Bewertung: 7
Oliver Stone

Snowden

The people have to decide for themselves.

Foto: Copyright: 2016 Universum Film GmbH
© 2016 Universum Film GmbH

Inhalt

Heutzutage kann fast jeder etwas mit dem Namen Snowden oder dem Begriff Whistleblower anfangen. Beides war vor drei Jahren ständig in den Medien und hat den Menschen bewusst gemacht, wie gefährlich moderne Technologie sein kann. Nun wurden die Geschichte um Edward Snowden und diesen Lebensabschnitt verfilmt. Bleib Oliver Stone dem Material treu? Kann man eine so komplizierte Geschichte in 139 Minuten gut und verständlich verpacken?

Der Film verfolgt Snowden von 2004, als er auf Grund gebrochener Beine das Militär verlassen muss, bis 2013 als er sein Leben auf Hawaii abbrechen muss, um sich mit Reportern in Hong Kong zu treffen. Aus den Nachrichten kennen viele aber nur das Ende der Geschichte: Russland gewährt ihm Asyl um nicht nach Amerika ausgeliefert zu werden. Doch wie kam es dazu? Was bewegt einen mitten im Leben stehenden Mann dazu sein Land, wie manche es nennen, zu verraten und sich gegen den Arbeitgeber und die Regierung zu stellen?

Genau hier knüpft der Film an. Er macht aus Snowden mehr als nur einen Begriff aus den Nachrichten. Das Publikum lernt ihn als Mensch mit Ängsten, Träumen und Krankheiten, kennen. Man merkt mit jedem Schritt, den er tiefer in die CIA oder NSA macht, wie nahe ihm die Geheimnisse gehen, wie sehr er mit sich selbst kämpft. Immer wieder stellt er sich die Frage: Wer nun falsch liegt – er oder die Regierung.

Kritik

Genau diese Nähe zum titelgebenden Charakter macht den Film so interessant und sehenswert. Man kann seine Handlungen gut nachvollziehen und fragt sich somit, was man selbst getan hätte. Joseph Gordon-Levitt bringt Snowden sehr überzeugend rüber, aber auch die anderen Darsteller sind glaubwürdig.

Besonders interessant ist, dass man sehr viel über Snowdens Privatleben erfährt. Seine Arbeit und später sein Umdenken haben seiner Beziehung sehr zugesetzt. Dies ist eine Sache, die in den Medien nicht so ausführlich besprochen wurde. Es gibt eine sehr schockierende Szene in der Snowden gerade gelernt hat, dass die Regierung Webcams benutzen kann, um privat Personen zu sehen. Als er abends nach Hause kommt und mit seiner Freundin schläft, sieht das Publikum nur die Kameralinse. Es sind Momente wie dieser, in denen das Publikum es leicht mit der Angst zu tun bekommt.

Trotzdem spielt der Film nicht mit der Angst immer und ständig beobachtet und verfolgt zu werden. Ganz im Gegenteil. Oliver Stone nimmt sich diesem sensiblen Thema an und stellt es dar. Zusammen mit Snowden lernt man kennen, was überhaupt alles möglich ist. Aber nie bekommt man den Eindruck, man müsse alle Technologien wegwerfen um frei und unbeobachtet leben zu können. Somit wirkt der Film nicht übertrieben, sondern sehr authentisch. Letztlich kann man nicht wissen, wie viel Fakt und Fiktion ist, aber man zweifelt nie daran, dass es genauso passiert ist. Dies gilt auch für die Taktiken und Techniken welche die Regierung benutzt. Ein weiteres Beispiel, das den Zuschauer und Snowden schockt: Wenn die Regierung jemanden überwacht, überwacht sie nicht nur diese eine Person. Alle Personen, Freunde, Familie, etc., mit denen dieser Mensch Kontakt hat, werden überwacht. Wiederum werden Freunde, Familie, etc., der Personen überwacht, mit denen diese Kontakt haben. Dieses Spiel kann man immer weiterführen. Hier bildet sich für Snowden ein Schlüsselmoment. Die Überwachung dient der Sicherheit der Menschen. Leider nur wussten die davon nichts. Dies ist auch der Hintergrund für Snowdens Aktionen. Die Menschen sollen einfach entscheiden können, ob sie den Preis der Freiheit für die Sicherheit bezahlen wollen. Immer wieder betont er, dass er durchaus falsch liegen könne und die Regierung alles macht, was die Menschen wollen. Dann sollen die aber auch die Möglichkeit bekommen, sich bewusst dafür entscheiden zu können.

Das Augenmerk des Filmes liegt genau darin, diese Begebenheiten dem Zuschauer näher zu bringen, doch hier liegt auch ein Kritikpunkt. Man kann dem Geschehen gut folgen ohne sich vorher mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben. Dennoch kommen immer wieder Begriffe und Abkürzungen vor, die dem Zuschauer nicht oder nur sehr kurz erklärt werden. An sich ist dies kein großes Problem. Man muss nicht unbedingt wissen, was ein FISA Court Order ist, oder was es mit den Nürnberger Prozessen auf sich hat. Aber aus diesem Grund ist es kein Film, bei dem man abschalten und einen gemütlichen Abend im Kino haben kann. Man muss mitdenken und zuhören oder man hat eine Erklärung oder ein Detail verpasst. Aus Zeitgründen hat man wohl nicht alles bis ins kleinste Detail erklärt und darum wirkt der Film nicht langatmig. Die zwei Stunden und 20 Minuten sind gut ausgenutzt. Die Dinge, die wirklich wichtig sind, werden ausführlich und interessant erklärt. Über alles Weitere kann der Zuschauer sich nach dem Film selber informieren.

Fazit

Es fällt schwer "Snowden" in ein Genre zu ordnen. Für einen Spionagefilm fehlt die Action, für ein Biopic ist zu viel Spannung vorhanden. Doch auch ohne Kategorie kann der Film überzeugen. Es gibt hier und da kleine Verständnisprobleme, was aber kein Wissen voraussetzt. Man kann sich mit gutem Gewissen ins Kino setzen, wenn einen das Thema interessiert oder auch nur die Schauspieler. Allerdings ist es keine seichte Unterhaltung. Man wird gefordert und muss aufpassen. Dafür wird man aber auch mit einem gelungenen Film belohnt, der gleicher Maßen spannend und emotional ist. Oliver Stones "Snowden" bekommt sieben von neun Punkten.

Martin Thormann - myFanbase
21.09.2016

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