Bewertung: 8

Review: Die Kunst, umzuziehen (3.07)

Es wird immer ein bestimmender Anteil einer "Community"-Review sein, über den Unterschied zwischen den so genannten Gimmick-Episode und den eher normaleren zu reden. Wobei mir ja auch der Begriff Gimmick persönlich gar nicht zusagt, vielleicht sollten wir sie lieber Genre-Folgen nennen? Oder hat jemand einen passenderen Begriff parat? Wobei wir uns hier diesem Teil der Argumentation gar nicht so intensiv zu widmen brauchen (dafür gibt es sicher bald wieder Gelegenheit), denn eigentlich wollte ich nur sagen, dass #3.07 Studies In Modern Movement eine der besten der normalen Episoden dieser Staffel für mich darstellt. Natürlich gab es im Mittelteil wieder den üblichen durchgeknallten Wahnsinn, aber ins sich war die Episode in ihren Handlungssträngen doch sehr auf dem Boden geblieben und hat einiges mit ihren Charakteren unternommen.

"Did you know that when it snows, my eyes become large and the light that you shine can be seen?"

Vor allem hat man einige kleinere Problemchen, die einige Charaktere mir in letzter Zeit bereitet haben adressiert und zwar nicht aufgelöst, aber zumindest in einer Art und Weise angesprochen, dass man das Gefühl hat, man ist sich deren durchaus bewusst. Zu ihnen gehört auch Annie, die für meine Begriffe in dieser Staffel bisher noch zu sehr zurückstecken musste und immer nur über ihre Gefühle für Jeff thematisiert wurde. Nun hatte sie wieder einmal Gelegenheit zu glänzen und wir durften sie in einer Geschichte, die ganz um sie selber ging beobachten. Zwar ist es einerseits natürlich enorm unglaubwürdig, dass sie all ihre Probleme mit ihren neuen Mitbewohnern Troy und Abed erst direkt beim Umzug offenbaren. (Hat sie sich ihr zukünftiges Zimmer vorher nie angeschaut? Hat sie nie mit den beiden darüber geredet, wo sie schlafen wird? Hoffen wir, dass sie wenigstens die Mietkonditionen ausgehandelt haben.) Aber das sind wohl diese Dinge, die man bei einer Sitcom einfach hinnehmen muss. Dafür weiß ich es durchaus zu schätzen, dass man das Dreamteam Troy und Abed auch einmal von dessen Schattenseite zeigt. Denn so genial und unterhaltsam die beiden Kindsköpfe zusammen sind, zusammenleben möchte ich mit ihnen nun auch nicht und das man die Gefahren der Überdosierung ihrer Charaktereigenschaften hier auch einmal für den Zuschauer demonstriert, weiß ich sehr zu schätzen. Oftmals schafft es eine derartige Serie ja nicht, ihre Überraschungs-Kult-Charaktere durchaus auch einmal in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, aber die Methode, wie man das hier präsentiert hat, gefällt mir sehr gut. Das war gemeinsam mit dem Puppenspiel die richtige Balance, die klarmacht, wo die Probleme im Zusammenleben mit Troy und Abed liegen, man weiß aber dennoch, warum es sich für Annie trotzdem lohnt. Und natürlich hat man bei der Gelegenheit unheimlich viele witzige Begebenheiten eingebaut, von Annies Loozy-Doozy-Tanz, über das Dreamatorium ("It's a playroom that only works in your mind!") bis hin zu vielen lustigen Dialogen.

"Now that your rose is in bloom, a light hits the gloom on the grey."

Ein zweiter wichtiger Aspekt dieser Episode war für mich, dass Shirleys erhabene Moralität einmal thematisiert wurde. Die Idee, sie dafür mit Britta in ein Auto zu stecken, wo die doch auf ganz andere Art und Weise auf ihrem moralischen hohen Ross sitzt, hat die Scheinheiligkeit beider sehr gut zur Geltung gebracht und so kann ich Shirleys aggressive Homophobie der letzten Episode schon ein wenig in einem anderen Licht sehen. Die Autoren sind sich bewusst, dass Shirleys Verhalten zu extrem ist und nun hoffe ich darauf, dass man daran auch bald einmal etwas ändert. Shirley ist und bleibt der Charakter, bei dem sich die Serie sehr schwer tut, ihm wirkliche Tiefe zu verleihen. Selbst mit der Schwangerschaft in Staffel 2 ist es nicht gelungen, unter ihre Oberfläche vorzudringen und in letzter Zeit wurde sie doch immer schriller und einseitiger. Zwar hat man für meine Begriffe hier diese Problematik noch nicht gelöst, aber es doch in witziger Manier zur Sprache gebracht, zumal der singende, bluttrinkende Jesus unheimlich witzig war. Diese Storyline endete zwar wieder einmal einfach nur, ohne einen wirklichen Abschluss zu finden, was aber nicht so arg aufgefallen ist. Da hat mich das nicht vorhandene Ende der Dean Pelton Storyline doch schon mehr gestört.

