Jahresrückblick - unsere Top-Serien 2016


Top-Serien von Melanie Wolff


Foto: Stranger Things - Copyright: Netflix. ® All Rights Reserved
Stranger Things
© Netflix. ® All Rights Reserved

1. Stranger Things, Staffel 1

Die Hommage an die 80er-Jahre Horror und Mystery-Filme war der Überraschungshit von Netflix in diesem Jahr. Neben einer spannenden Geschichte bot die achtteilige erste Staffel von "Stranger Things" einen überzeugenden Cast, bei dem vor allem die Kinderdarsteller rund um Millie Bobby Brown restlos überzeugen konnten. Die kleine Episodenanzahl ermöglichten eine dichte Erzählweise mit überraschenden Wendungen und viel Emotionalität. In den "gruseligen" Szenen verzichtete man dankenswerterweise auf Gore-Elemente und den mittlerweile für Horrorproduktionen fast schon allgegenwärtigen Torture Porn und bewies so, dass eine spannende Mysteryserie mit übernatürlichem Einschlag auch ohne viel Blut und Gedärme auskommen konnte und dennoch zu gruseln vermag. Dazu kommt ein herrliches Setting, das den Zuschauer mitten in die 80er Jahre katapultiert und dort mit toller Musik und vielen liebevollen Details zu fesseln vermag. Der Cliffhanger am Ende macht zusätzlich Lust auf mehr und erhebt "Stranger Things" zu einem kleinen Meisterwerk, das vor allem davon lebte, das niemand wirklich mit einer solch grandiosen Geschichte gerechnet hatte, die eigentlich jeder kennt und doch niemand so erwartet hätte.

Foto: Jim Caviezel & Michael Emerson, Person of Interest - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jim Caviezel & Michael Emerson, Person of Interest
© Warner Bros. Entertainment Inc.

2. Person of Interest, Staffel 5

Die letzte Staffel der einst hochgehypten SciFi-Serie "Person of Interest wurde von CBS binnen weniger Wochen mit einem gänzlich undurchsichtigem Sendeplan verheizt. Dabei bot auch die finale Staffel grandiose Momente, wartete mit unüblichen Erzählstrukturen auf, gab jedem Charakter genug Raum, sich zu entfalten und brachte einen großen Teil der losen Handlungsfäden zu einem zufriedenstellenden Ende zusammen. Da die Serienmacher bereits früh wussten, dass die auf die Hälfte der Episoden verkürzte Staffel auch die letzte sein würde, konnte man gezielt auf das Ende hinarbeiten, ohne sich in zu viele Belanglosigkeiten zu verlieren. Und so verabschiedet sich die Serie, die erschreckend viele Parallelen auch in der heutigen Welt fand, mit einer würdigen finalen Staffel, in der man sich ganz am Ende auf die beiden Figuren Finch und Reese konzentrierte, die einst als Fremde zu einer reinen Zweckgemeinschaft zusammengewürfelt wurden und hier nun als wahrlich echte Freunde auseinandergingen, die aneinander gewachsen waren. Es gab viel Krawumm, tolle Sprüche, viel Action, überraschende Situationen, traurige Momente, Wut, Leichtigkeit, Witz und ein Ende, das vielleicht auf den ersten Blick ein bisschen gemein, aber vollkommen logisch ist. Hier verabschiedt sich eine Serie, die ein kleines Juwel im Network-Television gewesen ist. Schade drum.

Foto: Jonathan Banks & Bob Odenkirk, Better Call Saul - Copyright: Ben Leuner/Netflix
Jonathan Banks & Bob Odenkirk, Better Call Saul
© Ben Leuner/Netflix

3. Better Call Saul, Staffel 2

Bob Odenkirk ist nur ein kleiner Part in dieser Serie, der niemand so recht zugestehen wollte, dass sie sich einmal aus dem Schatten der Mutterserie "Breaking Bad" erheben könnte. Odenkirk trägt "Better Call Saul" zu einem großen Teil, doch es ist nicht nur sein grandioses Schauspiel, was die Serie so speziell macht, es sind auch die hervorragend gecasteten (Neben-)darsteller und die eindringliche Geschichte, die erzählt wird und deren Ende man ja eigentlich schon längst vor Augen hat. Und dennoch ist es spannend zu sehen, wie der windige Anwalt Saul Goodman dort gelandet ist, wo er nach den Ereignissen von "Breaking Bad" untergetaucht ist. Kudos an die Serienmacher, die eine eigenständige Welt auf die Beine brachten und dennoch viel vom Flair von "Breaking Bad" hinüber retten konnten. Staffel 2 setzt dabei vor auf die Dynamik der ungleichen Brüder McGee, ihre Beziehung untereinander, zu ihren Mitmenschen und zu guter letzt zu sich selbst. Dass man dabei auch in Jimmys Weggefährtin Kim Wexler und natürlich in dem immer sehr missmutigen Mike Ehrmantraut zwei sekundäre Charaktere hat, die fast noch interessantere Wandlungen durchmachen, zeigt nur, wie viel Potential noch in "Better Call Saul" schlummert.

