Bewertung: 6
Stefan Ruzowitzky

Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade

"Ich bin wie ein Engel, der aus dem Schnee gekommen ist."

Foto: Copyright: 2012 STUDIOCANAL GmbH
© 2012 STUDIOCANAL GmbH

Inhalt

Nach einem Casinoüberfall und nun mit ordentlich Bargeld in der Tasche ist das Geschwisterpaar Addison (Eric Bana) und Liza (Olivia Wilde) auf der Flucht. Bis zur Grenze von Kanada ist es nicht mehr weit und sie beschließen, sich zu trennen, damit sie eine bessere Chance haben, der Polizei zu entkommen. Diese kommen dem Gangsterpaar langsam auf die Schliche. Während sich Addison zu Fuß einen Weg bahnt und eine Menge Chaos hinter sich lässt, steigt Liza bei dem Ex-Profiboxer Jay (Charlie Hunnam) ins Auto. Sie ahnt nicht, dass auch Jay eine schwierige Vergangenheit mit sich trägt und beide lernen sich besser kennen. Als Addison Liza aufspürt, spitzt sich die Lage zu und es läuft auf einen tragischen Showdown hinaus.

Kritik

Die verschiedenen Handlungsstränge von "Cold Blood", die am Ende zu einem führen, sind gut gemacht und gleichen die immer mal wieder aufkommenden Längen halbwegs aus. Mal zieht der Film alle Register und bietet Nervenkitzel pur. Dann wiederum verfällt er in eine Art Trance, in der der Plot durch zerstückelte Szenen vorwärts getrieben wird, dabei aber eher langatmig wirkt. Immerhin werden alle Charaktere unter einen Hut gebracht und eine Fülle von Parallelhandlungen gezeigt. Einige sind deutlich spannender als andere und besonders die Flucht von Addison und Liza mit eingebauten Actionelementen, wie beispielsweise einer Verfolgungsjagd auf Schneemobilen, können überzeugen. Die verschneite Landschaft und ein verschlafenes Nest in der Nähe Kanadas tun ihr übriges und tragen zu einer düsteren und kalten Atmosphäre bei.

Dem entgegen steht der vergleichsweise langweilige Plot um die junge Polizistin, die sich auf dem Revier und ihrem Vater, dem Polizeichef, gegenüber beweisen muss. Dieser Handlungsstrang ist zwar für das Ende bedeutend, wirkt aber durch die klischeehaften Charaktere zu arg aufgesetzt. Da ist die Beziehung zwischen Jay und Liza schon wesentlich greifbarer. Auch hier ist das Leben des einstigen Profiboxers Jay und sein Sturz in die Kriminalität von Klischees behaftet, aber Charlie Hunnam schafft es, durch seine sensible Darstellung Sympathien für den Underdog zu entwickeln. Sissy Spacek und Kris Kristofferson haben zwar wenig Screentime, machen ihre Sache aber ordentlich, während Olivia Wilde besonders am Ende in einer emotionalen Szene ihr Talent aufblitzen lässt.

Die Schauspieler geben also eine passable Leistung im Rahmen ihrer Möglichkeiten ab. Doch nur Eric Bana schafft es durch seine unglaubliche Leinwandpräsenz und bedrohliche Ausstrahlung mehr aus seinem Charakter zu machen. Er hat eine interessante und mysteriöse Rolle, die alle Fäden in der Hand zu halten scheint und doch gegen Ende hin ihr wahres Gesicht präsentiert. Addison kann sofort fesseln und obwohl er eindeutig der Böse ist, drückt man die Daumen für ihn.

Doch es ist ausgerechnet Addison, der am Ende ein großes Fragezeichen aufwirft und durch seine nicht nachvollziehbare Aktion den Charakter an die Wand fährt. Der Showdown ist wirklich klasse und nervenaufreibend, und die letzte Viertelstunde ist die beste des Films. Dass Addison Täter als auch Opfer ist und einige Kindheitstraumata an die Oberfläche kommen, machen den Charakter zu einer dramatischen Figur, die jedoch am Ende etwas enttäuscht.

Fazit

"Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade" ist ein moderner Westernthriller, der von seiner Atmosphäre und dem Setting profitiert, aber einen Tick cleverer hätte sein können. Er ist ein Geduldsfilm, der auf das Ende hinarbeitet und einen spannenden Showdown liefert. Dennoch konnten die Schwächen im Plot und die unnachvollziehbare Charakterhandlungen nicht vollständig abgestellt werden.

Tanya Sarikaya - myFanbase
17.11.2012

Videos

Diskussion zu diesem Film

comments powered by Disqus