Bewertung: 7

Review: #4.10 Merrill Bobolit

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Nach einigen mittelmäßigen Episoden kehrt "Nip/Tuck" zu seinen anfänglichen Wurzeln zurück und beendet dadurch eigentlich längst vergangene Handlungen, die aber dennoch Sinn machen und einem den Atem stocken lassen.

Vergangenes wird abgeschlossen

Das Interessante an dieser Episode war eigentlich, dass man einen Handlungsstrang aus der Pilotfolge wieder aufgegriffen hat, bei dem man aber hätte denken können, er wäre bereits beendet. Die Rede ist hier von Escobar Gallardo und dem Mord an Silvio zu Beginn der Serie. Wenn wir uns zurückerinnern waren es Christian Troy und Sean McNamara, die ihren damaligen Patienten nicht nur umgebracht haben - bzw. dabei gewesen sind, als er umgebracht wurde -, sondern ihn den Krokodilen auch noch zum Fraß vorgeworfen haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar noch den Gedanken verfolgt, dass sie sicherlich noch zur Verantwortung gezogen werden, doch je mehr Zeit verstrich, desto mehr verblasste bei mir der Gedanke. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass die Macher der Serie immer wieder für eine Überraschung gut sind und diese hatte es wirklich in sich.

Mir hat sehr gut gefallen, wie man die damalige Storyline mit der jetzigen verbunden hat. Mit dem erneuten Auftauchen von Merril Bobolit, der Christian von seiner Vergewaltigung im Gefängnis erzählt hat, schaffte man es auch, den Arzt an die Ereignisse mit dem Schlitzer zu erinnern. Ich glaube, darin lag auch der Knackpunkt, warum er der Anus-OP zugestimmt hatte. Schließlich kann Christian genau nachfühlen, was eine Vergewaltigung von einem Mann im Seelenleben anrichten kann. Natürlich stellte sich mir die Frage, wer Merrils 'Ehemann' gewesen ist, der ihn vor Schlimmeren bewahrt hat. Ich gebe zu, mit dieser Offenbarung hatte ich absolut nicht gerechnet. Mir war zwar bewusst, dass sowohl Merril als auch Escobar im Gefängnis einsitzen, dennoch hat mir das Verbindungsglied zwischen den beiden gefehlt, weil sie eben außerhalb der Gefängnismauern nichts gemeinsam haben. Doch gerade diese Genialität mag ich an der Serie. Sie schaffen es mit Leichtigkeit Handlungsstränge zu entwickeln, die sowohl glaubhaft als auch logisch erscheinen.

Je mehr ich allerdings über die 'Paarung' von Merril und Escobar nachdenke, desto mehr frage ich mich auch, ob Letzterer wirklich alle Vorgänge bei seinem Vorhaben geplant hatte. Zwar wäre es ziemlich weit hergeholt, dass er Merrils Mordversuch mit einkalkuliert hat, aber Escobar ist meiner Meinung nach ein schlauer Kopf, der vielleicht Sean und Christian so gut einschätzen kann, um zu wissen, dass sie ihre Schultern mit einem weiteren Mord belasten wollen. Schließlich war dies der Dreh- und Angelpunkt von dieser Storyline. Wie schon erwähnt, bedient man sich bei dieser Folge an den Geschehnissen der allerersten Folge überhaupt. Vielleicht ist diese Auflösung für manche etwas enttäuschend, da Escabor Sean mit dem Leben davon kommen ließ. Für mich macht es dennoch sehr viel Sinn: Er hat erreicht, aus dem Gefängnis zu kommen, es gibt keinerlei Verbindungen mehr und er hat sein altes Aussehen wieder. Zudem hat er es geschafft, dass Sean seiner Frau die Affäre mit Monica gesteht. Letztlich bleibt in meinen Augen nur noch die Frage offen, ob man den Mord an Alejandro noch weiterverfolgen wird.

Erneute Chance für die Ehe?

