Bewertung: 6

Review: #3.01 Speak Your Truth

Nach der verdienten Pause meldet sich "Chicago Med" endlich zurück. In #3.01 Speak Your Truth wird der spannende Cliffhanger aus dem Staffel-2-Finale aufgelöst und baut somit die ersten wichtigen Handlungsstränge dieser neuen Staffel auf, bei denen ich noch immer nicht weiß, wie ich sie finden soll.

Wiedergutmachung

Nach dem schockierenden Finale hat sich nun gezeigt, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag und Dr. Daniel Charles gerettet werden konnte. Alles andere wäre auch undenkbar gewesen. Gut gefallen hat mir auch, dass man keinen Zeitsprung nach dem Anschlag gemacht hat, sondern die Zuschauer daran Teil haben ließ, Daniels Rettung mitzuerleben. Dass danach ein mehrmonatiger Zeitsprung stattgefunden hat, fand ich sogar logisch. Denn körperlich hat sich Daniel ohnehin schnell wieder erholt. Viel wichtiger sind hier die seelischen Narben, die in dieser Folge mehr als deutlich thematisiert und uns sicher noch eine ganze Weile begleiten werden.

Man sagt ja immer 'Ärzte sind die schlimmsten Patienten' und ich finde, dass dieses Sprichwort besonders hier sehr gute Verwendung findet. Obwohl Daniel auf keine Medikamente angewiesen ist, bemerkt man doch, dass er wahrscheinlich nicht der einfachste Patient wäre. Besonders deutlich wird dies in der kurzen Szene mit Dr. Connor Rhodes. Während er nämlich an der emotionalen Stabilität seines Kollegen aufgrund des Vorfalls zweifelt, sieht dieser das ziemlich locker. Ehrlich gesagt habe ich auch erst einmal nichts anderes erwartet. Immerhin handelt es sich – wie er selbst sagte – um sein Spezialgebiet und darin ist man ja eigentlich gut, oder? Im Grunde ist das auch so – wenn man nicht gerade selbst der Patient ist und man es auf die leichte Schulter nimmt.

Wenn man sich die Anhörung noch einmal in Erinnerung ruft, kann man fast davon ausgehen, dass das alles zu Daniels Plan gehört hat. Erst einmal war ich schon im Vorfeld mehr als überrascht, dass der Täter den Schuss überlebt hat und er letztlich auf Schuldunfähigkeit plädiert. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich ihn für schuldfähig halte, da Jack schon im Vorfeld gezeigt hat, zu welchen Mitteln er greift um Aufmerksamkeit zu bekommen. Viel erschreckender fand ich letztlich, dass Daniel diese Schuldunfähigkeit im Gegensatz zu den anderen Ärzten, die Jack Kellogg für schuldfähig halten, bestätigt. Warum? Ganz einfach: Schuldgefühle. Daniel fühlt sich schuldig, dass er nicht mehr Zeit für Jack hatte und er fühlt sich gegenüber seiner Tochter Robyn Charles schuldig, ihre Symptome der Autoimmunerkrankung nicht erkannt zu haben. Und was tut man bei Schuldgefühlen? Man versucht, sie wieder gut zu machen bzw. loszuwerden. Allerdings ist es in diesem Fall der absolut falsche Weg. Somit ist es gut, dass Sarah Reese ihre Ansichten zu Jack vor Gericht geschildert hat. In meinen Augen ist nämlich Daniel derjenige, der hier viel zu emotional reagiert hat.

Und gerade wenn man so emotional eingebunden ist, sieht man seinen 'Fehler' natürlich nicht und der sonst so umsichtige Psychiater bildet hier keine Ausnahme. Er fühlt sich sogar in seiner (beruflichen) Ehre verletzt und bringt das sowohl vor Sarah als auch vor Sharon Goodwin sehr deutlich zum Ausdruck, da beide der Meinung sind, Daniel ist zu emotional in den Fall involviert. Das Traurige ist, dass er sich nun von den beiden verraten und bloßgestellt fühlt und auf mich hat es fast den Eindruck, als ob er die Freundschaft zu Sharon nun in Frage stellt und uns als Zuschauer somit eine schwierige Zeit bevorsteht, in der wir sicherlich einige Spannungen zwischen den beiden oder vielleicht sogar den dreien miterleben werden.

Nutze die Chancen des Lebens

Nachdem sich Will Halstead von Nina Shore aufgrund seiner Gefühle für Natalie Manning getrennt hatte, sah es eigentlich so aus, als stünde einer Beziehung der beiden nichts mehr im Wege. Doch so einfach haben es uns die Autoren letztlich doch nicht gemacht, denn Natalie hat sich eine dreimonatige Auszeit genommen, in der sie über sich und Will nachgedacht hat. So schlecht ist das gar nicht, denn auch wenn sich die beiden ihrer Gefühle sicher sind, so ist es dann doch Neuland für sie.

