Interview mit Sam Witwer

Sam Witwer spielt die Hauptrolle des Vampirs Aidan in der übernatürlichen Dramaserie "Being Human". Wenn man liest, was Sam über die Dreharbeiten erzählt - wer würde da nicht gerne mal Mäuschen spielen? Seinen Durchbruch hatte Sam 2004 mit seinem Auftritt im Scifi-Drama "Battlestar Galactica", über dessen nachhaltigen Eindruck er hier eine interessante Hintergrundgeschichte erzählt. Aber nicht nur dazu, sondern auch zu "The Walking Dead" kann er spannende Einblicke geben.

Auf sixx könnt ihr die neuen Episoden jederzeit online sehen: "Being Human": Ganze Folge.

Hier könnt ihr das Originalinterview nachlesen. | Read the original interview in English.

Foto: Sam Witwer
Sam Witwer

1. Wie hast du die Rolle des Aidan in "Being Human" bekommen? Hast du mit Sam Huntington zusammen vorgesprochen?

Ich hatte den überraschenden Vorteil, dass die Serienmacher mir schon gesagt hatten, dass mir die Rolle sicher ist, als ich zum Screentest auftauchte, insofern hatte ich einfach nur Spaß. Sam Huntington kommt rein und... ihr habt ihn ja gesehen, er ist urkomisch. Und besonders witzig ist, wenn Sammy nervös wird, spricht er immer lauter und schneller. Im Warteraum wurde ihm mehr als dreimal gesagt, er sollte leiser sein.

Jedenfalls war es klar, dass er die Rolle bekommen musste, den er war ganz einfach der Witzigste. Manche meinten, die Rolle sollte ernster sein, aber die Sache ist, bei Schauspielern kannst du dem witzigen Typen immer sagen, er soll etwas ernster sein, aber du kannst dem ernsten Typen nicht sagen, er soll witziger sein.

2. Wir haben herausgefunden, dass Aidan sich mit Joshs Ex-Verlobte Julia getroffen hat. Kannst du uns etwas darüber verraten, was sich in Aidans Liebesleben sonst noch tut in dieser Staffel?

Aidans Liebesleben. Ja. Das ist ein breites Thema (entschuldigt das Wortspiel). [Anm d. Red. Sam sagte "broad topic", was man auf Deutsch auch mit "Tussen-Thema" übersetzen könnte.] Ich sag mal soviel. Worum Aidan sich bemühen sollte, ist jemand wie Julia. Worum Aidan sich aber tatsächlich bemüht, ist sehr schädlich für seinen "Sag-nein-zu-Drogen"-Lebenstil.

3. Suren ist wieder in der Stadt und es sieht so aus, als haben Aidan und sie eine gemeinsame Vergangenheit. Kannst du uns etwas über diese Beziehung sagen?

Um es mal so auszudrücken wie im wahren Leben: Sie ist das Mädchen, in das du in der High School verliebt warst. Jetzt bist du 27 und triffst dich mit ihr. Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast? Ist es eine gute Idee? Habt ihr beide so stark verändert, dass ihr nicht mehr zusammen passt?

Wir sehen hier zwei Menschen, die, wenn sie sich gerade mal nicht streiten, Sex haben.

4. Der Blutdurst gibt Aidan in dieser Staffel eine düstere Note. Spielst du das gerne?

Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass ich das gerne spiele. Ich finde es unglaublich fesselnd. Es ist mein Job, die Metapher der Drogensucht mit hineinzubringen, deshalb hab ich die Rolle auch angenommen, und es ist definitiv einer der interessantesten Aspekte der Figur für mich. Wäre das nicht mehr da, wäre ich verloren.

Ich muss aber dazusagen, es ist nicht immer spaßig, das darzustellen. Das was Spaß macht, ist das Herumhängen und Kaputtlachen mit Sammy und Meaghan Rath.

5. Aidan musste ein Kind töten (Bernie), seinen Schöpfer Bishop und Rebecca auf ihren Wunsch hin. Jedesmal glaubt man, davon könne er sich nicht erholen, aber er schafft es und es ist immer glaubhaft. Wie ist das möglich?

Es ist möglich, weil Aidan prinzipiell - abgesehen von seinem Kummer - ein Mensch mit Gewissen ist. Ich versuche ihn als einen Mann zu spielen, der sich selbst nicht so schnell verzeiht, was er getan hat. Ich muss aber auch dazusagen, ich fürchte, wir führen ihn dieses Jahr noch ein wenig weiter auf die dunkle Seite, und ich weiß ehrlich noch nicht, wie die Zuschauer darauf reagieren werden. Er macht einige grauenhafte Sachen.

