Bewertung: 8

Review: #1.01 Alles wird anders

1999 habe ich "Dawson's Creek" das erste Mal in der deutschen Free-TV-Ausstrahlung im Fernsehen gesehen und habe mich sofort in die Serie verliebt. Nun, da die Serie schon seit einiger Zeit beendet ist und man alle Staffeln auf DVD kaufen kann, habe ich mich dazu entschlossen, mir die Serie noch einmal von Beginn anzusehen und zu gucken, ob sie mich immer noch verzaubern kann. Immerhin war ich damals fast im gleichen Alter wie die vier Hauptcharaktere selbst, bin quasi mit ihnen aufgewachsen und konnte viele Dinge aus ihrem Leben in meinem eigenen wiederfinden. Nun, da ich um einiges älter bin, als die Charaktere, ist diese Identifikation natürlich nicht mehr so stark gegeben, wie damals, allerdings fasziniert die Serie mich immer noch und der Pilot an sich konnte mich wieder in seinen Bann ziehen.

Als wir das erste Mal gesehen haben, wie Pacey, Joey, Dawson und Jen in der Schule waren, ist mir auch sofort bewusst geworden, warum ich damals so sehr von diesen Vier fasziniert war und warum ich alle sofort in mein Herz geschlossen habe: Sie sind alle "normal". Keiner der vier Hauptcharaktere ist Star der Sportmannschaft, Vorsitzender im Schachclub, Schulschönheit, reiches Kind von berühmten Eltern, Cheerleaderin oder der totale Außenseiter. Alle vier sind Schüler, wie jeder andere auch. Sie haben ihre Probleme, haben gute Freunde, sind nicht bei allen beliebt, aber auch nicht bei allen unbeliebt. Sie sind einfach "normal" und genau das hat mir gefallen und gefällt mir auch immer noch. In vielen anderen Serien treffen wir immer auf Hauptcharaktere, zwischen denen Welten liegen und die in der Schule ihre Probleme damit haben, sich selbst darzustellen. Wir treffen häufig auf eine Kluft zwischen Arm und Reich oder Beliebt und Unbeliebt.

Diese Faktoren spielen bei "Dawson's Creek" keine Rolle und werden es zum Glück auch im weiteren Verlauf der Serie nur sehr selten tun. Hier geht es vielmehr um das alltägliche Leben von Teenagern, der Weg zum Erwachsenen und um Freundschaft. Nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger. Der Pilot zeigt einfach, dass man nicht unbedingt Probleme schaffen muss, die weit hergeholt sind, sondern das Leben selbst Probleme schafft, die einfach jeder durchmachen muss!

"Du wirst sehen, ich bin völlig harmlos"

Jen ist neu in der Stadt und muss sich erst einmal einleben. Sie war in New York eine andere Person, als sie es in Capeside ist und muss sich nun mit ihrer Großmutter, die mir im Piloten viel zu schrecklich rüber kam, wenn ich bedenke, welche Wandlung sie im Laufe der Serie durchmacht, arrangieren. Dabei versucht sie so demokratisch zu sein, wie es nur geht, doch muss schnell erkennen, dass sie dabei noch an ihre Grenzen stoßen wird, da zwischen ihr und ihrer Großmutter einfach Welten liegen.

Nachdem was Jen in ihrer Vergangenheit erlebt hat, ist es sehr verständlich, dass sie sich zu Dawson hingezogen fühlt. Er ist einfach ein harmloser Junge, der seine Träume vom Leben über sein eigentliches Leben selbst stellt. Er stellt für sie also keinerlei Gefahr dar und zeigt im Gegenzug offenes Interesse an Jen. Ich finde es da sehr natürlich, dass sie Gefühle für ihn hegt und vielleicht so versucht, ein neues Leben zu beginnen. Allerdings hat dies meiner Meinung nach keinerlei Zukunft, zumindest nicht auf Dauer, da Jen sich erst einmal selbst finden muss, und zwar alleine, bevor sie eine Beziehung eingeht. Erst wenn sie allein mit ihrem alten Leben abgeschlossen hat, kann sie sich einem neuen öffnen und genau da sehe ich einfach keine Zukunft für die beiden, denn eigentlich passen sie nicht zusammen.

Dawson ist ein Träumer, Jen Realistin. Dawson hat kaum Erfahrung in seinem Leben gesammelt und ist wohlbehütet aufgewachsen, während Jen schon in jungen Jahren auf eigenen Füßen stand und sich im Leben zurecht finden musste. Die beiden können eine wunderbare Freundschaft aufbauen und viel voneinander lernen, allerdings wird eine Beziehung niemals zwischen den beiden funktionieren können – nicht auf Dauer.

"Ich habe es satt, zu verstehen!"

Nachdem ich mir den Pilotfilm nun im "fortgeschrittenen" Alter noch einmal angesehen habe, habe ich Joeys Gefühle gegenüber Dawson und Jen auf eine ganz andere Art und Weise verstanden. Früher war ich immer der festen Überzeugung, dass sie in Dawson verliebt ist, was uns die Anfangsszene des Piloten ja auch quasi ein wenig vermittelt hat. Nun bin ich da jedoch anderer Meinung. Joey hat einfach keine Stabilität in ihrem Leben, bzw. Dawson war einfach immer diese Stabilität. Ihr Vater ist im Gefängnis, ihre Mutter tot und ihre Schwester ist eine schwangere unverheiratete Frau, die mit einem Farbigen zusammen ist, was nicht gerade gern gesehen wird in der kleinen Stadt.