Allerdings habe ich nicht erwartet, dass sie sich dann doch so unbeholfen anstellen und man das Gefühl vermittelt bekommt, die beiden würden etwas Verbotenes tun und veranstalten deswegen diesen Eiertanz. Eigentlich bin ich auch kein allzu großer Fan davon, wenn die Patientenfälle zu sehr mit dem Privatleben und den Emotionen der Ärzte und Schwestern in Verbindung stehen. Doch im Fall von Will und Natalie fand ich es sehr gut eingebunden.

Die beiden behandeln ein Ehepaar, das durch einen Streit einen schweren Verkehrsunfall hatte. Während die Frau nochmal mit dem Schrecken und ein paar Schnittwunden im Gesicht davongekommen ist, erleidet ihr Mann eine schwere Kopfverletzung. In der Hoffnung ihrem Mann noch sagen zu können, dass sie die Dinge, die sie im Streit gesagt hat, nicht so meinte, stirbt ihr Mann und ist hirntot.

Mir hat es gefallen, dass sie der Organspende zugestimmt hat, sodass ein junger Mann gerettet werden konnte und sie selbst zumindest für einen kurzen Moment die Möglichkeit hatte, sich zumindest seelisch von ihrem Mann zu verabschieden. Dadurch wurde auch Will und Natalie gezeigt, dass das Leben zu kurz ist und sie die Chance jetzt ergreifen müssen.

Zugegeben sehe ich das genauso und dennoch fand ich, dass es die beiden doch überhastet haben bzw. es zu überhastet dargestellt wurde. Mir persönlich hätte es noch etwas besser gefallen, wenn man erfahren hätte, worüber die beiden genau nachgedacht haben. Mal sehen, ob sie nun zu ihren Gefühlen und ihrer Beziehung (?) stehen oder es so handhaben wie Ethan Choi und April Sexton.

Denn auch bei den beiden hat sich in den letzten Zügen der zweiten Staffel einiges getan. Wobei ich nach dem aktuellen Stand der Dinge beinahe vermute, dass die beiden in nächster Zeit oftmals in Streitigkeiten geraten werden, einfach weil sie völlig verschiedene Ansichten darüber haben, ob sie nun zu ihrer Beziehung (?) stehen sollen oder nicht. Während Ethan absolut kein Problem damit hat, öffentlich dazu zu stehen, möchte April die professionelle Distanz zwischen ihnen wahren.

Der Grund deswegen erschließt sich mir durchaus, denn April möchte keinen Stress mit Doris haben, die ihr schon vorwirft, immer die besseren Aufgaben von Ethan zugeteilt zu bekommen. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass April das mit sich machen lässt, da ich sie immer für eine starke Persönlichkeit gehalten habe. Zudem glaube ich, dass Ethan die momentane Situation nicht lange mitmachen wird, was schade ist, da ich die Szenen zwischen den beiden total mag.

Beziehungs-Aus?

Nachdem bei Robyn der Tumor entfernt wurde und eine Autoimmunerkrankung festgestellt wurde, wird sie nun entlassen und könnte mit Connor eigentlich ihr Leben genießen, wenn da nicht die Sache mit dem Vertrauen wäre. Dabei ist es durchaus verständlich, dass Connor vorsichtig ist und noch immer unsicher, was Robyns Gesundheitszustand betrifft. Ebenso gut kann man diese verstehen, dass sie sich von Connor bevormundet fühlt und eher daran glaubt, ihre Beziehung könne nur das Ergebnis ihrer Krankheit sein. Sehr gut hat mir in dem Zusammenhang gefallen, wie einfühlsam Daniel zu seiner Tochter gewesen ist und völlig unrecht hat er ja nun auch nicht.

Dennoch kann man sich wohl denken, dass die Beziehung der beiden auf die Dauer nicht mehr gut gehen wird, was nicht zuletzt daran liegt, dass Mekia Cox nun Hauptdarstellerin bei "Once Upon a Time" ist.

Randnotizen

  • Mir gefällt das Zusammenspiel zwischen Stanley Stohl und Maggie Lockwood sehr gut. Es wirkt ein bisschen so, als würde sie ihn sehr gerne herausfordern und ich bin gespannt, was noch auf uns zukommt.
  • Mit der Einführung von Ava Bekker in der letzten Folge der vergangenen Staffel, bietet sich eine interessante Dynamik zwischen ihr und Connor. Zumal sie ja schon durchblicken ließ, dass sie auf Typen wie ihn durchaus steht.
  • Schön, dass Peter Stone nach dem Aus von "Chicago Justice" nicht völlig aus dem Chicagoverse verschwunden ist und wir einen kurzen Blick auf ihn im Gerichtssaal erhaschen konnten.



Fazit

"Chicago Med" ist zurück und kann mit dem Staffelauftakt nicht ganz so gut punkten. Einige Handlungsstränge haben in meinen Augen eine gewisse Schwere und wirken etwas sehr negativ. Aber warten wir mal ab, wie sich die dritte Staffel entwickelt.

Daniela S. - myFanbase


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