Bewertung

Review: #2.11 Anschläge

Foto: Timothy Olyphant, Justified - Copyright: Mark Seliger/FX
Timothy Olyphant, Justified
© Mark Seliger/FX

Im jahrzehntelang schwelenden Familienstreit zwischen den Bennetts und Givens werden die Karten neu gemischt. Mags Bennett hat das Kriegsbeil begraben, aber ob der Frieden lange währt, bleibt offen, denn auch Boyd Crowder mischt kräftig mit und möchte sich seinen Platz in der Hierarchie sichern.

Es ist schwierig, Höhepunkte dieser Folge zu beschreiben, denn es werden viele kleine Handlungsstränge gezeigt, auf die nicht alle eingegangen werden kann. Man hat das Gefühl, dass versucht wird, viele lose Enden zu einer Einheit zusammenzuführen. Die wohl wichtigste Entwicklung ist, dass Dickie Bennett von seiner Familie ausgegrenzt wird und zum Gegenschlag ausholt. Kurz vor dem Staffelfinale braut sich nun also etwas zusammen, was wohl in einem großen Knall enden wird.

Neue Machtverhältnisse

Mags scheint es ernst zu sein, sie regelt ihre Geschäfte neu. Gemeinsam mit Helen trifft sie Vorkehrungen, damit die alten Streitigkeiten beigelegt werden können. Der Tod von Coover hat sie wohl geläutert und über ihre momentane Situation nachdenken lassen. Immerhin bin ich in der Hinsicht beruhigt, dass der Tod ihres Sohnes doch Spuren bei ihr hinterlassen hat. Anfangs glaubte ich, dass sie überhaupt keine Gefühle zeigt, doch es war nur Fassade. Auch wenn sie nicht gerade voll des Lobes für Coover ist. Was sicherlich auch damit begründet ist, dass der gute Coover keine helle Leuchte war. Die Anfeindungen von Gemeindemitgliedern gehen weiter und gipfeln darin, dass ihr Ladengeschäft geplündert und die Fassade mit Farbe beschmiert wird. Solche Ausschreitungen hätte ich nicht vermutet, denn bislang hatte Mags die Kontrolle im Ort und wusste über alles Bescheid. Dass sich nun jemand gegen sie wendet, finde ich hochinteressant. Sie in der defensiven Rolle zu sehen, macht sie menschlicher und zeigt uns wieder einmal, dass auf jeden Höhenflug auch der tiefe Absturz folgen kann. Trotzdem oder gerade deswegen bleibt Mags eine stolze Frau, die sich den Widrigkeiten des Lebens mutig stellt und jede Situation auf ihre eigene Art meistert.

Dickie ist dieses Mal derjenige, der zur traurigen Figur wird, nachdem er von seiner Mutter quasi aufs Abstellgleis geschoben worden ist. Dass er sich das nicht gefallen lässt, war nicht vorauszusehen, denn bislang hat er unter der Regie seiner Mutter gehandelt und war immer nur Mitläufer. Eiskalt entledigt er sich zweier Männer, die ihn in seinem Kampf unterstützen wollen, und zeigt damit, dass es ihm ernst ist. Von seiner Seite aus wird noch einiges kommen. Jedenfalls hoffe ich das. Denn in ihm steckt noch viel mehr böses Potential, das darauf wartet, entfesselt zu werden.

Sein Bruder Doyle ist nun der offizielle Nachfolger, und er macht aus seiner Vormachtstellung Dickie gegenüber auch gar keinen Hehl. Genauso überheblich verhält er sich auch in Gegenwart von Raylan, was zu weiteren Spannungen zwischen den beiden Männern führt. In Zukunft wird Vorsicht geboten sein, denn Doyle ist mit Abstand der intelligenteste der drei Brüder und nun auch der Platzhirsch, der seine Rolle unter allen Umständen verteidigen wird. Außerdem ist er Dank seiner Anstellung als Polizist auch in der Lage, Dinge zu seinen Gunsten zu drehen. Dies macht er Raylan auch unmissverständlich klar.

Auch Boyd ist ziemlich aktiv und sucht nach Mitstreitern. Einen findet er in seinem Cousin Johnny Crowder. Er möchte die Arbeit fortsetzen, die sein Vater begonnen hat. Nur mit dem Unterschied, dass er sich für einen anderen Weg entschieden hat. Gekonnt setzt er sich in Szene und offenbart wieder einmal, dass man ihn niemals unterschätzen darf. Dass er jetzt an die Macht strebt, war auf eine Art vorhersehbar und gleichzeitig doch überraschend. Wie bereits von mir angesprochen, war seine Wandlung von Saulus zu Paulus nicht ganz überzeugend und mit dieser Folge wird auch klar, dass er niemals zu einem Vorzeigebürger werden wird. Zwar scheint er der Gewalt nicht gänzlich abgeschworen zu haben, aber seine Vorgehensweise bleibt trotz allem gemäßigt. Zudem verbündet er sich mit Arlo, was der Vater-Sohn-Beziehung sicherlich wieder neuen Zündstoff im Hause Givens liefern wird. Fast scheint es mir, als ob die beiden nur einen Vorwand suchen, um sich gegenseitig (mal wieder) an die Gurgel zu gehen können.

Raylan und der Marshal-Service

Nach dem missglückten Anschlag auf Raylan und Winona ordnet Art Personenschutz für die beiden an. Was Raylan natürlich überhaupt nicht gefällt, denn er zieht mal wieder seine Ein-Mann-Show ab und überlistet sogar seinen Kollegen Tim Gutterson, der zu seinem Schutz abgestellt ist. Die Freundschaft zwischen den beiden Männern ist so weitreichend, dass Raylan offen über seine Pläne spricht, damit Tim keine Probleme bekommt. Getrieben von dem Wunsch die Hintermänner des Anschlags zu finden, geht Raylan in altgewohnter Weise wieder an die Ermittlungen ran. Nur auf sich allein gestellt ist er in seinem Element und nicht zu stoppen. Dass er nun sogar Art gegen sich aufgebracht hat, scheint ihn nicht sonderlich zu stören. Allerdings bin ich überrascht von seinen Überlegungen, wieder zurück nach Glencoe zu gehen.

Raylan und Winona

Mittlerweile ist die Beziehung zwischen Raylan und Winona an einem Punkt angekommen, bei dem es kein Zurück mehr gibt. Vor allem, weil auch alle Umstehenden Bescheid wissen. Ausgerechnet Gary macht den beiden einen Strich durch die Rechnung, denn er hat sich in der Vergangenheit an den zwielichtigen Wynn Duffy gewendet. Trotz allem hat Raylan Skrupel, Winona einzuweihen und beschließt ihr nichts von den krummen Geschäften zwischen ihrem Noch-Ehemann und Duffy zu sagen. Wenn das mal keine Liebe ist...

Fazit

Gerade noch haben Mags und Helen sich gegenseitig auf Frieden in ihrer Familienfehde verständigt, da versucht Dickie das Ruder herum zu reißen und seine eigenen Vorstellungen davon, wie es in Harlan weitergehen soll, umzusetzen. Dabei geht er auch über Leichen und wird vermutlich auch weiterhin diesen Weg beschreiten. Es ist also nicht alles Friede, Freude und Eierkuchen. Diese Vorstellung wäre für "Justified" allerdings auch utopisch gewesen.

Melanie Berl - myFanbase

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