LGBT in amerikanischen Serien The Long Road Out of Queerbaiting

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Bereits in unserem Asienspecial widmeten wir uns der Präsenzentwicklung homosexueller Charaktere in TV-Serien und Filmen im asiatischen Raum. Und da myFanbase immerhin auf einer Fanseite für "Dawson's Creek" beruht, möchten wir denselben Blick nun auf Amerika werfen. Richtig ins Rollen kamen LGBT-Inhalte erst gegen Ende der 90er Jahre. Jack McPhee aus "Dawson's Creek" beeinflusste schließlich sogar seinen übertriebenen Gegenentwurf in der Sitcom "Will & Grace", eine Art Antwort auf das sehr heteronormative "Friends" - wenngleich Ross' Ehe immerhin aufgrund der sexuellen Orientierung seiner Frau in die Brüche geht. 1997 outete sich Ellen DeGeneres' Serienfigur in der nach ihr benannten Sitcom. Dies kündigte sich nicht zuletzt in den Folgen zuvor, aber auch durch Ellens Coming-Out in der realen Welt an. Ein Jahr später wurde die Serie abgesetzt und Ellen musste lange darauf hinarbeiten, um heute das zu sein, was sie ist gefeierte Comedian und Moderatorin, wieder zurück in Hollywood.

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Den ersten richtigen Aufschlag in Sachen fiktionaler, lesbischer Charaktere machte Joss Whedon 1999 mit der einzigartigen Willow Rosenberg in "Buffy - Im Bann der Dämonen". Zum damaligen Zeitpunkt war nicht nur die feministische Botschaft der Serie revolutionär für viele ist Willows aufblühende, ohne Panik verbreitende Liebe zu Tara Maclay nach wie vor ein positives Vorbild für junge, aufwachsende Lesben. Zudem ist Willow nicht nur lesbisch, sondern jüdisch, und somit ein rares Beispiel außerhalb des Klischees eines streng katholischen Mädchens, wie beispielsweise bei Santana Lopez in "Glee".

Als Pendant zum britischen "Queer as Folk" erschien 2004 erstmals "The L Word". Die von Ilene Chaiken erdachte Serie verfügte über komplexe Charaktere, realistische Sexszenen und einen künstlerischen Ansatz. Aufgrund des bis heute viel diskutierten Serienfinales schrie es nach dem Spin-Off "The Farm", wozu es bislang leider nicht kam. Bei dem derzeitigen Revivalhype vermehren sich speziell in letzter Zeit dennoch die Gerüchte nach einer Reunion. Nicht nur Jennifer Beals betonte, dass sie gerne wieder dabei wäre. Fakt ist: Katherine Moennig alias Shane spielt inzwischen in "Ray Donovan" die offen lesbische Nebenrolle der toughen Lena wenn man auch manchmal komplett ihre Existenz vergisst, weil die Serienmacher ihr Potential zu selten ausspielen. Shanes Carmen, Sarah Shahi, ging in "Person of Interest" zurück zu ihren Wurzeln: der Handlungsstrang zwischen Shaw und Root wurde aus der starken Chemie zwischen ihr und Amy Acker geboren. Ohne spoilern zu wollen, aber dafür würde niemand bestrafen, es wurde als canon bestätigt und die Liebe findet zwischen zwei starken Frauen statt.

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Was Serien wie "Buffy" und "Pretty Little Liars" von sehr vielen anderen abhebt, die einem Nebencharakter noch einen vermeintlich skandalös angehauchten Nebenstrang gaben (z. B. Eric van der Woodsen aus "Gossip Girl"): hier befinden sich die homosexuellen Charaktere im Hauptcast. Auch, wenn leider beide vorbildlichen Serien in zwei Fallen tappten das Serienklischee "Die Lesbe muss immer sterben!" (durchexorziert bis zum Shitstorm bei "The 100" und trotz mehrmaliger Möglichkeiten bei "Grey's Anatomy" zum Glück nicht vollzogen) sowie das Klischee zweier femininer Lesben lange Haare, hübsch geschminkt. Bei der Paarung Femme/Femme (Femme/Butch oder gar Butch/Butch würde eine burschikose Frau einschließen) haben Serienmacher die Möglichkeit, dem Zuschauer "nicht weh zu tun" den Männern gefällt's und entspricht ohnehin ihren feuchten Träumen. Und natürlich kommen solche Beziehungen auch in der Realität vor! Doch die Ausgrenzung burschikoserer Frauen schmerzt diese durch Fehlen einer Identifikationsfigur und hilft der Szene ebenso nicht bei ihrem Wunsch nach Sichtbarkeit und Respekt.

Bildergalerie: LGBT-Charaktere in amerikanischen Serien

Lesben werden also häufig übersexualisiert und vermeintlich als polyamourös dargestellt was sicherlich auf einige zutrifft, aber eben nicht auf jede. "Black Sails" schlägt ebenfalls in die Kerbe, in der das auf natürliche Weise geschieht. Die Frauenfigur sind allesamt Badass und verstecken sich nicht allerdings, wie für eine Piratenserie üblich, kommt es zu allerlei unschönen Übergriffen auf die Damen.

