Bewertung: 9

Review: #5.12 Chuck gegen Sarah

Foto: Yvonne Strahovski, Chuck - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Yvonne Strahovski, Chuck
© Warner Bros. Entertainment Inc.

[Hinweis an alle Leser: Da das Serienfinale über zwei Episoden ausgestrahlt wurde, die auch inhaltlich eine Einheit bilden, bezieht sich diese Review sowohl auf Episode #5.12 Chuck Versus Sarah, als auch auf #5.13 Chuck Versus the Goodbye. Zum zweiten Teil der Review gelangt ihr, wenn ihr unten dann auf "Nächste Review" klickt.]

Das Ende von "Chuck" bedeutet für mich nicht nur, auf die durchlebten Stunden und Ereignisse mit den liebgewonnenen Charakteren zurück zu blicken, sondern auch zum gewissen Teil auf mein besonderes Verhältnis zur Serie, einerseits als großer Fan, aber auch auf meine Ansätze, mich mit der Serie kritisch auseinander zu setzen. Unter diesem Aspekt hat es einem die Show manchmal nicht ganz einfach gemacht und mich in mancher Phase durchaus auch einmal an meiner Loyalität zweifeln lassen, aber dieses wunderbare Finale, bestehend aus den beiden allerletzten Episoden #5.12 Chuck Versus Sarah und #5.13 Chuck Versus the Goodbye hat mir noch einmal in voller Intensität klargemacht, warum "Chuck" trotz all seiner Schwächen immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen verdient hat. Zum wirklich letzten Mal haben die Autoren rund um Chris Fedak einen Abschied geschaffen, wieder einmal ist ihnen dies ausgesprochen gut gelungen, aber trotz der vielen potentiellen Abschiedsvorstellungen bisher ist dies nun doch noch einmal etwas ganz Besonderes.

Denn mit dem endgültigen Serienfinale hat man uns als Fans, die wir vorher dachten, ungefähr zu wissen, was auf uns zukommt, noch einmal überrascht und damit vollkommen kalt erwischt. Man ist enorme inhaltliche Risiken eingegangen, die sich aus meiner Sicht aber vollkommen ausgezahlt haben. Es ist ein emotional unheimlich kraftvolles und berührendes Finale gelungen, welches in einer überwältigenden Wucht noch einmal klargemacht hat, was diese Serie zu etwas ganz Besonderem macht. Es hat mich zum Lachen, zum Weinen und mir insgesamt wunderbare Unterhaltung gebracht und es hat vor allem aus meiner Sicht genau die richtigen Schwerpunkte gelegt.

Deep down I knew it was true. My wife never came home.

Die Entscheidung, Sarah zu diesem späten Zeitpunkt all ihre Erinnerungen zu rauben, sie charakterlich wieder auf den Stand vor dem Beginn der Serie zurückzuversetzen und so Chuck, aber in gewisser Weise auch uns als Zuschauer der Erfahrung von Sarahs Entwicklung zu berauben, war wirklich riskant. Das hätte alles ganz schnell nach hinten losgehen können, hätten wir uns plötzlich nur einem gefühllosen Sarah-Roboter gegenüberstehen sehen. Aber durch das wahnsinnig emotionale Drehbuch, vor allem aber auch durch Zachary Levis unheimlich berührende Darstellung hat es uns noch einmal klargemacht, wie bedeutend all diese Entwicklungen und Erfahrungen, die Chuck und Sarah (sowie der Zuschauer gemeinsam mit ihnen) im Verlaufe dieser letzten fünf Jahre gemacht haben, sind. Ich kann hier zwar nur für mich sprechen, aber die ganze Art und Weise, wie sich Sarahs tragischer Gedächtnisverlust entfaltet hat, hat mir so richtig in der Seele weh getan und Chucks Verzweiflung war fast nicht mit anzusehen. Es hat deutlich gemacht, wie real und nah einem diese beiden Charaktere vorkommen und wie sehr man möchte, dass sie gemeinsam glücklich sind. Als Chuck am Ende der ersten Folge seine Frau anfleht, sich an ihn und ihre gemeinsame Zeit zu erinnern, da ist mir ein wenig das Herz gebrochen.

