum (Menken's). Und ja, auch der ein oder andere Meta-Kommentar über die Parallelen zwischen dem Werbetexten und dem Drehbuchschreiben fürs Fernsehen wird findigen "Mad Men"-Fans, die über Matthew Weiners strenges Regime hinter den Kulissen Bescheid wissen, nicht verborgen geblieben sein. Klickt euch abschließend durch unsere Fotogalerie mit den zehn Werbekunden, die in puncto Handlung wohl den bleibendsten Eindruck hinterlassen haben, und votet für euren Favoriten:

Bei welcher Werbekampagne habt ihr am meisten mitgefiebert?

Lucky Strike und die Tücken der Tabakindustrie
Peggys erster Erfolg mit der Idee für Belle Jolie
Dons bahnbrechender Pitch für Kodak
Joans persönliches Opfer bei der Akquise von Jaguar
Peggys großer Wurf bei der Präsentation für Burger Chef
bei einem anderen Etat (teilt ihn uns in den Kommentaren mit)

Zur Übersicht des "Mad Men"-Abschiedspecials

Willi S. - myFanbase

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