Bewertung: 7

Review: #5.04 Snitch

Staffel 5 überzeugt bisher durch Fokussierung auf einzelne Figuren und aktuelle Themenauswahl. Die vierte Episode dieser noch jungen Staffel bricht mit diesem Schema und zeigt sich stattdessen eher im alten Stil: viele Themenbereiche und ein Fall der Woche, den man getrost als "üblich" für Crime-Serien bezeichnen kann. Doch lässt das diese Folge als schwächer erscheinen?

Diesmal war der Fokus der Episode nicht auf eine Figur beschränkt, denn schnell zeigte sich, dass sowohl Kevin Atwater, als auch Adam Ruzek eine entscheidende Rolle spielen würden. In Bezug auf Kevin hat mich ebenso wie in der letzten Folge bei Antonio Dawson gefallen, dass sich wieder auf eingeführte Familienmitglieder besinnt wird. Jordan und Vinessa sind schon öfters aufgetaucht, wenn Kevins Zwiespalt zwischen seiner Hautfarbe und der damit verbundenen Heimat und seines Jobs als Polizisten thematisiert wird. Doch dann verschwinden sie auch immer wieder, obwohl Kevins Aufgabe als Ersatzvater für seine jüngeren Geschwister ihn sicherlich maßgeblich ausmacht. Genau dieses Thema wird großartig in dieser Folge ausgespielt. Zunächst ist da das Gespräch mit dem Kioskbesitzer Ronald, den Kevin als Kunde gut kennt und dem er seine Position zwischen Freund und Polizist zu vermitteln versucht. Dass das keine einfache Angelegenheit ist, zeigt sich wie sooft. Sicherlich ist er als Polizist in einer starken Position und er hat den Vorteil, dass er die Rituale und Gepflogenheiten der schwarzen Bezirke in Chicago besser kennt als seine Kollegen. Aber er ist eben trotzdem nicht "einer" von ihnen, sondern im Endeffekt ein "Snitch", wie es der Episodentitel sagt, obwohl er speziell in dieser Folge gar nicht gemeint ist, denn er hat die Seiten gewechselt. Vermutlich hatte Ronald daher Recht, dass er sich nicht auf den Schutz Kevins verlassen hat, denn höchstwahrscheinlich hätte es ihn so oder so getroffen.

Der eigentliche Snitch dieser Episode ist Jordan. Als er am Tatort von Ronalds Ermordung ausgemacht wurde, war mir direkt klar, dass er tiefer in die Sache verwickelt war, zumal die auffälligen Sneaker, die ihm am Anfang der Episode so demonstrativ von Kevin geschenkt wurden, schon ein guter Hinweis waren. Jordan ist nicht der erste mögliche Zeuge eines Verbrechens, der aus dem familiären Umfeld eines Ermittlers kommt. Mit Lexi Olinsky, Alvin Olinskys Tochter, wurde schon mal eine so ähnliche Geschichte erzählt, als sie Zeugin wurde, wie ein Gangmitglied erschossen wurde. Doch in dieser Thematik war die Gefahr einer Aussage verhältnismäßig ungefährlicher, da niemand konkret auf Rachefeldzug gegen die Snitchs war. In dieser Episode jedoch wurden mit Eddie und Ronald bereits zwei mögliche Verräter eiskalt ausgeschaltet, daher war und ist die Gefahr für Jordan wirklich brenzlig. Dementsprechend hat es Kevin regelrecht innerlich zerrissen, was ungeheuer mitreißend zu verfolgen war. Er ist ein Cop aus vollem Herzen und steht für Gerechtigkeit ein, daher war sein spontaner Gedanke, dass Jordan aussagen muss, sehr gut nachvollziehbar. Erst mit Hank Voights Intervention, von dem man es gewöhnt ist, dass er die familiären Fälle so biegt und lenkt, wie er es gerne möchte, wird er nachdenklich. Aber ich fand es gut, dass Kevin bei seinem Bauchgefühl geblieben ist. Als Ersatzpapa für Jordan hat er ihm damit schließlich auch eine bemerkenswerte Einstellung zum Leben vermittelt. Dennoch war mit Jordans Aussage die Sache für Kevin damit nicht erledigt, da er Kurtis, dem Mörder der Verräter, Auge in Auge sehen durfte. Eine ganz großartige Szene zwischen Kevin, Kurtis und schließlich auch Hank, denn Kevin überlegt Kurtis zu ermorden, um die Gefahr für Jordan zu minimieren. Dass Hank ihm dabei zureden wollte, passt zu ihm, finde ich aber trotzdem schade, da Kevin eben nicht ist wie er. Nichtsdestotrotz war es eine allgemein tolle Szene, die Kevins Charakter schön untermalt. Da die Gefahr für Jordan noch nicht gebannt ist, bin ich gespannt, inwiefern uns dieser Storyline noch begleiten wird. "Chicago PD" hat ja schon mal die Tendenz, solche Nebenschauplätze aus den Augen zu verlieren.

