Bewertung: 5

Review: #4.04 Begraben

Foto: Kim Dickens, Frank Dillane & Danay Garcia, Fear the Walking Dead - Copyright: 2018 AMC Networks Inc.; Richard Foreman, Jr/AMC
Kim Dickens, Frank Dillane & Danay Garcia, Fear the Walking Dead
© 2018 AMC Networks Inc.; Richard Foreman, Jr/AMC

Natürlich beschäftigt sich diese Episode mit den Nachwirkungen vom überraschenden Ableben von Nick aus der letzten Episode. Dabei geht es aber gar nicht so sehr darum, wie man mit dieser neuen Situation nun umgeht, sondern eher, wie man überhaupt zu dieser Entwicklung gekommen ist. Es wird also ein Tag aus der Vergangenheit intensiv betrachtet, der als möglicher Wendepunkt ausgemacht wird. Der Ansatz ist spannend, wenn auch sehr konstruiert, unter dem Strich muss man aber sagen, dass man mit sehr viel Geschichte so gut wie gar nicht vorwärts gekommen ist.

Nick und Luciana

Auf der Suche nach Nahrung hängt sich Nick an Luciana und versucht wieder Fuß zu fassen, will aber eigentlich in erster Linie irgendwie dafür sorgen, dass Charlie auf seine Seite wechselt, sodass er eine Bibliothek aufsucht, um Bücher zu besorgen. Er verliert also vollkommen den Fokus. Dass er Charlie ganz gern hat, ist klar. Dass er sie retten möchte, ist auch nicht absurd, aber ein paar Erklärungen für seine regelrechte Besessenheit hätten mir schon gefallen. So bleibt man aber doch oberflächlich und stoßt dann eher durch Zufall auf eine Landkarte, die Anlass für einen Neuanfang darstellen könnte. Luciana und Nick überlegten also, das Stadion zu verlassen und weiter nördlich wieder Fuß zu fassen. Warum es dort besser sein könnte, überlegen sie nicht, aber sie wollen das Stadion aufgeben. Doch dann kommen sie doch auf eine andere Idee und wollen es mit neuen Pflanzen versuchen. Irgendwie finde ich, dass man nach einer missratenen Ernte auch von selbst schon früher auf die Idee hätte kommen können, aber so passte es dann eben ins Konzept der Serie. Prinzipiell ist die Idee ja auch sehr gut.

Alicia und Naomi

Bei Alicia und Naomi ist es ganz ähnlich. Sie suchen Nahrung, stoßen auf ein Lager in einem Spaßbad, dürfen gegen ein paar Beißer in die Wasserschlacht ziehen und sind dann recht locker erfolgreich. Immerhin war hier mal ernstzunehmende Beißergefahr dabei, doch wirklich gefährlich war es dann doch nicht inszeniert. Etwas plump bzw. offensichtlich war dann Naomis Ablenkung um zu flüchten, doch das misslang ja auch, sodass Alicia sie mit leicht humoriger Note zur Rede stellt. Der Dialog hatte dann sogar starke Momente, weil man Naomis Verzweiflung nachvollziehen konnte. Und auch Alicias Erfahrung wurde hier passend involviert. Eigentlich haben sie dann auch die richtigen Schlussfolgerungen aus ihrem offenen Gespräch gezogen. Warum sie sich am Ende der Episode dann auch für den hoffnungsvollen Verbleib entschieden, klärt sich auch nicht ganz, aber das muss es eigentlich auch gar nicht. Wie bei Nick und Luciana ist es die Verbundenheit zu Madison, der Wille, dass man es schon hinbekommen werde, und vielleicht auch das Wissen, dass es woanders auch nicht besser sein muss, der sie doch wieder umdenken lässt. Genau das soll auch die Tragik in dieser Episode ausmachen. Man hatte sich eben doch anders entschieden. Ausschlaggebend für Nicks Tod halte ich das aber auch nicht.

Strand und Cole

Auch Strand plant den Abschied, nur das er das viel länger und intensiver geplant hat, weil er einen ganzen Wagen mit Verpflegung gebunkert hat. Interessant, dass er Madison das angetan hätte, denn letztlich sind es doch nur die Worte von Cole, die ihm ins Gewissen reden und deutlich machen, dass er wirklich ein Arsch ist. Damit wollte Strand sich selbst eigentlich rechtfertigen, aber wenn man es noch mal von anderen hört, die offenbar viel mutiger sind und ihre Hoffnung aus der Gemeinschaft ziehen, dann denkt man da offenbar auch noch mal nach. Trotzdem sehe ich auch Strands Umdenken nicht als maßgeblich für die Entwicklungen an. Natürlich hat man sich entschieden, im Stadion zu bleiben, und das war offenbar falsch. Aber wären die Alternativen wirklich besser gewesen? Waren es nicht andere Entscheidungen, die viel fataler waren? Ist Nicks Rachsucht nicht eher schuld gewesen? Da man noch so Vieles nicht weiß, lässt sich das schwer beurteilen. Leider liefert uns diese Episode ja nur einen einzigen Tag, der zwar einen Einblick in die Charaktere bietet, aber auch nicht wirklich Überraschendes aufdeckt. Irgendwie ist man also nach der Episode kaum schlauer als davor. Einzig die Verknüpfung von Naomi und John ist ein wirklicher Fortschritt, wobei ich mir da noch nicht sicher bin, was das genau zu bedeuten hat. Ist Naomi überhaupt die Frau, von der er immer spricht, oder haben sich Naomi und Laura nur getroffen? Da die nächste Episode "Laura" heißt, wird es da hoffentlich viel Fortschritt geben.

Fazit

Ich kann diese Episode nicht so richtig einordnen. Inhaltlich war es in Ordnung. Die Zweifel und Überlegungen, dass man in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen haben mag, passen zur Situation und Altheas Fragerunde. Aber hat die Episode eigentlich Fortschritte gebracht? Es fühlt sich irgendwie so an, als würde man auch ohne diese Episode ganz gut mit der Staffel zurecht kommen. Und da es weder emotional noch von der Inszenierung der Geschichten her irgendwie beeindruckend war, bleibt unter dem Strich einfach nicht viel übrig als eine Füllepisode, die hoffentlich Großes vorbereitet hat.

Emil Groth - myFanbase


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