Foto: Sam Witwer
Sam Witwer

6. Wenn man Interviews mit dir und Sam Huntington anschaut und ihm und Meaghan auf Twitter folgt, fragt man sich: Wie bekommt ihr die ernsten und emotionalen Szenen hin?

Haha! Wir bekommen sie hin, weil wir es MÜSSEN. Wenn wir sie nicht hinbekämen, würden wir gefeuert. Wäre das nicht so, würden wir den ganzen Tag nur Späße treiben. Aber im Ernst, Meaghan und Sammy sind zwei extrem professionelle Schauspieler und wir nehmen alle Rücksicht, wenn jemand ernst bleiben muss. Unter diesen Umständen behalten wir unsere schlauen Sprüche und Witze für uns. Naja... meistens. Manchmal kann Sammy sich nicht beherrschen. Bei solchen Gelegenheiten haue ich ihn.

7. Haltet ihr euch immer genau an das Skript oder schlagt ihr schonmal einen Satz oder andere Kleinigkeiten für die Darstellung eurer Figuren vor?

Wir weichen vom Text ab, wenn es nötig ist. Unsere Autoren sind sehr sehr gut in ihrem Job, aber es gibt immer Momente, wenn etwas ein wenig optimiert werden muss. In den lustigen Momenten improvisieren wir auch ein bisschen. Das hält die Darstellung lebendig und unvorhersehbar.

8. Aidan verlor die Liebe seines Lebens, aber er lässt nichts an seine Freunde herankommen. Denkst du, die Botschaft der Serie ist, dass Freundschaft das Wichtigste ist?

Absolut. So ist es sehr gut ausgedrückt. Nichts ist wichtiger für Aidan als Sally und Josh. Ihr werdet sehen, dass er später in der Staffel etwas tut, was dem zu widersprechen scheint, aber beobachtet Aidan genau. Er tut es, weil es nach seinem Gefühl das Beste für sie ist.

9. Doomsday aus "Smallville" war jemand, der keine Freunde hatte, niemanden, der freiwillig zu ihm gestanden hätte. Aber waren Doomsday und Aidan sich nicht im Grunde ähnlich in ihrem verzweifelten Wunsch, menschlich zu sein?

Aidan und Davis haben auf jeden Fall einige Dinge gemeinsam. Sie sind beide ziemlich allein. Ich bin nur dankbar, dass Aidan ab und zu mal witzig sein darf, denn letzten Endes entstehen aus den grauenvollsten Umständen manchmal einige der witzigeren Dinge, die wir im Leben sagen oder tun.

10. Dein Charakter Crashdown in "Battlestar Galactica" erlitt aufgrund des enormen Drucks und der Überforderung auf Kobol einen Zusammenbruch, du spieltest ihn aber nicht als einen Durchgedrehten, sondern als jemanden, der sich selbst für vernünftig hält. Hattest du Ratgeber für eine solche Szene?

Die einzige Hilfe am Set war Ron Blecker, unser Ratgeber in militärischen Fragen. Ich sage es nicht gerne, aber ich denke, die meisten Leute dachten, ich spielte es falsch. Sie hatten den Plot der Episode gelesen, in dem Stand "Crashdown DREHT DURCH und bringt dabei alle fast um." Ich fand, das war viel zu eindimensional für die Darstellung, und abgesehen davon haben wir sowas auch schon eine Million mal gesehen. Ich fand es interessanter, die Geschichte eines Mannes zu spielen, der die Kontrolle verliert, seine Freunde aber so sehr schützen will, dass er es übertreibt.

Manche Leute dachten, ich ruiniere die Episode und legten mir gegenüber dar, dass ich es falsch spiele, aber eines Tages schaltete Ron Blecker sich in eine dieser Unterhaltungen ein und verteidigte mich. Ron sagte, dass alles, was im Skript stehe und wie ich es machte, in Übereinstimmung mit den Regeln militärischen Verhaltens und der militärischen Denkweise sei. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, denn dadurch ließen die Leute von mir ab.

Am Ende bekam ich anerkennende Anrufe von den Produzenten, die mir sagten, es gefiele ihnen unheimlich gut, was ich aus der Sache macht habe. Ich hatte sogar ein nettes Zusammentreffen mit dem gesamten Autorenstab in einem Coffee Shop. So hatte meine Karriere bei "Battlestar" ein wundervolles Ende.

Foto: Sam Witwer
Sam Witwer

11. "Battlestar Galactica" ist ein gefeiertes Charakter-Drama, fraglos das Beste im Sci-Fi-Bereich in der Art wie es sozialkritische Themen und Emotionen behandelt. Was denkst du über die Serie?