Adams großer Anteil an dieser Folge wurde bereits in der Auftaktepisode dieser Staffel angefangen, als er überhart gegenüber einem Schwarzen in Begleitung seines Kindes agiert, der sich schließlich als unschuldig erweist. Adam war schon immer der Cop, der komplett aus dem Bauch heraus entscheidet und dadurch häufig impulsiv übers Ziel hinausschießt. Gleichzeitig war er aber immer schon der Cop, der überlässig auf lieb Freund mit jedem noch so schrecklichen Verbrecher machen kann, so dass er häufig undercover geschickt wird. Beide Seiten zeigen sich in dieser Episode erneut. Seinen starken Moment hatte er definitiv, als er sich in seiner Rolle als Billy scheinbar wirklich mit Eddie anfreundet, über den er eine Drogengang überführen will. Denn man konnte deutlich merken, wie sehr es ihn mitnimmt, als Eddie in seinen Armen verstirbt und ihn vorher voller Hass ansieht, als er erfährt, dass sein Kumpel Billy eigentlich ein Cop ist. Folglich schlägt sich Adam mit Schuldgefühlen rum, die ihn die Ermittlungen dann wieder ganz emotional durchführen lassen. Sein erbittertes Antreiben der Kollegen und sein Ausraster gegenüber Andre Walker, dem Kumpel von Kurtis, zeugen davon. Vor allem das für einen Polizisten unerhörte Verhalten gegenüber Andre bleibt im Kopf, da das nahtlos an Adams Verhalten gegenüber dem Schwarzen anknüpft. Ich weiß nicht, ob die Autoren damit ein Muster verfolgen wollen, à la Adam hat ein Aggressionsproblem, aber ich hoffe es nicht. Sicherlich kann man Adam sein intuitives, hoch emotionales Verhalten nicht mehr austreiben, aber für ihn dürfte es dennoch gerne mal in eine andere Richtung gehen. Der Mann, zu dem ihn die Beziehung zu Kim Burgess gemacht hat, der gefiel mir eigentlich ziemlich gut.

Angeknüpft an die Auseinandersetzung mit Andre wird ein Konflikt zwischen Adam und Hailey Upton, die ihn grob von Andre weggezerrt hat, da sie eben gesetzestreu agieren will. Diese Hailey gefällt mir viel besser, als die Hailey von vor zwei Folgen, denn hier zeigt sich, dass sie eigentlich eine ganz normale Frau mit einer Leidenschaft für Gerechtigkeit ist. Auch als Adam sie angesichts einer drohenden Untersuchung überreden will, dass sie in seiner Sache für ihn aussagt, macht sie nicht blind mit. Sie scheint Adams Verhalten wirklich zu verurteilen, aber letztlich verhindert sie, dass es überhaupt zu einer Anhörung kommt. Die genauen Motive dafür bleiben unklar, vielleicht war ihr bewusst, dass es ihrem Ansehen im Kollegenkreis nicht geholfen hätte, wenn sie Adam den Wölfen zum Fraß vorgeworfen hätte.

Die Fehde zwischen Hank und Denny Woods wird ebenfalls am Ende der Episode wieder aufgegriffen, doch da drehen wir uns momentan etwas im Kreis, da sich die beiden scheinbar nur doppeldeutige Sprüche um die Ohren hauen können. Bewegung gibt es dagegen in der Sache von einer ganz anderen Seite her, die für mich vollkommen überraschend kam. Dass Hank und Antonio in der letzten Episode eigentlich unversöhnt auseinander gingen, wurde zunächst nicht thematisiert. Dafür trifft sich Antonio plötzlich mit einem Anwalt, der für Woods arbeitet, was Hank zufällig beobachtet. Hier wird nun Zwietracht innerhalb der Intelligence Unit gesät, was durchaus Potenzial hat, aber musste es ausgerechnet in Person von Antonio geschehen? Antonio hat zuhauf bewiesen, dass er integer ist und hat schon in vorherigen Staffeln bewiesen, dass er kein Verräter ist. Warum jetzt also wieder er? Eine noch kaum ausgearbeitete Figur wie Hailey hätte an dieser Stelle viel besser gepasst.

Als kleinen Randaspekt vor meinem Fazit möchte ich noch den Gastauftritt von Anna Valdez aus "Chicago Justice" nennen. Die Idee fand ich prinzipiell gut, da mir Anna als Figur gut zusagte. Ihre Rolle in dieser Episode war aber tatsächlich so winzig und hätte genauso gut auch vom sonstigen Staatsanwalt Steve Kot besetzt werden können. Ich schätze es ist einfach besser, die Charaktere aus dem Anwalts-Ableger ruhen zu lassen, da solche unbedeutenden Gastauftritte keinen Sinn ergeben.

Fazit

Die vierte Episode zeigte sich ganz und gar im üblichen Erzählmuster von "Chicago PD". Das heißt, es gab viele Schauplätze, die sich mit dem Fall der Woche, die Screen Time teilen mussten. Dennoch hat diese Mischung in meinen Augen ganz gut funktioniert, da sowohl Adam als auch Kevin große Auftritte hatten, die ihre Charakterentwicklung in den Fokus nahm. Bei Kevin hat sich gezeigt, dass er als Verbindung zwischen Gerechtigkeit und Kriminalität ein wichtiges Bindeglied in der Unit ist, was ihn immer wieder vor Proben stellt. Bei Adam wiederum wurde offenbart, dass sich bei ihm was tun muss, da er sonst immer nur der impulsive Cop bleiben wird. Hailey gewinnt mehr und mehr an Profil, was auch bitter nötig ist. Die restlichen Schauplätze dagegen – Antonios Inszenierung als Verräter und Annas Gastauftritt – waren dann zu viel des Guten.

Lena Donth - myFanbase


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Diskussion zu dieser Episode

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