Bewertung: 5
Bill Condon

Die Schöne und das Biest

Disneys Animationsklassiker kehrt in einer neuen Form zurück!

Foto: Copyright: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Inhalt

Die schöne Belle (Emma Watson) lebt gemeinsam mit ihrem Vater Maurice (Kevin Kline) in einem kleinen französischen Provinzdörfchen. Jeder Tag gleicht dem anderen, doch Belle sehnt sich nach so vielem mehr, möchte in die Welt hinausziehen und Abenteuer erleben. Die Bewohner des Dorfes halten die junge Frau für seltsam, da sie belesen ist und dem selbstverliebten Frauenschwarm Gaston (Luke Evans) eine Abfuhr erteilt. Als ihr Vater eines Tages nicht von seiner Reise zurückkehrt, begibt sich Belle auf die Suche nach ihm und stößt dabei auf ein verwunschenes Schloss tief in den Wäldern. Dort wurde ihr Vater von einem schrecklichen Biest (Dan Stevens) gefangengenommen. Sie fasst den Entschluss, seinen Platz in der Gefangenschaft einzunehmen und bis in alle Zeiten bei dem Biest zu bleiben. Doch merkt sie schnell, dass das vermeintliche Monster einen guten Kern zu haben scheint. Wird es Belle gelingen, den Fluch, der auf dem Schloss und dessen Bewohner liegt, zu brechen?

Kritik

Die Liste der anstehenden Realverfilmungen von Disney reicht mittlerweile ins Unermessliche. All die alten Zeichentrickklassiker werden wieder ausgegraben und mit echten Menschen auf die Leinwand gebracht, in der Hoffnung, den alten Charme auf moderne Weise wiederzubeleben. So kamen in den vergangenen Jahren bereits Filme wie "Maleficent - Die dunkle Fee", "Cinderella" und "The Jungle Book" in die Kinos. Mit Emma Watson und Dan Stevens in den Hauptrollen startet nun weltweit die Neuversion einer der erfolgreichsten Disney-Liebesgeschichten aller Zeiten. Doch der Charme von früher konnte hier nicht zu neuem Leben erweckt werden und der Funke möchte einfach nicht überspringen.

Man hat sich relativ genau an der Zeichentrickverfilmung aus dem Jahre 1991 orientiert und nur wenige neue Szenen eingebaut, die an das französische Märchen angelehnt sind. Da der Film mit seinen 130 Minuten deutlich länger ist als der damalige Disney-Film war auch schnell klar, dass neue Songs her müssen. Diese wirken allerdings, genau wie einige der neuen Szenen, sehr lieblos und zusammenhanglos in den Film platziert. Die neuen Lieder sind zwar ganz nett anzuhören, aber passen absolut nicht in den Film oder zur Geschichte. So kann man nichts weiter tun als ungläubig mit dem Kopf zu schütteln, wenn das harte Biest plötzlich eine Liebesballade wie "Evermore" schmettert und dabei absolut nicht ernstzunehmend ist. Warum man "Human Again" – das selbst in der Zeichentrickversion des Films nachträglich hinzugefügt wurde – gegen "Days in the Sun" ausgetauscht hat, ist unverständlich. Es war leider eine Fehlentscheidung keine Lieder aus dem Broadway-Musical zu übernehmen und stattdessen komplett Neues kreieren zu wollen, das von der kompletten Komposition her weder zu den "alten" Songs passt, noch zur Stimmung des Films.

Vorteilhaft ist, dass die Schauspieler halbwegs gut singen können. Emma Watson hat zwar eine sehr zarte Gesangsstimme, die allerdings zum Charakter von Belle gut passt. Dan Stevens klingt fantastisch, aber gehört eher auf eine Musicalbühne. Besonders überraschen konnte hier Luke Evans, dem die komplette Rolle des Gaston wie auf den Leib geschneidert war. Er ist auch derjenige, der diesen Film überhaupt trägt. Seine Szenen sind zum Brüllen komisch, wenn auch komplett überzogen. Nichtsdestotrotz schaut man ihm gerne dabei zu, wie er sich selbstverliebt im Spiegel betrachtet oder jedes Frauenherz im Sturm erobert. Mehr Gaston und "Die Schöne und das Biest" hätte um einiges besser werden können. Denn leider bleiben die anderen Charaktere genauso flach wie zu Beginn des Films. Ob Emma Watson die richtige Wahl für Belle war ist Geschmackssache – mich überzeugen konnte sie von ihrer Performance her nicht. Ihr fehlt die Leichtigkeit, die den Charakter des Provinzmädchens ausmacht. Auch stimmt die Chemie zwischen Dan Stevens und ihr nicht, sodass man von einer wirklichen Liebesgeschichte nicht sonderlich viel spüren kann. Das kann allerdings auch den nachfolgenden Grund haben…

…denn das CGI ist von Anfang bis Ende schlecht. Bei "Das Dschungelbuch" hatte es hervorragend funktioniert, bei der Schönen und dem Biest leider nicht. Die Mimik des Biests sieht absolut unecht aus. Das gilt aber nicht nur für ihn, sondern auch für die verwunschenen Schlossbewohner die ihren alten Charme komplett verloren haben. Diese sehen an vielen Stellen auch eher gruselig als niedlich aus, was für kleinere Kinder geradezu angsteinflößend sein kann. Ebenso ist das Set leider nicht gelungen, was gerade in den Anfangssequenzen deutlich wird. Das Dorf, aus dem Belle stammt, wirkt wie aus aufgestellten Papphäuschen und gleicht somit eher einer Theaterbühne, als einem Kinofilm – schade.

Womit der Film wirklich punkten kann, ist mit dem fabelhaften Kostümdesign und der überwiegenden Zeichentrick-Handlung. Denn ganz egal, wie schlecht das Drumherum auch ist, man verfällt trotzdem in einen melancholisch-nostalgischen Zustand und denkt an seine Kindheit zurück, in der man die Geschichte von Belle und dem Biest sicher das eine oder andere Mal gesehen hat. Zudem muss man den Nebendarstellern hoch anrechnen, dass sie den Film halbwegs aus der Versenkung gerettet haben.

Fazit

Viel Lärm um Nichts. Eine Disney-Realverfilmung, die leider bei Weitem nicht an den Charme des alten Zeichentrickklassikers herankommt. Deplatzierte Szenen und Songs, Darsteller, bei denen keine magischen Funken sprühen, und unzureichende Effekte. Wären Handlung, Nebencharaktere und Kostümdesign nicht so fantastisch, wäre "Die Schöne und das Biest" kaum nennenswert.

Sanny Binder - myFanbase
16.03.2017

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