Die enttäuschendsten Charaktere 2009/2010
Platz 8: Cate Cassidy (Life Unexpected)

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Mit "Life Unexpected" ist in der Midseason eine charmante neue Serie auf The CW gestartet, die den Zuschauer in ihren besten Momenten in die guten, alten Zeiten des Vorgängersenders WB versetzt, bei dem solche schönen Feel-Good-Serien wie "Gilmore Girls" und "Everwood" liefen. Zwar hat die Serie rund um die 16-jährige Lux, die nach einer Kindheit in diversen Pflegefamilien ihre leiblichen Eltern sucht und auch findet, einige Schwächen und ist weit entfernt von der Qualität der oben genannten Beispiele. Aber in einigen Momenten blitzt doch immer mal wieder das Potential für eine liebenswerte, kleine Familienserie auf, die in dem Projekt steckt. Leider ist es deshalb besonders ärgerlich, wenn es dem Zuschauer eine der Hauptfiguren über den Verlauf der gesamten 13 Folgen umfassenden ersten Staffel schwer macht, die neu zusammenwachsende Kleinfamilie wirklich ins Herz zu schließen. Und es ist nicht einmal das Teenagermädchen, dass dem Zuschauer mit seinem unreifen oder wahlweise auch altklugen Verhalten auf die Nerven geht, wie in so manch anderem Fall (was sicher auch daran liegt, dass Teenager nun einmal ein hohes Nervpotential haben), nein, die von der Newcomerin Brittany Robertson dargestellte Lux ist unter diesen Voraussetzungen noch das kleinere Übel.

Und noch ein misslungener Frauencharakter

Das eigentliche Problem ist ihre leibliche Mutter Cate Cassidy. Cate ist eine Radiomoderatorin, die es gemeinsam mit ihrem Moderationspartner zu lokalem Ruhm gebracht hat und die nun in Form ihrer Tochter die Vergangenheit einholt. Cate war in der Schule ein schüchternes und unsicheres Mädchen und sie war gestraft damit, dass sie nach unüberlegtem Sex mit dem Mädchenschwarm Baze, den sie anhimmelte, gleich schwanger wurde. Und sie war gleich doppelt gestraft, denn Baze würdigte sie nach ihrem One-Night-Stand keines Blickes mehr, überließ sie trotz der Schwangerschaft ihrem Schicksal (in dem Glauben, sie würde das Kind schon abtreiben lassen) und gab ihr deutlich zu verstehen, dass er das gemeinsame Intermezzo mittlerweile bedauert. Mit gebrochenem Herzen und zerstörtem Selbstwertgefühl gab Cate ihre daraufhin geborene Tochter zu Adoption auf, in der festen Überzeugung, dass es für das kleine Ding so besser wäre.

Wenn man dies so liest, müsste man eigentlich denken, dass die Sympathien eindeutig verteilt wären, Cate ist die gute und Baze, der verantwortungslose Vater, der Schuft. Aber nicht nur Lux sucht intuitiv die Nähe zu ihrem Vater, als sie diesen aufgespürt hat, nein auch die Gunst des Zuschauers wandert immer wieder zu ihm. Das liegt sicherlich zum Teil an Kristoffer Polaha, der den jungenhaften Verlierertyp Baze so charmant darstellt, dass man ihn einfach gern haben muss. Shiri Appleby gelingt dies leider nicht und sie lässt die nötige Leichtigkeit und Herzenswärme missen, die ihre Rolle benötigt hätte, um sie trotz der schwierigen Voraussetzungen liebenswert zu machen. Denn Cate, beziehungsweise die Autoren, die ihre Handlungen steuern, schaffen es immer wieder, einen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen zu lassen. Man sieht zwar objektiv, dass sie eigentlich alles richtig macht, dass sie die wesentlich schwierigere Ausgangslage für ihre Handlungen hat, aber trotzdem wirkt sie einfach nur anstrengend und insbesondere nervig.

Es ist vielleicht nicht fair, ebenso wenig wie Lux' Hang dazu, Bazes Fehler schnell und unkompliziert zu verzeihen und im gleichen Atemzug Cate deren Fehler extrem lange vorzuhalten, aber es ist einfach so. Es gelingt selbst dann nicht, wirkliche Sympathien für Cate zu erzeugen, wenn der Fokus klar auf ihrer Sichtweise der Ereignisse liegt und ihre Motive offen dargestellt werden. Man sieht sie und versteht sie, man mag sie aber dennoch nicht. Sie nervt mit ihrem Unverständnis für Lux' Handlungsweisen, mit ihrer Art für alle Widrigkeiten ihres Lebens Baze die Schuld zuzuschieben, mit ihrer Unsicherheit ihrer Familie gegenüber und ihrem Unvermögen, sich beruflich durchzusetzen. Und ihr Verhalten im, für meine Begriffe sowieso für eine erste Staffel schon viel zu stark forcierten, Liebesdreieck Baze-Cate-Ryan bringt dann das Fass zum überlaufen. Zuerst betrügt sie ihren Freund Ryan, der ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht hat, mit ihrer alten Flamme Baze, dann verheimlicht sie diesen Seitensprung nicht nur, sondern lügt Ryan auf Nachfrage dazu auch glatt ins Gesicht. Aber es wird noch schlimmer, denn nachdem ihr Ryan dieses Verhalten doch noch verzeiht, die Hochzeit wieder zur Diskussion steht und sie dann vor dem Altar (natürlich wegen Baze, was sonst in einer Dramaserie) kalte Füße bekommt, macht ihre Art und Weise der Entscheidungsfindung völlig klar, dass es auch nach der Hochzeit mit dem Hin und Her weitergehen wird. Denn sie entscheidet sich nicht aus klarer Liebe für Ryan, sondern weil der sich immer besser ihr gegenüber verhalten hat als Baze. Hm, eigentlich nicht so furchtbar, aber nach den Gesetzmäßigkeiten solcher Storylines ist es eben jetzt schon völlig klar, dass Cate, dem eh schon viel zu perfektem um auch nur annähernd wahr zu seienden Ryan das Herz brechen wird.

Irgendwie haben die Autoren versucht, die Figur der Cate so anzulegen, dass sie "dark and twisted" in bester Meredith-Grey-Manier wirken soll, sie aber leider nur neurotisch und anstrengend rüber kommt. Diese Charakterzüge strapazieren die Geduld des Zuschauers und machen es ihm extrem schwer, mit ihr mitzufühlen. Man ertappt sich dabei, den beiden Männern in Cates Leben am Besten jeweils eine völlig neue Frau zu wünschen, denn eigentlich hat keiner dieses unsympathische, komplizierte Nervenbündel verdient. Und hätte die Serie in Kristoffer Polaha als Baze und Kerr Smith als Ryan nicht zwei so überzeugende und sympathische männliche Ruhepole zu bieten, dann hätte es "Life Unexpected" bei mir und sicher auch bei einigen anderen Zuschauern auch nicht über eine ganze Staffel geschafft, mein Interesse zu halten. Und so landet Cate Cassidy auf unserer Liste der enttäuschendsten Seriencharakteren auf dem verdienten achten Platz, mit der Bitte an die Autoren für Staffel 2: "Gebt der Frau doch wenigstens eine nette Eigenschaft!".

Cindy Scholz - myFanbase

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