DVD-Rezension: "Grey's Anatomy", Staffel 12

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In den vergangenen Jahren hat sich bei "Grey's Anatomy" viel verändert, denn vom ursprünglichen Hauptcast verließen immer mehr Figuren die Serie und neue kamen hinzu. Dass wir uns in Staffel 10 von Cristina verabschieden mussten, hatten wir im Verlauf von Staffel 11 ganz gut verkraftet, doch es stand ein weiteres einschneidendes Erlebnis bevor, denn auch Derek verließ die Serie und so steht Staffel 12 nun ohne das zentrale Liebespaar da, das seit Beginn der Serie einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte war. Überraschender Weise hat man den Verlust von Derek jedoch sehr gut umsetzen können und die Schwerpunkte somit verlagert.

Inhalt

Man verabschiedete sich in #11.24 Die Zeit steht still (2) mit der Ankündigung von uns, dass Meredith nun zurück in ihr altes Haus ziehen will und genau dort finden wir sie in #12.01 Mit dem Kopf durch die Wand vor. Ihr zur Seite stehen Amelia und Maggie als neue Mitbewohnerinnen und die Schwestern-WG tut sich ab und an mit dem Zusammenleben schwer. Derweil verfolgen die drei ihre mehr oder minder vorhandenen Liebesleben, wodurch es in der neuen WG niemals langweilig wird. Für Meredith ist indes die Verarbeitung von Dereks Tod ein wichtiges Thema.

Foto: Ellen Pompeo, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth
Ellen Pompeo, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth

Bei April und Jackson hängt der Haussegen mehr als schief und für die beiden geht es in Staffel 12 darum, an ihrer Ehe zu arbeiten. Da April trotz Jacksons Ankündigung, die Beziehung zu beenden, ins Ausland gegangen ist, haben es die beiden alles andere als leicht, was sich im Werdegang der Staffel in ihren Hochs und Tiefs abzeichnet.

Es gibt in dieser Staffel einige neue Paar und auch für Callie beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ihre neue Partnerin Penny bringt indes einiges an Unruhe nach Seattle und ins Grey + Sloan Memorial Hospital, da sie eine Verbindung zu einem der Ärzte hat, die man nicht gerade als freundschaftlich bezeichnen kann.

Weitere neue Gesichter in Staffel 12 sind die Assistenzärzte Andrew DeLuca und Isaac Cross, sowie Nathan Riggs, eine Person aus Owens Vergangenheit.

In Sachen Liebe gibt es indes auch bei Alex und Jo eine emotionale Achterbahnfahrt, da die beiden sich in ihrem neuen Heim bald die Frage nach ihrer gemeinsamen Zukunft stellen und dabei unterschiedliche Ansichten vertreten.

Die Karriere kommt neben den Liebesgeschichten auch nicht zu kurz und besonders für Bailey steht ein wichtiger Schritt bevor, bei dem ihr Webber tatkräftig zur Seite steht.

Rezension

Das wohl wichtigste Thema in dieser Staffel ist der Werdegang von Meredith, die nun ihrer großen Liebe beraubt wurde. Ich stand dem Ausstieg von Patrick Dempsey und der Weiterführung der Serie sehr skeptisch gegenüber, da ich nicht glauben konnte, dass "Grey's Anatomy" ohne McDreamy funktionieren könnte, auch wenn wir bereits in Staffel 11 immer weniger von Derek gesehen haben. Ganz zu meiner Überraschung legt man hier allerdings einen wunderbaren Balanceakt hin. Denn man schafft es, gleichzeitig um Derek zu trauern, aber uns auch zu vermitteln, dass das Leben weitergeht und dass Meredith auch ohne einen Mann an ihrer Seite zurechtkommt. Durch den Tod von Derek erschafft man die Möglichkeit, Merediths Handlung nun zu erweitern, statt sie auf die Ehe mit Derek zu reduzieren, denn zuvor war genau dies immer das eine Thema, um das sich Meredith ewig gedreht hat. Jetzt stehen Meredith plötzlich ganz andere Türen offen und die Freundschaft mit Amelia und Maggie, ihren ungleichen Schwestern, wird ein wunderbarer Teil der Geschichte, durch den man gleichzeitig familiäre Gefühle erzeugt aber auch immer eine gehörige Portion Spaß und Drama mit dabei ist. Auch schauspielerisch konnte sich Ellen Pompeo in dieser Staffel sehr gut beweisen, da sie unter anderem in Episode #12.09 Der Klang der Stille im Rampenlicht stand und viele Facetten von sich zeigen konnte. Diese Folge bietet gleichzeitig den Schlüssel zu Merediths Trauerbewältigung und durch die anschließende Therapie erkennt sie, dass sie sich mittlerweile mit Dereks Tod abgefunden hat und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann. Es ist sehr gut gelungen, wie man die Trauer um Derek die ganze Staffel über am Leben erhält, gleichzeitig aber von ihm Abschied nimmt und ihn ganz langsam aus der Serie verschwinden lässt.

