Bewertung: 7

Review: #3.02 Die Nacht der lebenden Toten

Foto: Sarah Michelle Gellar, Buffy - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Sarah Michelle Gellar, Buffy
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Nicht die Hauthandlung hat zu der verhältnismäßig guten Bewertung dieser „Monster Of The Week“ Episode beigetragen, sondern alles was zwischen den Charakteren passiert (ist). Es war klar, dass Buffy nach ihrer überstürzten Abwesenheit und ohne ein Lebenszeichen nicht einfach wieder in die alte "Normalität" ihres gewohnten Lebens zurückkehren kann. Aber es fällt einem doch schwer, mit anzusehen, wie Buffy überhaupt keinen Anschluss mehr zu finden scheint und sich vorübergehend unter ihren engsten Freunden vielleicht sogar noch einsamer fühlt als in den letzten Monaten alleine.

"Buffy, you didn't give me any time to deal with it! You just dump this revelation on me and expect me to get it? Well, guess what? I'm not perfect! I'm sorry! I handled it badly! But that doesn't give you the right to punish me by running away!"

Buffy ist zurück und natürlich zieht es sie zunächst einmal zu ihrer Mutter, mit der sie beim letzten Aufeinandertreffen nicht eben harmonisch auseinander gegangen war. Im ersten Moment sieht man erstmals nichts außer Erleichterung, Freude und völligen Schock auf Joyces Gesicht, als ihre Tochter plötzlich wieder vor ihr steht. Ich will mir gar nicht vorstellen, war für ein Horror es für Eltern sein muss, nicht zu wissen, wo das eigene Kind steckt, ob es ihm gut geht, oder (und in Buffys Fall ist das ja nun wirklich nicht der abwegigste Gedanke) ob es noch lebt. Joyce und Buffy sind zu allererst also glücklich und trotzdem lag schon im ersten Moment zwischen den beiden eine gewisse Spannung, Schmerz, Angst und Ungewissheit, wie geht es jetzt weiter?

Joyce scheint auch immer noch hin und her gerissen zu sein zwischen der Akzeptanz der Berufung ihrer Tochter (wenn auch mit fehlender Einsicht ob der Geheimhaltung der ganzen Sache) und dem Ausfüllen des Einweisungsbogens der psychiatrischen Klinik für Buffy. Auch wenn Joyce inzwischen Dinge gesehen hat, die eigentlich beweisen, dass Buffy sich nichts dergleichen einbildet, scheint sie noch lange nicht überzeugt davon zu sein, dass dies nun die grausame Wirklichkeit sein soll. Im ersten Moment wirkt das natürlich kurzsichtig und naiv, aber es ist nun einmal schwer zu akzeptieren, dass die Welt vollkommen anders ist, als man immer dachte. Ich glaube, ich würde auch erst einmal nicht glauben wollen, dass meine minderjährige Tochter superstarke, übernatürliche Wesen bekämpft.

Die Hauptstory scheint wie oben bereits erwähnt nicht weiter wichtig für den weiteren Verlauf der Staffel und dient eigentlich nur der Untermalung der charakterlichen Konflikte und Entwicklungen. Typisch für "Buffy – Im Bann der Dämonen": Ein Charakter wird eingeführt, treibt die Folgenhandlung voran und stirbt entweder direkt zu Beginn oder am Ende im Kampf gegen den Folgen-Fiesling. In dieser Folge musste Joyces Freundin Pat dran glauben. Das kann man jetzt traurig finden oder nicht, ich bin mittlerweile abgestumpft was das Töten von Kurzzeit-Charakteren anbelangt, wahrscheinlich wirklich, weil es so oft passiert.

"You can't just bury stuff like your feelings. It will come right back up to get you."

Natürlich will Buffy auch ihre Freunde, Willow, Xander, Oz und sogar Cordelia wieder sehen. Sie erwischt diese während der Jagd – irgendjemand musste Buffys Arbeit in Sunnydale ja weiterführen. Sie schlagen sich nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Aus diesem Grund ist es gut, dass Buffy zufällig im richtigen Moment am richtigen Ort war. Das Wiedersehen verläuft verhalten, ob das nun am Schrecken des Kampfes liegt oder sich die Enttäuschung über das wortlose Verschwinden Buffys hier schon deutlich macht, bleibt jedem selbst zu interpretieren.

Keiner weiß recht was mit Buffy anzufangen und auch Giles, der ähnlich glücklich über die Rückkehr seiner Jägerin ist wie deren Mutter, verhält sich distanzierter als sonst. Xander ist nicht bekannt dafür, schnell zu vergeben und urteilsfrei mit den Menschen in seiner Umgebung umzugehen, von daher hat es mich nicht überrascht, ihn mit solcher Wut auf Buffy zu sehen. Dass er zum Finale der Episode hin aber so ausfallend und unfreundlich wird, dass sogar Cordy ihn zur Raison bringen will, hat wehgetan (nicht nur Buffy sondern auch mir).

