Die enttäuschendsten Momente 2008/2009
Platz 3: #6.05 Geplatztes Comeback (One Tree Hill)

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Hatte man noch gehofft, dass sich Nanny Carrie nach einem relativ harmlosen und kurzzeitigen Ausflug in die Psycho-Ecke spurlos und auf immer und ewig verdünnisiert, so wurde man mit #6.01 Touch Me I'm Going To Scream schnell eines Besseren belehrt. Denn es begann die Storyline, die in dem mit Abstand unterirdischsten Moment der gesamten Serie endete: die unsägliche Maisfeldjagd inklusive unsterblicher Carrie.

"You think you can kill me? You can’t kill me, I’m still here!"

Dass die Autoren von "One Tree Hill" und scheinbar insbesondere Serienschöpfer Mark Schwahn eine Schwäche für psychisch extrem gestörte Figuren und Horrorszenen haben, wurde seit der vierten Staffel und dem Auftritt von 'Psycho-Derek' leider nur zu oft mehr als deutlich. Bereits auf die Wiederkehr von Derek, bzw. Ian hätte ich sehr gut verzichten können, nachdem ich sein erstes Auftauchen und den damit verbundenen, alles andere als überzeugenden Ausflug ins Horror-Genre noch als kleinen Fehltritt der Autoren verbuchen wollte. Doch aus dem Fehltritt wurde leider eine wiederkehrende Macke, die es seitdem schafft, mir mindestens eine Folge der Staffel komplett zu vermiesen und in #6.05 You’ve Dug Your Own Grave, Now Lie In It ihren unrühmlichen Höhepunkt gefunden hat.

Ich weiß nicht, ob Mark Schwahn versucht hat, auf den Spuren von Kevin Williamson zu wandeln, der bei "Dawson's Creek" sein Faible und vor allem Können für Horrorfilme in einer Folge ausgelebt hat und damit die Tradition begründete, dass es in fast jeder Staffel eine Horrorfolge gab. Was auch immer Schwahns Motivation ist, bzw. hoffentlich war, man würde ihn am liebsten schütteln und anschreien, dass er diesen Schwachsinn doch bitte lassen soll, weil er es einfach nicht kann! Denn im Gegensatz zu Williamson und den späteren DC-Verantwortlichen ist es ihm scheinbar unmöglich, sich zwischen ernster Storyline und Parodie zu entscheiden. Schon bei 'Psycho-Derek' waren zu viele Slapstick-Elemente vorhanden, die den eigentlichen Ernst der Situation ad absurdum führten, aber Carries Maisfeldjagd ist in der Hinsicht absolut unschlagbar! Nicht nur, dass dieser Abschluss die komplette, fünf Folgen währende und durchaus ernst abgehandelte Storyline um Dans Entführung lächerlich macht, die Szene ist auch in sich absolut unschlüssig und die reinste Tortur für die Nerven des Zuschauers.

Denn es wird ganz eindeutig versucht, ernsthaft eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen, was in den Anfangsminuten, als Carrie Haley bewusstlos schlägt und den kleinen Jamie jagt, durchaus funktioniert – wenn man mal davon absieht, dass sie es in einer Schwesterntracht macht, die in jedem billigen Pornofilm besser aufgehoben wäre. Doch selbst wenn man es schafft, die platten Horrorklischees wie die Axt, das Maisfeld und das Handyklingeln im unpassendsten Moment zu akzeptieren, so ist die Atmosphäre (und das Nervensystem des Zuschauers, der schon längst nicht mehr weiß, ob er lachen oder weinen soll) spätestens dann zerstört, als plötzlich Deb auftaucht und mit einer Champagnerflasche Carries Nasenbein zertrümmert. Wohlgemerkt mit der Champagnerflasche, mit der sie eigentlich auf Dans Tod trinken wollte und die sie dann dazu benutzt, die Psycho-Nanny in einträchtiger Teamarbeit mit Dan, der wunderbarer Weise die Wirkung des Sedativums plötzlich ignorieren kann, platt zu machen… Aber Mark Schwahn und Carrie geben auch danach keine Ruhe: mit gebrochener Nase, ordentlichem Brummschädel und einer Schusswunde im Unterleib erwacht Carrie plötzlich wieder mit einem unheimlich überzeugenden diabolischen Kichern und will sich doch tatsächlich wieder mit Dan anlegen, der allerdings noch immer derjenige von beiden ist, der eine Pistole in der Hand hält. Blöd für Carrie, gut für den Zuschauer, der endgültig vom zweiten überflüssigen Psycho-Charakter dieser Serie erlöst ist und bitte nie wieder mit einem belästigt wird!

Kleiner Tipp an Mark Schwahn: Parodien funktionieren nicht, wenn sie ständig von anderen und durchaus ernsten Storylines unterbrochen werden, die noch dazu gut gemacht sind! Und vor allem sollte man mit einer Parodie nicht einen der stärksten und folgenreichsten Momente der gesamten Serie zitieren, denn dadurch, dass Dan im Schlussbild genauso gezeigt wird wie bei der Ermordung von Keith, erhält jener großartige Moment einen bitteren Beigeschmack und die schlechteste Szene der Serie gerät von einem Ärgernis zur Geschmacklosigkeit. Danke allerdings dafür, dass ich dank dieser hirnrissigen Szene ein neues Schlagwort und eine Messlatte für unterirdisches Fernsehen habe: die Maisfeldjagd!

Nervig, ärgerlich, grotesk, lächerlich, geschmacklos und schlicht und ergreifend schlecht gemacht – der erneute Horrorausflug von "One Tree Hill" hat sich den dritten Platz in dieser Liste wahrlich verdient! Bleibt nur zu hoffen, dass Mark Schwahn sich wieder auf seine Wurzeln besinnt und wir von weiteren Psychos und Horrorszenarien verschont bleiben...

Lena Stadelmann - myFanbase

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