Foto: Kelly McCreary, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Ron Tom
Kelly McCreary, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Ron Tom

Das Leben von Merediths Schwestern dreht sich hingegen vorrangig um die Liebe, was ich besonders bei Maggie etwas schade finde, da ihre Beziehung mit Andrew schließlich doch nur als Zeitvertreib zu werten ist. Die Annäherung zwischen ihr und Webber hingegen hat mir sehr gut gefallen und ist realitätsnah umgesetzt. Die beiden sind noch weit davon entfernt, sich tatsächlich wie Vater und Tochter zu fühlen, dennoch arbeitet man kontinuierlich daran, ein Band zwischen ihnen zu knüpfen. Ähnlich sieht es für Amelia aus, deren wichtigste Person neben Meredith Owen ist. Bereits in Staffel 11 kündigte man hier eine Romanze an, die trotz einer Aufs und Abs zu einem Happyend kommt. Ich finde, dass die beiden eine gute Chemie zusammen haben, doch die Ereignisse von #12.24 Familienangelegenheit gingen mir dann doch einen Tick zu plötzlich, weshalb dem Paar sicherlich noch eine gehörige Portion Drama bevorsteht.

Während mir Owens Handlungsstrang mit Amelia recht gut gefallen hat, wurde seine Beziehung zu Nathan für mich zu lange vernachlässig und man hat sich eine gefühlte Ewigkeit darauf konzertiert, Owens Hass auf seinen ehemaligen Freund aufzuzeigen. Es wurde bald anstrengend, Owen immer wieder emotional, verbal und auch körperlich auf Nathan einschlagen zu sehen, weshalb ich mich umso mehr über die kleine Annäherung im Finale gefreut habe.

Das Finale war auch für Jackson und April ein wichtiger Punkt, denn die Beziehung der beiden stand in Staffel 12 unter keinem guten Stern. Es ist zwar verständlich, dass die Autoren nicht bei jedem Friede, Freude, Eierkuchen spielen können, doch die Entfremdung und zwangsmäßige Annäherung konnten die Nerven der Zuschauer schon arg strapazieren. Auch für Staffel 13 zeichnet sich eine nervenaufreibende Zeit ab, da die Ausgangslage für die beiden sich nun noch mehr verkompliziert hat.

Foto: Sara Ramirez, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth
Sara Ramirez, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth

Kompliziert war es in dieser Staffel auch bei Arizona und Callie. Die beiden Frauen sind zwar kein Paar mehr, doch durch Sofia werden sie immer mit einander verbunden sein und genau diese Bindung nutzt man, um zum Ende der Staffel eine gigantische Krise herauf zu beschwören. Mit dem Sorgerechtsstreit und dem Gerichtsprozess werden einige Freundschaften strapaziert und die Sache musste unweigerlich für einen der beiden fatal ausgehen. Ich finde es gut, dass man zum Schluss doch noch einen guten Ausgang gefunden hat, jedoch wirkt genau das so, als hätte man die ganze Sache unnötig aufgebauscht. An dieser Stelle zeichnet sich außerdem der nächste Abschied ab, da Sara Ramirez die Serie nun ebenfalls verlässt. Auch wenn ich in Staffel 12 kein großer Fan von Callie und ihrer Beziehung mit Penny war, da die beiden nicht einen Funken von Chemie hatten, bin ich über den Ausstieg und den erneuten Verlust eines Hauptdarstellers sehr traurig. In den letzten Jahren konnte Sara Ramirez häufig in ihrer Rolle überzeugen und ich erinnere mich besonders gern an die musikalische Folge zurück, in der Callie nach dem Autounfall notoperiert werden musste. Allerdings öffnet auch dieser Ausstieg wieder neue Türen und ich heiße es gut, dass sich nun auch Arizonas Lebensinhalt um mehr als die Beziehung zu Callie drehen kann.

