Bewertung: 7
Pablo Larraín

Jackie - Die First Lady

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Inhalt

Hyannis Port, Ende November 1963: Es ist gerade einmal eine Woche her, dass Jaqueline Kennedys, die von allen Jackie genannt wird, Ehemann und Präsident der USA John F. Kennedy ermordet wurde. Die Witwe trifft sich im Familiensitz der Kennedys mit Journalist Theodore H. White und spricht mit ihm über ihre Erfahrungen als First Lady, den Tod ihres Mannes, dessen Beerdigung und den Auszug aus dem Weißen Haus.

Kritik

Wer schon einmal eine Reportage über die Kennedys gesehen hat, kann nicht anders als darüber zu staunen, wie detailliert sich der Film an die geschichtlichen Fakten hält und wie genau man darauf achtet, alles so darzustellen, wie es sich in den 60er Jahren zugetragen hat. Das man die Rolle der Jackie mit Natalie Portman geradezu gespenstisch gut besetzt hat, hat mir sofort den Atem geraubt. In Dokumentationen rund um das Leben von John F. und Jackie Kennedy hat man durchaus schon einmal den Klang ihrer Stimmen gehört und Portman trifft die First Lady auf den Punkt genau. Es ist beeindruckend, wie realitätsnah die Schauspielerin Jackies dünnes unsicheres Stimmchen nachmachen kann, die Bewegung ihrer Lippen genau denen von Jackie Kennedy gleicht und wie Portman mit jeder Faser ihres Körpers zur Präsidentenwitwe wird.

Es sind nicht nur die fantastisch inszenierten Sets mit Kulissen, die man durch mühsame Kleinarbeit genau so hergerichtet hat, wie man sie in Jackies Führung durchs Weiße Haus im Jahr 1962 gesehen hat, auch wie Natalie Jackie-like durch die Räume schreitet, lassen einen glauben, dass man in der Zeit zurückgesprungen ist.

Doch während es Natalie Portman auf großartige Weise gelingt, Jackie zu imitieren, drängt sich dem Zuschauer die Frage auf, wie die First Lady tatsächlich getickt hat und ob einem die Hauptfigur des Filmes sympathisch ist. In der englischen Originalvertonung merkt jeder, der schon einmal einen Film mit Natalie Portman gesehen hat, dass sie mit einer ganz anderen Stimme spricht und genau das setzt dem Film eine gekünstelte Note auf. Jackie war eine Dame, ein Aushängeschild für ihren Mann, eine Modeikone. Auf jeden wirkte ihr Äußeres nett, freundlich und einladend, was sie zusätzlich mit ihrer Stimme unterstreichen konnte. Wenn man Jackie sprechen hört, kann man sich nicht vorstellen, dass diese Frau einmal laut werden könnte. Sie wirkt so zierlich und zurückhaltend, dass man sie für die Höflichkeit in Person hält. Es ist Natalie Portman hoch anzurechnen, dass sie einem dieses Gefühl eben so sehr vermitteln kann, wie alte Videoaufnahmen von der First Lady, doch an manchen Stellen klingen Jackies Monologe zu aufgesetzt. Sie scheinen keine Seele zu haben, hören sich an wie hohle, stupide auswendig gelernte Worte. Das fällt ganz besonders bei der Führung durch das Weiße Haus auf, während der Jackie emotionslos die wertvollen Möbelstücke vorstellt. Man kommt nicht dahinter, wie Jackie tatsächlich denkt, was sie fühlt und wie viel ihres Lächelns wirklich ernst gemeint ist.

Im Interview mit Theodore H. White scheint Jackie dann aber ihre Fassade fallen zu lassen. Aus ihr sprechen ab und an echte Gefühle, doch immer wieder schimmert die Vorzeigefrau und First Lady durch, die gleichermaßen abgebrüht und schüchtern introvertiert wirkt. Es ist faszinierend, Natalie Portman dabei zu beobachten, wie sie Trauer, Freude und Trotz aus der sonst so regulierten Jackie ausbrechen lässt.

Man weiß nicht so recht, wohin einen der Film führen soll. In Rückblenden erzählt man uns aus Jackies Leben als First Lady und dem plötzlichen Ableben ihres Mannes. Dies hat mich im Verlauf der Geschichte durchaus ein wenig gestört, da man sich nicht vorstellen konnte, an welchem Punkt die Handlung abgeschlossen wird. Während des Interviews stellt sich Jackie selbst existentielle Fragen und man vermittelt dem Zuschauer, dass es darauf eine Antwort geben wird. Doch auf ihre eigenen Fragen geht Jackie wenig ein und es bleibt eine Wolke aus Unsicherheit in der Luft zurück.

Fazit

In dieser Rolle konnte Natalie Portman nach "Black Swan" wieder einmal beweisen, dass sie zu den ganz großen Schauspielern gehört und wahrhaft Talent hat. Die Geschichte an sich ist allerdings weniger fesselnd als Portman Schauspiel, auch wenn sie den Amerikaner gefallen haben wird, da Jackie Kennedy zu den beliebtesten First Ladys der Zeit zählt.

Marie Florschütz - myFanbase
30.01.2017

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