Bewertung: 8

Review: #3.01 Im Auge des Betrachters

Foto: Frank Dillane & Alycia Debnam-Carey, Fear the Walking Dead - Copyright: 2016 AMC
Frank Dillane & Alycia Debnam-Carey, Fear the Walking Dead
© 2016 AMC

Der Auftakt der dritten Staffel führt uns direkt an das Grenzlager, welches am Ende der letzten Staffel bereits entdeckt wurde. Dort geht es dann gleich mal richtig zur Sache.

"Ich dachte, das hier wäre ein Flüchtlingscamp oder so."

Eigentlich dachte man schon, dass sich dieses Grenzcamp in irgendeiner Form als vorläufig sicher erweisen könnte, da Militär ein Stück weit Ordnung in das Chaos bringen könnte. Doch so ganz geordnet ist in diesen chaotischen Zeit wohl wenig und so ist das offenbar auch nur eine Einheit, die sich irgendwie selbst eine Moral auferlegt und niemandem weiter Rechenschaft ablegen muss. Und dadurch ergibt sich ein skurriles Bild. Überlebende werden hier nicht gerettet sondern in eine Reihe einsortiert, die man benutzt, um mit der Seuche zu experimentieren. Die grundlegende Idee dahinter halte ich für ziemlich gut und absolut vertretbar. Bei der Auswahl der Probanden muss man aber natürlich streiten. Trotzdem wird hier ganz kurz angerissen, dass zur Rettung aller immer auch Opfer gebracht werden müssen. Der Einblick in die Experimente ist aber nicht groß genug, um hier ordentlich diskutieren zu können. Braucht man denn so viele Daten? Sind die Unterschiede so gravierend? Was hat man denn nun schon gelernt? Offenbar spielen Alter und Gewicht eine Rolle, wie lange es dauert, bis man nach seinem Tod zum Beißer wird. Allerdings scheint das nicht gravierend zu sein.

Nick und Travis bleiben bei der ganzen Geschichte ziemlich handlungsunfähig und in ihrer Entwicklung erst mal blass. Das ändert sich im zweiten Teil der Episode, als sie die Flucht versuchen. Nick muss sich die gesamte Zeit mit Luciana abgeben, die als Hauptdarstellerin offenbar die Rolle ihres Lebens erwischt hat. Der Text sind ein paar Töne und ein beliebiges Stöhnen und eigentlich wird sie auch getragen oder wenigstens gestützt. Ich war mir am Ende der Episode nicht sicher, ob sie das überlebt, so schwach wie sie war, aber für Nick wäre es gut, wenn er mit Luciana eine Frau in seinem Leben hat, die ihm etwas bedeutet. Travis hat das schon lange und so durfte er hier den Unbesiegbaren spielen, die Kämpfernatur, die es auch auf engstem Raum locker mit einem Dutzend Beißern aufzunehmen weiß. Obwohl zu erwarten war, dass er es irgendwie schafft, waren die Momente sehr intensiv, weil hier so viel Überlebenswille zu spüren war.

"Er scheint uns zu mögen."

Alicia und Madison durften ein anderes Aufnahmeverfahren durchlaufen und treffen auf den jungen Soldaten namens Troy. Dieser scheint im Herzen auch eigentlich gutmütig zu sein, will in dieser Welt aber auch keine Schwäche zeigen und versucht die anderen Leute zu kontrollieren. Spätestens mit dem Auftauchen seines Bruders Jake war man sich dann aber sicher, dass da im Kopf offenbar auch etwas nicht mehr ganz so läuft, wie es laufen sollte. Auf jeden Fall ist er ein interessanter Charakter und nach Madisons Aktion hat sich der Titel der Episode auch wunderbar gefügt. Auch hier hat man erkannt, welchen Willen unsere Protagonisten haben. Man kann die Gegner natürlich alle naiv nennen, aber so viel Energie hat sicherlich auch lange niemand mehr mit sich gebracht.

"Wir bauen Zuhause etwas auf."

Ansonsten kann man der Episode zu Gute halten, dass man eine blutige, intensive Überbrückung geschaffen hat, um die Familie wieder zusammen zu führen (allerdings kein Wort von Ofelia oder Strand) und einen neuen Fixpunkt in den Raum zu stellen. Insofern kann man fast von einem Reset sprechen. Die Episode hat gleich alle Register gezogen und dabei auch die klassischen, kleinen Logiklöcher eingebaut. Die Beißer sind immer gerade so aggressiv, wie man sie braucht, Abstände bei Gefahrenherde ändern sich beliebig und Ratten sind plötzlich wieder weg. Kleinigkeiten, über die man hinweg sehen kann. Die Episode ist furios für "Fear the Walking Dead"–Verhältnisse und scheint Staffel 2 mit Staffel 3 wunderbar zu verknüpfen. Denn der neue Zielort sorgt in der Ankündigung von Troys Bruder auf jeden Fall für Neugier.

Fazit

Die dritte Staffel startet gleich intensiv und spannend. Dabei bleibt das Zwischenmenschliche etwas auf der Strecke, aber dafür hat man noch viel Zeit. Als Zuschauer wird man dafür schnell abgeholt und ins kalte Wasser geworfen. Die neue Charaktere versprechen Potenzial und die Experimente lassen darauf hoffen, mal Theorien oder Erklärungsansätze zu erhalten. Das kann ja noch heiter werden.

Emil Groth – myFanbase


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