Foto: James Franco & Sarah Gadon, 11.22.63 - Der Anschlag - Copyright: 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved
James Franco & Sarah Gadon, 11.22.63 - Der Anschlag
© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved

4. 11.22.63 - Der Anschlag

Es ist schön, wenn sich die Verantwortlichen eines Senders an einmal getroffene Absprachen halten. Und so bleibt "11.22.63 - Der Anschlag" auch die angedachte Miniserie und wird trotz guter Quoten nicht um eine weitere Staffel verlängert. Die Stephen King-Adaption des Romans "Der Anschlag" kann sich zwar nie so richtig entscheiden, ob es ein Sci-Fi-Drama, eine Liebesgeschichte oder ein Krimi sein will, doch die erzählte Geschichte ist stringent und in all ihren Facetten interessant. Vor allem das Setting in den 50er und 60er Jahren ist authentisch und nimmt die Zuschauer mit in eine Welt, wie wir sie uns heute gar nicht mehr vorstellen können. Dass der titelgebende Anschlag auf den damaligen Präsidenten John F. Kennedy am Ende das uninteressanteste Ereignis der gesamten Serie darstellt, ist unerwartet und macht die Serie am Ende zu einem wirklich interessanten, weil intelligent erzählten Märchen, mit liebevoll gezeichneten Charakteren, tollen Geschichten und vielen kleinen Details, die man vielleicht erst beim zweiten Blick so richtig zu schätzen weiß. Wen kümmert es dann schon, dass das Ende ein klein wenig vorhersehbar ist und die Zeitreisethematik sicherlich schwer vermittelbar ist. Herausgekommen ist am Ende eine tolle Adaption eines King-Romans, was ja wirklich Seltenheitswert hat.

5. Galavant, Staffel 2

Dass die unkonventionelle Musical-Serie überhaupt eine zweite Staffel erhalten würde, war angesichts der beinahe schon katastrophalen Quoten eine echte Überraschung. Die Serienmacher widmeten diesem Umstand in Folge eins auch gleich einen gesamten Song und amüsierten sich köstlich darüber, dem "Cancellation-Bear" ein Schnippchen geschlagen zu haben. Die Leichtigkeit und Unbekümmertheit merkte man dem gesamten Cast an. Die Songs waren eingängig, die Charaktere durften sich entwickeln, es gab allerhand Absurditäten und ein zufriedenstellendes Ende, das auch Raum für eine weitere Staffel gelassen hätte. "Galavant" wird in die Geschichte eingehen als skurrile Märchen-Musical-Melange, die vor allem durch einen grandiosen Timothy Omundson getragen wurde, der sichtlich Spaß an seiner Rolle hatte und diese eindimensionale Figur eines typischen Losers in einen liebenswerten Sonderling verwandelt hatte, der sein Herz stets am rechten Fleck hatte. Ich werde "Galavant" vermissen.

6. Westworld, Staffel 1

"Westworld" wurde im Vorfeld viel diskutiert und trotz einiger Längen zu Beginn der Serie entwickelte sich über die kurze Laufzeit von lediglich 10 Episoden eine spannende Science-Fiction-Geschichte mit Westerneinschlag, der mit interessanten Charakteren und undurchsichtigen Storylines aufwarten konnte, die am Ende zusammen genommen durchaus Sinn machten und doch zu überraschen wussten. Allen voran konnte Thandie Newton, als langsam zu realem Bewusstsein gelangender Android, der gegen seine Schöpfer zu rebellieren beginnt, überzeugen. Durch den Twist am Ende der Episode ergeben sich spannende Möglichkeiten für Staffel 2, die leider noch bis 2018 auf sich warten lassen wird.

Foto: Kevin Spacey & Robin Wright, House of Cards - Copyright: 2013 MRC II Distribution Company L.P. All Rights Reserved.
Kevin Spacey & Robin Wright, House of Cards
© 2013 MRC II Distribution Company L.P. All Rights Reserved.