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Eine Serie, die aus all dem ein politisches Statement macht, ist "Orange Is the New Black". Basierend auf einem Roman von Piper Kerman, versammelt die Autorenschaft queere DrehbuchautorInnen sowie zum Teil queere Schauspielerinnen. Ebenso ungeschminkte Sexszenen und schonungslose Dialoge spitzen sich zusammen mit aberwitzigen Plots nun schon zur fünften Staffel zu. Mit Laverne Cox ist erstmals eine Transfrau im Hauptcast, die auch eine solche spielt. Bei "The Fosters" wird derweil nicht nur die Botschaft von homosexuellen Eltern gefestigt, die einander lieben und gut auf ihre Kinder aufpassen, sondern auch ein Transjunge vorgestellt: Tom Phelan als Cole.

In der unglücklichen Tradition von Paradiesvögeln und Comic Relief (siehe ebenfalls, wenn auch sehr liebevoll gemacht: "Unbreakable Kimmy Schmidt" und "Modern Family") steht ebenfalls Kurt Hummel aus "Glee". Der Grat zwischen der Degradierung Schwuler zur "besten Freundin" und ernstzunehmenden Rollen ist schmal, doch speziell Chris Colfer spielte sich mit Tiefe und Herz in die Welten seiner Fans.

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Aber was ist mindestens genauso schlimm wie übertriebenes Agieren? Genau. Gaybaiting. Erstaunlicherweise hauptsächlich auf männliche Ships bezogen. Zwar gibt es auch Femslasher, also (oftmals lesbische) Fankünstlerinnen, die begeistert "Rizzoli & Isles" nachhängen, doch vor allem Serienmacher locken inzwischen gezielt die heterosexuellen Zuschauerinnen an, indem sie mit kleinen Details die Fantasie befeuern, ohne jemals an das canon-werden zu denken (aber hey, dafür lieferte "Supernatural" immerhin die tolle Charlie!). Die Gründe, warum heterosexuelle Frauen auf gay ships stehen, sind vielfältig und verdienen eigentlich eine theoretische Abhandlung für sich.

Bisexuelle Charaktere finden ebenso immer öfter ihren Weg auf die Bildschirme. Nolan in "Revenge" durfte seiner Sexualität freien Lauf lassen. Und in "Lost Girl", das von 2010 bis 2015 lief, wurde der Beziehung zwischen Bo Dennis und Dr. Lauren Lewis gleich viel Screentime gegeben wie ihrer Beziehung mit Dyson. Mehr übernatürliche, homosexuelle Küsse gefällig? Danke, "The Originals". Bei der Kombi Werwolf/Vampir wurde so richtig draufgehalten und eben nicht verschämt weggeblendet, wie man es auch gerne einmal sieht.

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Viel ist passiert seit Original Cindy aus "Dark Angel". Inzwischen gibt es noch deutlich mehr Charaktere, nicht nur in nischigen Webserien wie das erfolgreiche "Carmilla" oder die humorvollen, stark besetzten Kurzepisoden von "Til Lease Do Us Part" sowohl AMC als auch Netflix setzten Bex Taylor-Klaus in einer lesbischen Rollen ein. Aus der Homophobieecke hört man des Öfteren, dass solche Figuren nun inflationär aufpoppen. Dem sei jedoch entgegen gesetzt: über Jahrhunderte wurde die Sichtbarkeit von LGBT-Menschen einfach nur komplett ausgelöscht. Mit der kubanisch-amerikanischen Sitcom "One Day At A Time" erweiterte Netflix nicht nur die Liste von Lesben, sondern auch die von lesbischen Latinas. Einziges Manko bleibt US-asiatische SchauspielerInnen werden immer noch zu selten besetzt, mal abgesehen von Jeanna Hans Charakter in "Scream Queens". Die Macher von "Chicago Fire" äußerten sich allerdings dazu, dass sie nicht vorhaben, Shay als "Vertreterin" der Szenen in einer anderen Form nachzubesetzen. So etwas müsse organisch passieren und nicht irgendwelche auffälligen Quoten als Geschäftszweck unterstützen. Womit sie natürlich auch Recht haben.

Nichtsdestotrotz: nur mit einer Bandbreite an verschiedensten LGBT-Charakteren kann für Selbstidentifikation gesorgt werden und hoffentlich irgendwann auch für den vollkommenen Respekt, denn die Ausgrenzung von LGBT-Menschen steigt derzeit wieder enorm an. Es ist keine Phase, es ist nichts, wofür man sich schämen sollte. In diesem Fall haben Film und Fernsehen eine Aufklärungsfunktion. Damit die Liebe endlich für immer gewinnt.

Simone Bauer - myFanbase

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