Halloween in "Community"

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Bei so schräg-wundervollen Serien wie "Community" dürfen feiertagspezifische Episoden natürlich nicht fehlen. So bekommen wir auch in jeder bisher abgelaufenen Staffel eine Halloween-Episode zu sehen und die sind definitiv etwas Besonderes.

Mexikanisches Halloween für Einsteiger

Schon in der ersten Staffel wird eine Folge dem Thema gewidmet, nur dass hier nicht Halloween per se gefeiert wird, sondern der Día de los Muertos – die mexikanische Version von Halloween. Annie richtet für ihren Spanischkurs die Feier aus, weil sie dafür Bonuspunkte bekommt. In der Serie ähnelt die Party zwar schon sehr einer Halloweenparty, da einige Teilnehmer in skurrilen Kostümen auftauchen, aber vor allem bei der Dekoration gibt sich Annie große Mühe. Typisch für den Día de los Muertos ist die nämlich betont bunt. Während der Feier geht dann aber alles drunter und drüber: Pierce nimmt Drogen und benimmt sich noch merkwürdiger als sonst, Jeff umgarnt seine Lehrerin und Shirley versucht darüber hinweg zu kommen, dass sie ihren Ex-Mann nun wohl wirklich gehen lassen muss.

Schön ist in der Folge, dass sich alle doch noch relativ fremd sind, man aber im Verlauf der Episode merkt, wie sehr die Lerngruppe zusammenwächst. Shirley versucht ihren Kummer in Hilfe für Britta umzuwandeln, obwohl die diese eigentlich gar nicht nötig hat. Jeff rettet Pierce notgedrungen von seinen Wahnvorstellungen UND erscheint auf Annies Feier, damit sie einen populären Gast hat und Abed ist einfach mal für alle da, indem er als Batman erscheint und ihn auch gut zu verkörpern weiß. Jeder hat also so seine Probleme und auch Spleens, die sie trotz der themenspezifischen Folge alle in irgendeiner Art und Weise ausleben dürfen. Das ist das schöne an der Episode, die einen mit Genugtuung zurücklässt und dem Klischee eines Community Colleges gerecht wird. Und dank Google wissen wir jetzt auch alle, was "mexikanisches Halloween" ist.

Epidemiologie

Im Jahr darauf gibt es dagegen eine "richtige" Halloweenparty für die ganze Schule. Im Vergleich zur letzten Episode schaffen es die Serienmacher, hier noch eins drauf zu setzen, denn diese Folge ist gleich noch ein ganzes Stück genialer. (Wer hätte gedacht, dass dies möglich sein könnte?) Das geht schon gleich beim Intro los, das perfekt an die themenspezifische Folge angepasst wurde und Halloween-Bildchen zeigt.

Wo in der letzten Folge (im Prinzip) der Toten gedacht und sie gefeiert wurden, bricht diesmal Endzeitstimmung aus, da verdorbene Lebensmittel bei den Studenten eine Art Zombie-Krankheit ausbrechen lassen. So beißt jeder irgendwie jeden und die Überlebenden versuchen, sich selbst zu retten. Das kennt man schon aus gängigen Zombiefilmen und –serien, aber in "Community" wird das Thema mit einem Augenzwinkern auf die Schippe genommen. Also laufen zum Beispiel im Hintergrund während der ganzen Folge Hits von ABBA und Troy und Abed streiten sich fortwährend über ihre Kostüme. Das Ganze ist so unwirklich, dass man selbst eigentlich auch nur lachen kann. Wunderbar selbstironisch sind auch die Szenen, in denen wirklich jeder im Zombiemodus ist, aber trotzdem noch den Verhaltensweisen seines wahren Ichs nachgeht. Zombie-Jeff ist hier noch immer betont wichtig und tippt auf seinem Handy herum, Zombie-Annie blättert in einem Lehrbuch und Zombie-Troy und Zombie-Abed klatschen sich mit ihrem geheimen Handschlag ab. Die beiden haben in der Folge auch die größte charakterliche Weiterentwicklung. Zunächst waren beide noch ein recht ungleiches Paar, das sich eben auch so verhielt. Doch im Verlauf der Episode arbeiten beide zusammen, akzeptieren die Macken des anderen und schaffen es am Ende, wirklich beste Freunde zu sein. Soviel man in dieser Folge über die absichtlich überzogenen Ereignisse gelacht hat, so sehr freut man sich auch über diese bilderbuchartige "Bromance". Diese Folge zu toppen, ist wirklich schwer.

Halloween für Freaks 101

Das wurde im dritten Jahr dann auch nicht geschafft – #3.05 Horror Fiction In Seven Spooky Steps blieb dann doch hinter meinen Erwartungen zurück. In der Folge erkennt Britta dank eines Psychotests, den sie für ihr Hauptfach durchgeführt hat, dass einer aus ihrer Gruppe mental instabil ist. Sie bringt die anderen also dazu, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen, um betreffende Person zu entlarven. An und für sich sind Horrorgeschichten als Halloween-Folge eine gute Idee, aber irgendwie konnten diese mich nicht so recht überzeugen. In diesen Erzählungen legen die Serienmacher sehr viel Wert darauf, mal wieder mit dem Finger auf die Macken der Lerngruppe zeigen zu müssen und das ist der Punkt, der mir nicht gefallen hat. Ja, wir wissen, dass Annie eine Streberin ist, Shirley tiefgläubig und Pierce irgendwie merkwürdig. Das hätte man, meiner Meinung nach, in den Geschichten nicht noch präsenter herausarbeiten müssen, zumal dies schon viel dezenter und besser in vielen vorrangegangenen Folgen gemacht wurde. Es andeutungsweise mit einem Augenzwinkern zu erwähnen, wie beispielsweise in den beiden anderen Halloween-Folgen, ist für mich mehr als in Ordnung. Das macht den Charme der Serie aus, aber diesmal wurde mir doch zu sehr mit dem Holzhammer draufgehauen.

Wenigstens die Auflösung der Fragebogen-Geschichte am Ende der Folge war gut inszeniert. Die Gruppe findet heraus hat, dass Britta die Fragebögen falsch eingelesen hat und somit alle, bis auf eine Person, äußerst merkwürdige Gedanken mit sich herumtragen. Dass dies dann ausgerechnet Abed ist, war dann doch irgendwie gut gemacht und gibt einen Pluspunkt.

Fazit

Wie kann man es schaffen, im ersten Jahr eine so erfrischend ungruselige Folge zu präsentieren, an Genialität in der zweiten Staffel noch eins drauf zu setzen, aber in der dritten Runde dann irgendwie zu enttäuschen? Die ersten beiden Halloween-Episoden sind wirklich toll, doch die dritte hat zumindest mich mit ihren Sub-Erzählungen nicht begeistern können. Trotzdem honoriere ich es, dass sich jedes Jahr erneut etwas einfallen gelassen wird, um die Zuschauer auf die Jahreszeit einzustimmen und das ist auch nicht zu verachten.

Luisa Schmidt - myFanbase

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