Bewertung

Review: #2.06 Das Mombasa Kartell (Nr. 114)

Erneut ist der nächste Listeneintrag, den Red dem FBI präsentiert, nicht ein Mann, sondern eine Gruppe von Leuten. Und in Anbetracht der Bedeutung für Red sollte nun doch endgültig klar sein, dass die Nummern der Eintragungen etwas anderes bedeuten muss, als ein Ranking von Red selbst.

"This is important to you."

Der Fall der Woche begann sehr viel versprechend, weil ziemlich schnell klar war, dass man hier gewiss einen Bezug zu Dembe würde eingehen können und ich schon ziemlich lange darauf warte, dass man mehr über seine Vergangenheit erfährt. Allerdings wurde die schnelle Hoffnung getrübt, weil man dann doch lieber wieder so sehr damit beschäftigt war, den komplexen Fall auseinander zu knobeln, dass für Dembe nicht wirklich viel Freiraum blieb. So konnte er weder als Schauspieler noch in seiner Rolle wirklich präsent sein. Das ist dann irgendwie sinnbildlich für den stiefmütterlichen Umgang mit der Rolle, die im Prinzip seit #1.09 Anslo Garrick keine Bedeutung mehr hatte. Ich finde das wirklich schade, weil ein Blick in die Vergangenheit von Dembe auch Rückschlüsse über Red liefern könnte und man bei ihm auch immer im Unwissen gelassen wird. Was ich an obigen Zitat noch etwas absurd fand, war die Tatsache, dass Liz hier was Besonderes am Fall sieht. Letztlich war doch jeder Tipp ans FBI immer mit einem Nutzen für Red verbunden. Wirklich unwichtige Fälle gibt es bei Red eigentlich nicht. Und das sollte jetzt jeder wissen.

"Someday the creatures on that program will be akin to unicorns and griffins. A fairytale bestiary written in past tense."

Der Fall der Woche hatte dann also leider nur nebenbei mit Dembe zu tun. Dafür war für den Fall wieder so viel Raum, dass sich die Autoren mal wieder ein sehr komplexes Verbrecherkonstrukt ausdenken konnten, dass es einem als Zuschauer nicht einfach macht, immer allem zu folgen. Man darf sich keine Auszeit gönnen und mal nur kurz mit einem halben Ohr hinhören, weil die Schwiegermutter anruft. Das macht die Ermittlungen natürlich immer spannend, weil die einfache Lösung nicht existiert. Es nutzt sich aber auch irgendwann mal ab, weil man schon erwartet, dass aus dem ersten Problem ein größeres Drumherum gestellt wird. Dazu kommt auch, dass Red so unnahbar scheint und immer alles im Griff hat. Bei ihm geht auch nichts schief. Ich finde ja, entweder man spielt mit dieser Kontrolle und legt dann weiterhin mal kleine Hinweise der Genialität hin, oder aber viel spannender, man bringt Red auch im Fall mal in die Defensive, weil seine Information veraltet oder schlichtweg falsch ist. Im immer gleichen Trott verliere ich nämlich auch das Interesse, weil der Verlauf immer gleich ist.

"Happy Hunting. I'll be at the house with mom."

Ich musste irgendwie an Lord Voldemort denken, als man diese Kreatur kennen lernen sollte, die echte Menschen zur Jagd geschenkt bekommt. Ich finde die Idee mal wieder sehr gruselig und frage mich, wie man immer auf solche Sachen kommt. Gerne hätte ich dabei aber auch noch mehr über die Motive kennen gelernt. Ich finde es immer gut, wenn man sich etwas mehr in die Gegenseite einfühlen kann, weil auch da ja irgendeine Logik oder ein Zwang existiert. So steht das Spiel nur als Effekt da, Ressler in Gefahr zu bringen. Mehr ist dann aber auch nicht, nachdem er wieder richtig befreit ist. Irgendwie fehlt mir hier auch noch etwas mehr als nur die Erzählung.

"The pills were stolen from my car."

Wirklich zentral werden in dieser Episode die seit Beginn der Staffel immer wieder in kleineren Momenten angedeuteten Probleme von Ressler. Er versucht verzweifelt an Medikamente zu kommen und nachdem seine Lügen doch eher lächerlich klingen, muss er härtere Geschütze auffahren. Sich absichtlich den Daumen zu brechen, um an Schmerzmittel heran zu kommen, ist schon ganz weit fortgeschritten in seiner Abhängigkeit, weil es so verzweifelt wirkt. Man darf gespannt sein, was da noch passieren wird. Dass Ressler Hilfe braucht, ist klar, aber da er ein absoluter Alleingänger und Sturkopf ist, liegt hier noch viel Potenzial, für welches in dieser Episode die Basis gelegt wurde.

"I thought about telling Reddington."

Der letzte Abschnitt beschäftigt sich natürlich mit der kleinen Geheimnislüftung am Ende der Episode. Hinter der Tür befindet sich Tom Keen und natürlich will Liz Red nichts von dem Coup erzählen, ja geht sogar einer Konfrontation mit Red nicht aus dem Weg und riskiert viel, nur um Red endlich mal einen Schritt voraus sein. Das ist für die Dynamik zwischen Liz und Red natürlich Gold wert, weil alle angestachelt sind. Aber was soll Lizzy nun tun? Reden wird Tom wohl nicht.

Fazit

Ich bin mir nicht sicher, was ich nun von dieser Episode halten soll. Der Fall war wieder komplex und spannend, doch das Potenzial bezüglich Dembe wurde nicht ausgeschöpft. In gewisser Hinsicht kann man bei dieser Episode von einer charakterzentrierten Episode sprechen, weil auf der analytischen Ebene Fortschritte gemacht worden. Allerdings fehlt es vor allem an den überraschenden Momenten, denn abgesehen von der Komplexität des Falls der Woche ist doch nichts gewesen, was man nicht schon mal woanders hatte.

Emil Groth - myFanbase

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