7. House of Cards, Staffel 4

Weniger abstrakte Politik, mehr Konzentration auf das zentrale Paar Underwood. Das war das Erfolgsgeheimnis für die 4. Staffel von "House of Cards", die zwar immer noch ihre Macken und Längen hatte, aber dankenswerterweise weniger versuchte mit komplexen politischen Themen zu jonglieren und stattdessen wieder einen klaren Fokus legte. Und indem man den Präsidentschaftskandidaten Frank Underwood eben mal mittels einer Verletzung außer Gefecht setzte, gab man der bei weitem interessanteren Figur Claire Underwood den nötigen Raum, sich zu entfalten. Die Wahlkampftour war zwar stellenweise ein wenig zäh, aber es gab doch etliche sehr spannende, emotionale und unvorhersehbare Wendungen, die "House of Cards" am Ende wieder interessant machten. Und so kann man sich freuen, auf den (wahrscheinlich) letzten Akt in diesem Politdrama.

Foto: Taylor Schilling & Laura Prepon, Orange Is the New Black - Copyright: JoJo Whilden/Netflix
Taylor Schilling & Laura Prepon, Orange Is the New Black
© JoJo Whilden/Netflix

8. Orange is the New Black, Staffel 4

Kränkelte "Orange Is the New Black in der dritten Staffel vor allem ein wenig an der uninteressanten Geschichte um Hauptcharakter Piper Chapman, so tat man gut daran, sich stärker auf das Ensemble zu konzentrieren und Piper und ihre unsäglich uninteressante Beziehung zu Alex in den Hintergrund zu rücken. Es gab so viele andere spannende Geschichten zu erzählen, die unter die Haut gingen, zum Lachen brachten, schockierten, sprachlos machten und aufwühlten. Ein fassungsloses Ereignis, das man den Zuschauern in der vorletzten Episode vor die Füße knallte, gab der Staffel eine sehr düstere Richtung und ich bin gespannt, wie man Staffel 5 weiterspinnen wird.

Foto: Ellie Kemper, Unbreakable Kimmy Schmidt - Copyright: Eric Liebowitz/Netflix ® All Rights Reserved.
Ellie Kemper, Unbreakable Kimmy Schmidt
© Eric Liebowitz/Netflix ® All Rights Reserved.

9. Unbreakable Kimmy Schmidt, Staffel 2

Auch die zweite Staffel von von "Unbreakable Kimmy Schmidt" lebte in erster Linie von der tollen Darstellung von Ellie Kemper, die ihren Charakter weiterhin mit einer naiven Leichtigkeit verkörpert, dass man Kimmy einfach lieben muss. Dennoch konzentrierte man sich nicht nur auf ihre schrägen Eigenheiten, sondern zeigte Kimmy dieses Mal auch von ihrer verletzlichen Seite und deutete an, dass ein halbes Leben in Gefangenschaft Spuren hinterlässt, die selbst der kühnste Optimismus nicht immer zu verbergen vermag. Doch nicht nur Kimmys Geschichte war interessant, auch Titus Suche nach einem Sinn im Leben und Lillians Kampf gegen die Gentrifizierung ihres Viertels vermochten zu überzeugen. Lediglich die Geschichte rund um Jacqueline Vorhees ging in dem liebevollen Gagfeuerwerk dieses Mal ein wenig unter, aber das machte Tina Fey mit ihrem grandiosen Geschick und einem fabelhaften Timing schnell wieder weg.

Foto: Jeffrey Dean Morgan, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Jeffrey Dean Morgan, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

10. The Walking Dead, Staffel 6B

Der zweite Teil der 6. Staffel stand ganz im Zeichen einer dunklen, unfassbaren Bedrohung, die den Namen Negan erhielt. In den Comics war dieser einer der zentralen Antagonisten und so durfte man gespannt sein, wie Robert Kirkman und Scott Gimple ihn auf die Leinwand brachten. Das Warten dauerte lange, sein Name und sein Schatten schwebte lange Zeit über den Episoden, ohne dass er greifbar wurde. Als er jedoch endlich die Bildfläche betrat, da war klar - Negan würde der Serie eine neue Ausrichtung geben. Der Aufbau Alexandrias, Ricks Arroganz und Überheblichkeit, die moralischen Zweifel, die immer wieder gesät wurden - all das gipfelte in einem grandiosen Finale, das leider dadurch abgewertet wurde, dass man sich eines abgedroschenen Cliffhangers bediente. Abgesehen davon jedoch war die zweite Hälfte von Staffel 6 definitiv sehenswert.

Melanie Wolff - myFanbase

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