Die wohl am meisten vernachlässigte Figur der Serie ist Jo, da sie nicht nur im Krankenhaus immer zu kurz zu kommen scheint und von Meredith nur widerwillig toleriert wird, auch ihre Beziehung mit Alex wird nur dann aufgegriffen, wenn die Autoren gerade einmal eine Minute für die beiden erübrigen können. Bei einem so großen Cast ist es natürlich nicht leicht, genug Zeit für alle Personen einzuräumen, aber Jo scheint stets zu kurz zu kommen. Somit tritt ihre Beziehung mit Alex und damit die einzige Handlung, die Jo auszumachen scheint, ewig auf der Stelle, nur um dann im Staffelfinale mit einem Knall zu enden. Jos Offenbarung Andrew gegenüber war in meinen Augen ein wenig platt, da man sich das Ganze aufgrund ihrer ablehnenden Haltung, Alex zu heiraten, bereits zusammenreimen konnte. Viel fataler ist dies jedoch für Alex, der sich seit Anfang der Serie zu einem der warmherzigsten Charaktere der Serie entwickelt hat und nun etwas tut, was vielleicht zum Alex aus Staffel 1 aber ganz bestimmt nicht zum Alex aus Staffel 12 passt. Ich bin mir nicht sicher, wie man diesen Fehltritt in Staffel 13 wieder gerade biegt, denke aber, dass dies einiges an Zeit in Anspruch nehmen wird.

Foto: Giacomo Gianiotti, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Adam Taylor
Giacomo Gianiotti, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Adam Taylor

Ein wenig zu kurz kommen Bailey und Ben sowie Webber und Catherine. In ihren Beziehungen passiert nicht viel, da man Bailey ausschließlich über ihren neuen Job ins Spiel bringt und Ben ebenfalls nur als Arzt betrachtet wird, wodurch ihre Ehe zweitrangig wird und es somit auch zu einem Beziehungstief kommt. Webber hatte hingegen ein paar gute Momente in Sachen Freundschaft. Seine neue Verbundenheit mit Arizona gefällt mir äußerst gut und stellt eine angenehme Abwechslung dar.

Die Assistenzärzte kommen an vielen Stellen zu kurz, was auch bei Stephanie der Fall ist. Jerrika Hinton ist eine sehr gute Schauspielerin, die aber nur ab und an etwas von ihrem Können zeigen darf. Ich würde mir sehr wünschen, dass Stephanie und Jo in Staffel 13 nicht mehr wie Nebencharaktere behandelt werden, sondern mehr von ihrem Schauspieltalent in die Geschichte einfließen lassen können.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Staffel 12 einige grandiose Wendungen mit sich gebracht hat und dass es besonders Meredith gut tut, frischen Wind in die Handlung zu bringen. Man erschuf im Verlauf der Staffel mehrere herausstechende Episoden, zu denen für mich #12.05 Dinnerparty, #12.09 Der Klang der Stille, #12.18 Code Pink, #12.22 Arizona Robbins und Calliope Torres und #12.24 Familienangelegenheit gehören.

Specials & Technische Details

Foto: Copyright: 2017 ABC Studios
© 2017 ABC Studios

  • Zusätzliche Szenen
  • Pannen vom Dreh


Mit Bonusmaterial ist die DVD-Box eher mau ausgestattet. Es finden sich lediglich zusätzliche Szenen und Pannen vom Dreh darauf. Ich hätte mir auf jeden Fall noch ein Interview mit Sara Ramirez gewünscht, um gebührend von ihr Abschied zu nehmen.

Erscheinungstermin: 5. Januar 2017
FSK: 12
Laufzeit: 984 Minuten (24 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1
Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch

Fazit

Staffel 12 ist die erste Staffel ohne die Liebesgeschichte von Meredith & Derek, lässt dadurch aber neue Möglichkeiten zu, was wunderbar umgesetzt wurde. Es gibt wie üblich viel Drama, spannende Patientenfälle, Liebe, Freundschaft und Zwist, wodurch man auch nach zwölf Jahren noch mit Eifer dabei ist. Daher ist die DVD trotz der wenigen Specials ein Muss für jeden Fan.

Marie Florschütz - myFanbase

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