Bewertung: 4
Frank Coraci

Schwergewicht, Das

"I'm bringing the boom!"

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Inhalt

Der ehemalige College-Ringer und nun 42-jährige Biologielehrer Scott Voss (Kevin James) hat seine beste Zeit hinter sich und vollzieht nur noch Dienst nach Vorschrift. Als seine Schule von Budgetkürzungen heimgesucht wird, die nicht nur das Musikprogramm von Marty Streb (Henry Winkler), sondern auch dessen Job bedrohen, beginnt Scott mit der Hilfe von Niko (Bas Rutten), Geld aufzutreiben, indem er als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer auftritt. Jeder - insbesondere die Schulkrankenschwester Bella Flores (Salma Hayek) - denkt, dass Scott verrückt ist, doch schon bald stellen sich die ersten Achtungserfolge ein, die das Musikprogramm retten könnten.

Kritik

Die Prämisse, dass jemand wie Kevin James, in Deutschland trotz des Mitwirkens in zahlreichen bestenfalls mäßigen Komödien (u.a. "Der Zoowärter", "Der Kaufhaus-Cop", "Kindsköpfe") immer noch vor allem bekannt ist durch seine Paraderolle in "King of Queens", als MMA-Kämpfer tätig wird, ist mehr als unglaubwürdig. Diese Feststellung wird aber niemanden überraschen, ist doch der Kontrast zwischen dem lustigen Dicken, der nun Teil einer der aktuell härtesten Sportarten werden möchte, so offensichtlich, dass "Das Schwergewicht" bereits daraus eine nicht unerhebliche Portion Faszination ziehen kann. Klar, als ernstzunehmendes Drama hätte der Film nie funktioniert. Da muss schon eine Komödie her, bei der man für den nächsten Lacher auch gern mal jegliche Form von Logik ausblenden kann. Aber selbst dann funktioniert die neueste Zusammenarbeit zwischen Kevin James und Regisseur Frank Coraci nur bedingt.

Das Problem an der Story (wenn man sie denn als solche überhaupt bezeichnen möchte) ist jedoch weniger, dass sie schon arg weit hergeholt wirkt, sondern insbesondere, dass sie in ihrer Klischeebeladenheit und im Abkupfern so ziemlich jeder Underdog-Komödie der vergangenen Jahrzehnte so schrecklich vorhersehbar und überraschungsarm ist. Das Ende ist zu Beginn des Filmes ohnehin bereits bekannt, aber selbst das typische retardierende Moment, um kurz vor Schluss noch etwas Dramatik zu etablieren, fehlt nicht. Und irgendwo zwischendrin wird Scott nicht nur zu einem durchaus beachtlichen MMA-Kämpfer, sondern auch mal so eben zu einem Lehrer, der seine Leidenschaft wiederfindet und andere inspiriert, die ihn bis zu diesem Zeitpunkt entweder nicht beachteten oder schlichtweg nicht für voll nahmen. Man kann die Geschichte, die sich wie auf Schienen immer weiter nach vorne bewegt, auch lediglich als schmückendes Beiwerk ansehen für die zahlreichen Lacher. Das einzige Problem hierbei: Wirklich witzige Szenen, die derartige Lacher herbeibeschwören könnten, sind Mangelware.

Entweder ist der Humor viel zu offensichtlich oder zu gewollt. Nur selten wird man von einem guten Witz überrascht. Bezeichnenderweise ist es dann auch nicht Scott als Charakter in einem ihm gänzlich unbekannten Milieu, der für Lacher sorgt, sondern insbesondere die MMA-Legende Bas Rutten als Niko und wie er Seiten von sich zeigt, die ihm niemand zugetraut hätte. Nachdem Niko tatsächlich etwas offenbart, das man in großer Entfernung unter "Vielschichtigkeit" verbuchen könnte, gelingt es Scott nicht, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Henry Winkler als Musiklehrer hat so manche komische Szene (wie u.a. die Akustikversion von P.O.D.s "Boom"), wirkt oft aber leider zu überdreht. Auch die Nebencharaktere sind allesamt nicht der Rede wert, im Gegenteil: Die Art und Weise, wie man sie offensichtlich am Reißbrett entworfen hat und dabei die schlimmsten Stereotypen hervorkramen musste, ist geradezu ärgerlich. Greg Germann ist der inkompetente und durch und durch böse Widersacher Scotts, der am Ende natürlich sein weiches Herz zeigt. Salma Hayek als Schulkrankenschwester ist wie immer ein wahrer Hingucker, aber darf nicht mehr sein als die laute Latina. Und weil das noch nicht ausreicht, hat man noch rasch eine asiatische Schülerin etabliert, die - natürlich - extrem gut in der Schule und musikalisch hochbegabt ist und in dem Restaurant ihres Vaters arbeiten muss, sowie den Lateinamerikaner Miguel, bei dem der einzige Witz darin besteht, dass er die Sprache kaum spricht oder versteht (und dabei hat jüngst "Men of a Certain Age" mit demselben Schauspieler doch gezeigt, wie man es richtig macht!).

Eines muss man dem Film jedoch zugute halten: Wenn es darum geht, Mixed Martial Arts darzustellen, hat man zumindest keine Kosten gescheut und für echte Kulissen und Kämpfer gesorgt. Zudem sind die Kampfszenen, auch wenn sie verständlicherweise stark vereinfacht sind, durchaus ansprechend inszeniert. So mancher Martial-Arts-Film weist schwächere Kampfszenen auf als "Das Schwergewicht". Es ist nur logisch und daher nachvollziehbar, dass die Auswirkungen, die ein MMA-Kampf auf den menschlichen Körper haben kann, nur sehr oberflächlich durch leichte Gesichtsverletzungen gezeigt werden. Alles andere wäre auch nur bedingt sinnvoll in Anbetracht der Zielgruppe, die man ansprechen möchte. In Deutschland mag der Schritt, in einem Comedy-Blockbuster das Thema MMA darzustellen, ungewöhnlich wirken, gilt dieser Sport hierzulande dank jahrelanger Angstmacherei doch immer noch als barbarische Prügelei zwischen zwei Menschen. In den USA jedoch hat insbesondere die UFC in den letzten Jahren einen riesigen Boom ausgelöst und dadurch so mancher Mainstream-Sportart den Rang abgelaufen, wie auch die zunehmende Thematisierung in Filmen zeigt (siehe auch das tolle "Warrior").

Fazit

"Das Schwergewicht" baut zu sehr auf der Faszination, die aus der Verknüpfung von Kevin James und dem MMA-Sport gewonnen wird, und verlässt sich sonst zu sehr auf eine schwache und löchrige Story, vorhersehbaren Humor und eindimensionale Figuren. Wären da nicht die durchaus gelungenen Kampfszenen, so wäre der Film kaum genießbar.

Andreas K. - myFanbase
02.11.2012