"Please remember this house and the red door and the white picket fence and the family we were going to raise together and remember me!" fleht er sie an und gemeinsam mit ihm hofft man als Zuschauer nur darauf, dass Sarah sich erinnert. Dabei muss ich an dieser Stelle auch noch einmal hervorheben, wie sorgfältig und subtil dieses Ende bereits die gesamte Staffel über vorbereitet wurde. Die kleinen Momente zwischen Chuck und Sarah, die sich oft um ihr gemeinsames Traumhaus gedreht haben, konnten bereits die ganze Staffel durch überzeugen, aber man konnte ja nicht ahnen, was sie zum Ende hin noch einmal für eine tragische Bedeutung gewinnen würden. Irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, dass die Serie recht konventionell damit endet, dass wir Chuck und Sarah wahrscheinlich mit ein paar ihrer Kinder glücklich in diesem Haus sehen werden. Diese ganz andere Bedeutung, welche für Chuck eine letzte verzweifelte Hoffnung darstellt, war aber so viel kraftvoller, eben auch, weil man das so nie erwartet hat.

I'm sorry it took me so long to come home.

Indem man den letzten Akt darauf konzentriert, dass Sarah irgendwie wieder zu sich und zu Chuck findet, anstatt irgendeine komplizierte Spionagestoryline rund um einen übermächtigen Gegner aufzubauen, hat man diesem eine viel tiefere und viel berührendere Bedeutung verliehen. All das Gewese rund um Quinn, den dreiteiligen Schlüssel und um das Intersect war lediglich Mittel zum Zweck und wurde auch die ganze Zeit hindurch als Nebensache behandelt. Diese Handlung stand lediglich für einen losen Rahmen der Geschichte zur Verfügung, es ermöglichte einige nette Erinnerungen an vergangene Ereignisse, wie Fulcrum, Ted Roark, den Ring und Volkoff. Aber die lakonische Bemerkung aus dem Munde des einzigen zurückkehrenden alten Gegners Mark Pellegrino, der bei seinem ursprünglichen Auftritt damals in Staffel 2 lediglich als namensloser Fulcrum-Agent geführt wurde: "The Ring? Amateurs!" fasst eigentlich schön zusammen, dass sowohl für uns als Zuschauer als auch offensichtlich für die Menschen hinter der Kamera dieser Aspekt der Serie nie allzu wichtig war. Und dieses Gefühl, das man uns hier vermittelt, dass in all den 91 Episoden und fünf Staffeln immer zuallererst die Charaktere standen, dann die Dynamik unter diesen Figuren, der Spaß an der Sache und irgendwann ganz hinten die Spionagemythologie, ist einer der Gründe, warum dieses Finale so befriedigend ist. Man hätte auch all die Energie darauf verwenden können, die eh schon sehr wirre und wenig logische Mythologie abzuschließen, oder man nutzt eben die Möglichkeit und macht uns noch einmal klar, wie großartig die geschaffenen Charaktere sind.

Die erste der beiden Finalfolgen bringt Sarah zurück auf die Seite der Guten, aber ihre Erinnerung kommt noch lange nicht wieder zu Tage. Dank Caseys Eingreifen und ihrem Videotagebuch kann sie sehen, wie sie sich im Rahmen der Operation Bartowski in Chuck verliebt hat, ein wunderschönes Mittel, um uns noch einmal alte Ereignisse Revue passieren zu lassen und diese ein wenig aus Sarahs Perspektive zu sehen. Ich habe Zachary Levis Leistung in diesen beiden Folgen bereits gelobt, aber auch Yvonne Strahovski hat sowohl in diesen kleinen Momenten der Verletzlichkeit als auch in den großen Actionszenen, die man hier von ihr abverlangt hat, wieder einmal alles gegeben und ihr Können mehr als unter Beweis gestellt. Es ist schon beeindruckend, wie cool und abgebrüht sie sein kann, ob beim Klettern während der Observation von Chuck oder auf den Spuren von Bryce Larkin im Intersect-Raum oder auch beim coolen Auftauchen aus dem Ozean nach einem denkwürdigen Fallschirmsprung. In diesen letzten zwei Episoden hat man gerade bei den Sarah-Szenen mal wieder bewiesen, dass man trotz des minimalen Budgets immer noch geniale, denkwürdige Actionszenen produzieren kann. Und Yvonne Strahovski ist die strahlende Heldin in den meisten davon.

Cindy Scholz - myFanbase


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