Dawson hingegen war immer für sie da und sie war schon seit Jahren seine beste Freundin. Pacey stand da völlig außer Konkurrenz, da er erstens ein Junge ist und zweitens nicht den Anschein macht, als könnte man mit ihm stundenlange tiefschürfende Gespräche führen. Doch dann taucht Jen auf und sie ist auf einmal nicht mehr der wichtigste (weibliche) Mensch in Dawsons Leben. Das verletzt sie und damit kann sie nicht umgehen.

Freundschaft und Liebe sind zwei extrem starke Gefühle und je besser und je enger man mit jemandem befreundet ist, desto mehr empfindet man für ihn und desto leichter kann man auch verletzt werden. Bei Joey ist es meiner Meinung nach ein klassischer Fall von Eifersucht – nicht auf Jen, als potenzielle neue "Geliebte" von Dawson, sondern als neue Freundin. Eine neue Person, mit der er redet, stundenlang Filme guckt und bei ihr ist. Joey will einfach keine Veränderung in ihrem Leben, aber genau das wird passieren und damit muss sie erst mal zurecht kommen. Dawson wäre immer derjenige, der ihr beigestanden hätte, aber diesmal geht es um ihn und das macht Joey wütend und genau das versteht sie einfach nicht.

Ich erkenne demnach keine wirkliche Liebe zwischen den beiden, sondern eine tiefe und innige Freundschaft, die versuchen muss, zu überleben, auch wenn sich das Umfeld dieser Freundschaft nun grundlegend ändert.

"Das ist alles so kompliziert!"

Dawson, die Hauptperson der Serie, ist gerade dabei, sich selbst zu finden. Er führt scheinbar ein perfektes Leben – im Vergleich zu seinen Freunden – und ist damit dennoch nicht zufrieden. Ich denke, mit ihm kann ich mich am meisten identifizieren, da auch ich nie mit ernsthaften Problemen in meinem Leben aufgewachsen bin. So wie Dawson waren es bei mir auch eher immer emotionale Dinge, die mich aufgewühlt haben und durch die ich mir Probleme geschaffen habe, die andere vielleicht als nichtig empfunden hätten.

Doch genau das ist der Punkt. Jeder ist er selbst und hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Jeder Teenager hat Probleme, mit denen er sich auseinander setzen muss. Bei einigen sind diese Probleme offensichtlich und jeder kann sie verstehen und fühlt mit. Bei anderen sind sie einfach verborgen und werden in den Gedanken und Gefühlen geschaffen.

Ich finde es großartig, dass wir mit Dawson einen Hauptcharakter haben, der sich einfach mit dem Prozess des Erwachsenwerdens auseinander setzen muss, ohne dabei noch weitere Steine in den Weg gelegt zu bekommen, auch wenn sich dies natürlich durch die entdeckte Affäre von seiner Mutter noch ändern wird. Dies zeigt uns, dass auch diese Probleme real und bestimmend sind und man nicht immer ein tragisches Leben um sich herum haben muss, um in eine Sackgasse zu geraten, die das ganze Leben auf den Kopf stellt. Das Gail eine Affäre zu haben scheint, ist daher für mich ein wenig schade, obwohl es eigentlich auch nur zeigt, dass auch die perfektesten Eltern es nicht wirklich sind, aber ich hätte mir diese Erkenntnis gerne erst später in der Serie gewünscht und Dawson vorerst "problemlos" gesehen.

"Wir sehen uns in der Schule, Miss Jacobs!"

Pacey ist eigentlich immer mein Lieblingscharakter gewesen, was wohl daran liegt, dass ich die Antagonisten immer spannender finde, als die Protagonisten. Die Geschichte um ihn und Tamara Jacobs ist natürlich noch mal ein ganz anderes Kaliber, als die Geschichten der anderen drei Charaktere und scheint auch nicht immer ganz zu passen.

Davon abgesehen fand ich allerdings, dass wir auch im Piloten schon einige Andeutungen darauf bekommen haben, dass Pacey nicht einfach nur der Pausenclown ist, sondern mehr in ihm steckt und seine Gefühle vor allem tiefgründiger sind, als sie scheinen. Allerdings haben wir davon nur Andeutungen im Piloten gesehen und im Gegensatz zu allen anderen Charakteren wurde ihm am wenigsten Beachtung geschenkt, was die Tiefgründigkeit und wahren Charakterzüge angeht, was ich ein wenig schade fand.

Fazit

Auch nach einigen Jahren kann mich der Pilot immer noch überzeugen, da die Charaktere ehrlich und echt sind und Probleme des alltäglichen Lebens auf den Bildschirm transportieren, mit denen sich jeder einmal mehr oder weniger auseinander setzen muss oder musste.

Annika Leichner - myFanbase


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