Bewertung: 8

Review: #4.10 Im Zauber der zersetzenden Sicht

Foto: Georgina Haig & Colin O'Donoghue, Once Upon a Time - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Jack Rowand
Georgina Haig & Colin O'Donoghue, Once Upon a Time
© 2017 ABC Studios; ABC/Jack Rowand

Leise rieselt die Schneekönigin von dannen. Sie wird nicht durch Emma oder Elsa bezwungen, sondern opfert sich selbst, als sie ihren falschen Weg erkennt und erfährt, dass ihre Schwester Gerda nie aufgehört hat, sie zu lieben. Der Dank dafür geht an die Flaschenpost, die für eine in höchster Seenot geschriebene Nachricht erstaunlich umfangreich und gut lesbar ist.

Ingrid will nicht länger ihre Nichte Elsa und ihre ehemalige Pflegetochter Emma zwingen, ihre Schwestern zu sein, sondern wieder mit ihren echten, aber leider verstorbenen Schwestern vereint werden. Am Ende weint man sogar ein bisschen um Ingrid, was bei den bisherigen Bösewichten der Serie ganz sicher nicht der Fall war.

Ingrid bleibt als ein emotional polarisierender Charakter in Erinnerung. Ihre Hintergrundgeschichte war sehr bewegend und hat Mitgefühl für sie geweckt. Wir haben immer wieder Einblick in ihre verletzliche Seite bekommen, die uns Elizabeth Mitchell wirklich eindringlich vermittelt hat. Andererseits haben uns Ingrids Taten natürlich alles andere als positiv für sie eingenommen. Sie hat einen ganz besonders perfiden Fluch über Storybrooke gebracht und das Leben sehr vieler Menschen gefährdet, um ihren fehlgeleiteten Wunsch nach Liebe und Einigkeit zu erfüllen. Sie hat dabei nicht weniger selbstsüchtig und rücksichtslos agiert als Peter Pan oder Zelena bei ihren jeweiligen Plänen. Diesen beiden Bösewichten hat Ingrid aber wiederum voraus, dass sie zur Besinnung gekommen ist und freiwillig den Preis für ihre Fehler bezahlt hat - rechtzeitig. Soweit wir wissen, hat sie letztlich keinen Mord begangen, es sei denn, sie hat ihren widerlichen Pflegesohn Kevin noch schnell mit Spinnen zu Tode erschreckt, bevor sie nach Storybrooke ausgewandert ist, um dort auf Emma zu warten. Ich gehe davon aus, dass sich Marian nun auch wieder vollständig erholen wird.

Dieses Wechselspiel aus Mitgefühl und Abneigung für Ingrid war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, die ich persönlich bei der Bösen Königin in der Form nicht gemacht habe. Queen Regina präsentierte sich viel grausamer, hasserfüllter und - ironischerweise - kälter als die Schneekönigin. Es benötigte bekanntlich viele Todesopfer, zerstörte Leben, einen mächtigen Fluch und diverse Katastrophen, bis Regina einen besseren Pfad eingeschlagen hat. Da war Ingrids Timing doch weit glücklicher.

Diese Episode liefert uns sogar einen ziemlich guten Vergleich zwischen der Bösen Königin und der Schneekönigin, denn dank des Fluches zeigt sich Regina wieder als rachsüchtige, gemeine Scheußlichkeit. Zwischen ihr und Mary Margaret/Snow White kommt es zu einer so körperlichen Auseinandersetzung, wie wir sie noch nie zuvor zwischen den beiden erlebt haben, bedingt dadurch, dass auch Mary Margaret voll auf Krawall gebürstet ist. Die beiden Frauen werfen sich gegenseitig über Büromöbel, stoßen sich durch Fensterscheiben und schlagen mit Schwertern aufeinander ein. Mein Lieblingsmoment dabei ist, als Mary Margaret mit einem wütenden "Ich war zehn!" auf ihre Stiefmutter zustürmt. Das ist eine klare Ansage zu einem Sachverhalt, über den schon so viel diskutiert wurde und zu dem ich mich selbst oft geäußert habe. Ja, Snow hat damals Reginas Liaison mit dem Stallburschen Daniel gegenüber Cora ausgeplaudert, aber sie war noch ein Kind, das keine Ahnung von den Konsequenzen hatte und überdies von Cora eiskalt manipuliert wurde. Dass Regina aber jetzt nicht mehr die Person von damals ist, zeigt sich, als sie zusammen mit Mary Margaret und David nach Aufhebung des Fluchs in Gelächter ausbricht. Auch das ist ein großartiger Moment. Regina war lange Zeit die Böse Königin, aber sie hat den Punkt erreicht, an dem sie ihre Gewohnheiten von damals, den Modestil eingeschlossen, durchaus als grotesk empfindet.