"There is so much a man can tell you, so much he can say. You remain my power, my pleasure, my pain."

Wenn man über die Geschichte des Deans und Jeffs in dieser Folge spricht, kommt man natürlich nicht um das grandiose Karaoke-Video zu Seals "Kiss from a Rose" herum, welches nun sicher für die nächsten zwei Wochen als Ohrwurm in meinem Kopf rotieren wird (und ich hoffe, spätestens dank meiner Überschriften-Zitate auch bei meinen Lesern). Diese Sequenz, komplett mit den Zwischenschnitten zu Troy und Abeds Puppenspiel, dem singenden und gitarrespielenden Jesus und Pierces Halluzinationen war wieder eines dieser Highlights, wie sie irgendwie nur "Community" produziert. Wahnsinnig abgefahren und unheimlich witzig, zumal ich auch die Tatsache, dass Jeff durchaus seinen Spaß daran hatte, wirklich zu schätzen weiß. Insgesamt war dieser Teil der Episode, der eben auch mit Jeff und dem Dean im Partnerlook aufwarten konnte, sehr gelungen, denn hier haben vor allem die vielen kleinen Details gestimmt. Einzig das Ende, beziehungsweise, dass eben keins vorhanden war, hat mir etwas sauer aufgestoßen. Wie Jeff darauf reagiert, dass der Dean die privaten Mails seiner Studenten liest, er dann doch noch zu seinen Freunden geht und eben Pelton sein Video öffentlich gemacht hat, ist irgendwie nicht ganz rund. Ich dachte zunächst, Jeff erpresst den Dean eben mit seinem Wissen, aber das war ja nun offensichtlich nicht der Fall. Aber gut, es ist nur ein kleiner Wehrmutstropfen in dieser ansonsten so gelungenen Geschichte, zumal auch die Gruppe am Ende wieder schön in einen gemeinsamen Tanz ausbrechen konnte.

"I've been kissed by a rose on the grey."

Eines der Zeichen, dass man eine wirkliche gute Episode gerade bewertet ist es, wenn man am Ende des eigentlichen Textes noch so viel zu sagen hat, dass man gerne eine Notizenliste einfügen möchte:

  • Pierces Teil der Geschichte war mehr oder weniger nur dafür da, um Chevy Chase wieder einmal sein Talent für physische Comedy an den Tag legen zu lassen. Das kann er einfach großartig und ich fand alles dazu dementsprechend einfach witzig. Zumal die Halluzination dann auch einfach wunderbar zum Rest gepasst hat.
  • Es ist sicher auch eine Bemerkung wert, dass die Gruppe hier wieder in der Abwesenheit von Jeff auf eine Lösung kommt, die den Frieden wieder herstellt. Und Jeff selbst gibt selbst seinem Therapeuten eine Absage, da er gerne allein sein möchte.
  • Das twittern der Charaktere war übrigens nicht nur in der Show ein Thema, natürlich hat sich NBC diese Möglichkeit der Cross-Promotion nicht entgehen lassen und hat die Twitter-Feeds unter dem Hastag #AnnieMoves in den Stunden vor der Ausstrahlung der Episode ordentlich angeheizt.
  • Und nun alle zusammen: "Did you know that when it snows...my power, my pleasure, my pain..."



Wie man sicher schon merken konnte, hat mir diese Episode wirklich gut gefallen. Ich hab unheimlich viel gelacht und hatte zudem das Gefühl, dass man sich auch inhaltlich an vielen Fronten weiterbewegt hat. Dazu kommt das Gefühl, dass man sich hinter der Kamera über einige Charakterschwächen der Protagonisten bewusst ist, was immer ein gutes Gefühl bei einem kritischen Zuschauer wie mir hinterlässt. Doch, so kann es weitergehen.

Cindy Scholz - myFanbase


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