Zugegeben, war die Ehe von Julia und Sean schon seit den ersten Folgen der Serie schwer belastet. Zum einen, weil Matt der Sohn von Christian ist, was Sean vielleicht nie ganz überwinden wird. Dann war da die Anziehungskraft zwischen Julia und Christian. Als wenn das nicht schon genug wäre, kam dann auch noch die Affäre mit Megan ans Tageslicht und man dachte, die Ehe der beiden sei vorbei. Doch irgendwie schafften sie es trotzdem die Beziehung wieder zu kitten, wenn auch nur durch die Geburt von Conor. Ja, die McNamaras warten mit so einigen Problemen auf, die die Beziehung schwer belastet und man wartet einfach nur mit jeder weiteren Folge darauf, dass die Ehe endgültig zerbricht. Allerdings stelle ich mir nach den aktuellen Geschehnissen die Frage, ob sich die beiden tatsächlich zur Scheidung entschließen.

Als Zuschauer wusste man schon, dass Julia eine Affäre mit Marlowe hatte. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man ihr einen Vorwurf deswegen machen sollte. Damit will ich nicht sagen, dass ich Affären innerhalb einer Ehe gutheiße. Wenn man allerdings die Umstände bedenkt, die dazu geführt haben, kommt man doch ins Grübeln. Wie Julia selbst sagte, hat Marlowe Conor immer so akzeptiert, wie er ist und alleine das unterscheidet ihn von Sean. Genau dieses Verständnis hat Julia in dieser Situation gebraucht und von ihrem Mann nicht bekommen. Dieser hat zwar auch schwer daran zu knabbern gehabt, dass sein Sohn nicht 'normal' ist, dennoch empfand ich seine Affäre zu Monica als eine Art Zuflucht, um sich der Realität nicht stellen zu müssen.

Dass gerade Escobar es ist, der Sean dazu bringt, Julia von seiner Affäre zu erzählen, hat mich doch im ersten Moment erstaunt. Letztlich könnte diese Offenheit aber tatsächlich dazu führen, dass sie ihre Ehe retten wollen, gerade weil Seans Geständnis mit dem Mord an Alejandro in Verbindung steht und ich Julia nicht für den Typ halte, der einen geliebten Menschen damit alleine lässt. Dass die beiden noch immer etwas füreinander empfinden war sehr deutlich zu erkennen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie man hier weiter vorgehen wird.

Ein Baby für Matt und Kimber

Bereits in Episode #4.05 Dawn Budge hatte ich ein schlechtes Gefühl, was Matt und Kimber angeht. Nicht nur, dass sich die Frau in den Fängen von Scientology befindet, sondern auch Matt nun auf dieser Schiene fährt. Zwar hatte ich nicht allzu viel Hoffnung, dass die Beziehung der beiden von langer Dauer sein wird, dennoch bin ich über den weiteren Verlauf arg schockiert. Die beiden haben geheiratet! Und als wenn das nicht ausreichen würde, erwarten sie jetzt auch noch ein Baby. Mal davon abgesehen, dass es ohnehin viel zu schnell geht, hatte ich zunächst auch Zweifel an der Echtheit der Schwangerschaft. Wir haben schon öfter gesehen, wie durchtrieben Kimber sein kann. Somit kann man durchaus nachvollziehen, warum Christian nicht an die Vaterschaft von Matt glauben wollte.

Allerdings bin ich froh darüber, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Obwohl die Beziehung zwischen Christian und Matt so oder so belastet ist, könnte ich mir hier noch einige interessante Konstellationen vorstellen, die vor allem Christian, Sean und Julia betrifft. Schließlich sind sie alle an der Erziehung von Matt beteiligt gewesen und halten nicht besonders viel von Kimber. Ohnehin ist es interessant, wie diese reagiert, wenn sie von Christians Tat bezüglich ihrer DNS erfährt.

Fazit

Durch die Verknüpfungen von Vergangenem und Aktuellem fand "Nip/Tuck" zu seiner alten Stärke zurück und konnte vor allem durch geniale wie überraschende Momente überzeugen. Gleichzeitig hat man die Weichen für neue und interessante Konstellationen gestellt, die im weiteren Verlauf zeigen müssen, ob sie überzeugen können.

Daniela S. - myFanbase


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Diskussion zu dieser Episode

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