Es gehört zu meinen Dauerfavoriten. Als ich die Minisere anschaute, fand ich, sie gehörte zu den herausragendsten Fernsehprojekten, die ich je gesehen hatte. Ich beauftragte meine Agentin, mir eine Rolle in dieser Serie zu besorgen. Ich war aber nicht sehr etabliert zu der Zeit, daher hätte ich nie gedacht, dass sie Erfolg hat. Nach meiner Zeit bei der Serie habe ich sie noch äußerst gewissenhaft verfolgt. Ich habe als Fan angefangen und als Fan geendet.

Ich liebe die Vielschichtigkeit und die verschiedenen Grauschattierungen. Die Blickwinkel. Niemandem gelingt "gut gegen gut" besser als BSG.

12. Wir haben dich als Zombie im Panzer im "The Walking Dead"-Piloten gesehen. Wie ist die Geschichte dahinter? Du hast mal gesagt, es sei ein Prequel geplant gewesen?

Frank Darabont ist ein Kumpel von mir. Wir haben uns beim Dreh von "Der Nebel" kennengelernt. Ursprünglich wollte er mir eine der Hauptrollen in der Serie geben, aber aufgrund anderer Verpflichtungen konnte ich die Rolle nicht annehmen. Seine nächste Idee war, mich den Zombie im Panzer spielen zu lassen mit dem Ziel, einen Rückblick in einer Prequel-Episode zu machen, der diesen Soldaten und das Geschehen rund um den Untergang Atlantas zeigt. Mir wurde das vorgestellt als "Black Hawk Down trifft auf Zombies".

Es war so eine billante Idee. Es sollte gezeigt werden, dass jeder dieser Beißer eine Geschichte hatte. Vielleicht sogar eine wichtige Geschichte. Am Ende der Geschichte dieses Soldaten wurde er gebissen und starb. Dann sollte die Szene rekapituliert werden, in der Rick mich erschießt.

Es hat Spaß gemacht, Frank am Set zu besuchen. Es hat auch Spaß gemacht, mit Greg Nicotero den richtigen Mittelweg für das Zombie-Makeup zu finden. Wenn man mich direkt erkannt hätte, wäre den Leuten das Ende der Prequel-Episode sofort klargewesen, wenn sie mich als gegen Zombies kämpfenden Soldaten gesehen hätten. Wenn man mich überhaupt NICHT erkannt hätte, dann hätte es sich gar nicht gelohnt, mich nach Atlanta zu fliegen, um das kleine Stück im Panzer zu drehen. Es war alles ein großes Geheimnis. Ich wurde auch nicht in den Credits aufgelistet, um die Zuschauer zu überraschen.

Wenn ihr mehr über diese wundervolle Idee wissen wollt, Aint It Cool News hat einen Brief von Frank gebracht, der alles im Detail erklärt.

13. Du bist der Sänger oder besser gesagt du bist The Crashtones. Schreibst du die Lieder und spielst alle Instrumente selbst? Und wenn ja, was kommt für dich zuerst, Musik oder Text?

Auf dem Album "Colorful of the Stereo" spiele ich fast alles außer dem Schlagzeug selbst. Auf dem aktuellen Album, das wir produzieren, spielen meine Kumpels mit. Was das Schreiben angeht, kommt es immer drauf an, was mich beeindruckt. Beim "Date Song" fuhr ich tatsächlich die Straße entlang und fing an, mit der Bass- und Gitarrenaufnahme mitzusingen... und zwar sogar mit Text.

Manchmal kommt die Musik als erstes. Manchmal kommt der Text als erstes. Momentan ist es einfach schwer, überhaupt Zeit zu finden.

Ich hab mir "Colorful of the Stereo" heute im Auto zum ersten Mal seit längerer Zeit mal wieder angehört. Ich bin ziemlich stolz darauf, aber Junge, Junge, es ist teilweise echt seltsam, oder?

Danke dir, Sam, wir hoffen, dich bald mal in Deutschland bei einer Scifi- oder Fantasy-Convention sehen zu können!

Vielen Dank für euren Support und euer Interesse!

Nicole Oebel - myFanbase


Hinweis: © myFanbase 2011 - Das Exklusivinterview darf nicht auf anderen Internetseiten oder an sonstiger Stelle veröffentlicht werden! Die ersten beiden Fragen bzw. bis zu 160 Zeichen dürfen mit Link zu dieser Seite gepostet werden. Übersetzungen in andere Sprachen als Englisch oder Deutsch dürfen mit Link zu dieser Seite und Angabe des Interviewers veröffentlicht werden.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.

Mehr zum Datenschutz Schließen