"Well... maybe I don't need to understand. I need you to just talk to me about your feelings."

Schlimmer als Xander hat Buffy jedoch das Verhalten Willows getroffen. Willow ist nicht lässig wie Oz, zickig wie Cordelia oder schroff wie Xander. Sie hatte immer Verständnis für Buffy, war auf ihrer Seite und hat sich für sie eingesetzt. Und nun wirkt sie kühl, geradezu desinteressiert. Sie war, genau wie Xander, am Boden zerstört als Buffy nicht mehr wieder kam, aber sie hat gelernt, damit zu leben. Sie hat sich auf sich, ihr Leben, Oz und die Zauberei konzentriert und gelernt, dass sie selbst viel herauszufinden und zu erleben hat. Im Moment weiß keiner außer Buffy, dass Willows Versuch, Angel seine Seele wiederzugeben, tatsächlich funktioniert hat. Das ist kein kleiner Zaubertrick, sondern ernsthafte und schwierige Zigeuner-Magie. Willow zeigt jetzt schon, dass sie das Zeug hat, eine mächtige Hexe zu werden und ohne von ihrem ersten großen Erfolg zu wissen, entwickelt sie sich als Hexe immer weiter und wird stärker.

Es wird schnell klar, dass Willow natürlich nicht einfach das Interesse an Buffy verloren hat, sondern einfach nur zutiefst verletzt und verunsichert ist. Die Art und Weise wie die Reaktionen der Scoobies auf Buffys Rückkehr geschrieben und umgesetzt wurden, ist es, was diese Folge in meinen Augen so gut macht. Die Haupthandlung fließt vor sich hin und bringt die ganze Clique zusammen, aber es sind die Spannungen zwischen den Freunden und ihre geballte Entladung, die haften bleiben. So vieles ist unausgesprochen, keiner weiß, was damals mit Angel passiert ist und warum Buffy glaubte, es sei das richtige, einfach zu verschwinden. Willow z.B. will Buffy beistehen, aber Buffy hat ihr nie eine Möglichkeit gegeben, sie hat sich abgeschottet und auch jetzt, nachdem sie wieder da ist, will sie nicht darüber reden.

Diese Konflikte, obwohl sie in einer Welt voller Monster und Weltuntergänge stattfinden, sind so real und nachvollziehbar. Wer hatte nicht schon einmal das dringende Bedürfnis, vor Schmerz alle Brücken nieder zu reißen und sich allein in einer Höhle zu begraben? Wer war nicht schon einmal zutiefst enttäuscht von einem engen Freund, der einfach nicht für einen da war? Es ist das einzig Richtige, diese Spannungen direkt zu Beginn der Staffel eskalieren zu lassen, um nun wieder Luft für die wichtigen Dinge zu haben. Buffy weiß, dass sie ihre Freunde braucht und umgekehrt ist es nicht anders.

"We were doing the best we could. It's not like we had a lot of choice in the matter."

Erwähnenswert ist noch, dass diese Episode gezeigt hat, dass Xander, Willow, Oz und Cordelia nicht mehr nur Buffys Freunde sind, die ihr gelegentlich aushelfen, recherchieren und hin und wieder, wenn es gut läuft, versehentlich einen Vampir pfählen. Sie haben in Buffys Abwesenheit festgestellt, dass der Höllenschlund auch ohne die Jägerin weiter brodelt und dass sie etwas tun müssen. Aber nicht nur körperlich und in Sachen Kampftechnik haben sich die vier entwickelt. Es muss doch einiges an Willenskraft bedeuten, wenn man als normaler, sterblicher Teenager beschließt, auf Vampir- und Monsterjagd zu gehen. Buffy kann sich wirklich glücklich schätzen, dass sie Freunde hat, die nicht zur mutig, sondern ernsthaft an der Bekämpfung des Bösen interessiert sind. So sehr ich die Titelheldin der Serie mag, manchmal glaube ich, dass sie ihre Freunde erheblich unterschätzt.

"Unbelievable! - Do you like my mask? Isn't it pretty? It raises the dead! - Americans!"

Alles in allem eine solide Episode mit einer vor sich hin tröpfelnden, aber durchaus lustigen, Handlung und einer enormen Entwicklung aller Hauptcharaktere. Es ist gut, dass Buffy wieder da ist, alle mal Dampf abgelassen haben und nun wieder einig und vereint sind, für das was in Zukunft anstehen wird. Denn wenn eines klar ist, dann das definitiv irgendetwas Großes ansteht. Vielleicht mal wieder ein Weltuntergang, schließlich sprechen wir hier von "Buffy – Im Bann der Dämonen".

Marie K. - myFanbase


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