Insgesamt habe ich mir die Auswirkungen des Fluches etwas bitterer vorgestellt, stattdessen war es eigentlich ziemlich amüsant, wie sich alle angegiftet und die prägenden Charakterelemente des anderen bzw. besondere Momente aus der Vergangenheit plötzlich negativ interpretiert haben. Mit jeder Sekunde, die der Fluch länger aktiv geblieben wäre, wäre es aber hässlicher und brutaler geworden. Die Grenze zwischen sticheln und erstechen war schon ziemlich dünn. Ob jetzt wirklich alles wieder in Ordnung ist, oder ob noch einiges von dem Gesagten oder Getanen nachhängt, wird das kommende Winterfinale zeigen.

Wir müssen weiter über Mr. Gold sprechen

Man kann ja durchaus verstehen, dass Ingrid die letzten Sekunden ihres Lebens nicht mit Gedanken an Mr. Gold verschwenden wollte, aber es wäre dennoch äußerst hilfreich gewesen, wenn sie Emma vor ihm und seinen Plänen, sich vom Dolch zu lösen, gewarnt hätte. Dass Mr. Gold so ungestört und unbemerkt seinem unguten Treiben nachgehen kann, mit dem Selbstverständnis, sich alles erlauben zu können, macht einen zornig. Man möchte ihn fallen sehen - tief.

Hook ist aktuell der einzige lebende und nicht in einem Hut gefangene Bürger Storybrookes, der um Mr. Golds Gefährlichkeit weiß. Da Gold aber das Herz des Piraten als Geisel hält, ist Hook ziemlich machtlos. Vielleicht könnte er Emma trotzdem einweihen, aber die Situation sieht etwas anders aus als damals bei der Geschichte mit Zelena. Ein Sieg Zelenas hätte so oder so Emmas Tod, oder besser ihr Nichtgeborenwerden, verursacht. Mr. Golds Ziele beinhalten aber nicht primär Emmas Ableben. Hook hat also Grund zu der Annahme, dass er Emma schützen kann, wenn er ihr verschweigt, was vor sich geht. Außerdem gilt es nicht als beziehungsfördernd, der Freundin zu sagen, dass man a) kein Herz mehr hat, b) Menschen in Hüte saugt und c) bisher gelogen und geschwiegen hat. Das Dilemma, in dem sich Hook nun befindet, ist also wesentlich überzeugender als das in der dritten Staffel rund um seine verfluchten Lippen.

Zu Hook fällt mir noch die Szene mit Will ein, die ich bemerkenswert und amüsant fand, weil Hook hier Will ganz locker abschüttelt und ohnmächtig zurücklässt. Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Genau, in der zweiten Staffel war Hook bekannt dafür, aus direkten Konfrontationen als Verlierer hervorzugehen und bewusstlos zu enden. So ändern sich die Zeiten. Das ist positiv für Hook, aber nicht so sehr für Will, der seit seinem Auftauchen zumeist irgendwie geparkt wird, sei es hinter Gittern oder eben in der Bewusstlosigkeit. Er ist noch längst nicht in der Serie angekommen.

Maret Hosemann - myFanbase


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