Bewertung: 7

Review: #5.07 Stürme des Lebens

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Maisy Stella & Lennon Stella, Nashville
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Kaum habe ich mich in meiner letzten Review zu "#5.06 A Little Bit Stronger" darüber beschwert, dass Deacon zu wenig zu tun hat und Rayna endlich mal an ihrem neuen Album arbeiten könnte und schon stehen genau diese Kritikpunkte im Zentrum der neuesten Ausgabe von "Nashville". Das tat der Folge auch gleich in mehrfacher Hinsicht gut. Die Handlung nahm nämlich größtmöglichen Raum ein und ließ so nur wenige Gelegenheiten für weitere Geschichten, die aus inhaltlicher Sicht ohnehin qualitativ stark abfielen. Außerdem war die Fokussierung auf Rayna und Deacon eine wohltuende Rückbesinnung auf den ursprünglichen Kern der Serie und stellte dabei nicht nur die Entstehung von Songs in den Mittelpunkt, sondern zugleich auch eins der Serienpaare schlechthin. Das war wirklich mehr als überfällig und sorgte auch umgehend für eine über weite Strecken erzählerisch hochwertige Episode.

Wenn man also mal die eher unspektakuläre Stalker-Geschichte und die Label-Thematiken pausieren lässt, ist es doch wirklich schön zu sehen, dass eine Konzentration auf eine persönliche Geschichte für sich alleine stehend, hervorragend funktionieren und wirken kann. Die gemeinsame Arbeit am neuen Duett-Album griff also noch einmal die uns bekannte schwierige Vergangenheit von Rayna und Deacon auf. Das brachte uns Zuschauern nun zwar keine neuen Erkenntnisse, bot aber einen realistischen Blick auf die Themen, die beide im Entstehungsprozess der neuen Songs beschäftigten. Schließlich soll das Album ja eine Lebensretrospektive abbilden und da war ja nun wahrlich nicht immer nur alles eitel Sonnenschein in der Vergangenheit. Die Flashbacks, die Rayna umtrieben, erinnerten dabei im Stil ihrer visuellen Umsetzung an den Staffelauftakt, als Rayna sich auf ihrem Roadtrip befand, der quasi erst die Inspiration für das geplante Album war. Es war aber auch aus beiden Perspektiven nachvollziehbar, dass die Vergangenheitsbewältigung alte Wunden aufreißen wird, die bei beiden ihre Spuren hinterließen. Verständlich ist auch, dass diese eher dunklen Stunden zwar prägnante Ereignisse und damit ideale Aufhänger für die Bewältigung in Form von Songs sind, aber dabei auch so persönliche Momente abbilden, die man nicht gerne mit der Öffentlichkeit zu teilen bereit ist. Das zeichnet rückblickend insbesondere ein eher negatives Bild von Deacon und somit ist auch klar, dass er nicht wirklich davon begeistert ist, Dreh- und Angelpunkt der Liedtexte zu sein. Zeitgleich wird mit dem den Songprozess begleitenden Kameramann, dieses Thema noch einmal aufgegriffen. Weder Rayna noch Deacon wollen ihn an ihren intimen Momenten teilhaben lassen. Aber was ist der Sinn dahinter, wenn die Fans am Ende nur Belanglosigkeiten präsentiert bekommen. Das zeigt die Gratwanderung, auf der sich Künstler heutzutage bewegen (müssen). Während viele Songschreiber tatsächlich private Ereignisse in ihren Songs verarbeiten, diese aber auch bis zu einem gewissen Grad anonymisieren bzw. verallgemeinern können, ist dies in Sachen Öffentlichkeitsarbeit schon schwieriger. Wie weit ist man bereit, die Fans an seinem (Privat-)Leben teilhaben zu lassen und wo zieht man die Grenze? Während junge Stars mit sozialen Medien aufgewachsen sind und sich darin gekonnt bewegen, fällt dies Künstlern aus älteren Generationen offenbar schwerer. Rayna und Deacon haben diesbezüglich noch Nachholbedarf oder müssen sich vielmehr darüber klarwerden, was sie zu teilen bereit sind.

Eines zeigt sich jedoch deutlich: die beiden haben gemeinsam schon so viel er- und durchlebt, dass die Aufarbeitung allein nun kein Grund dafür ist, erneut im Streit miteinander zu brechen. Auch wenn die beiden vorübergehend miteinander hadern und mir durchaus kurz den Schrecken einjagten, es könne doch noch ein handfester Streit entstehen. In der aktuellen Situation traue ich den Autoren auch diesen in meinen Augen aber völligen Irrweg zu. Aber es kam doch anders und es war schön zu sehen, wie die beiden sich schnell wieder zusammenrauften und ganz Teenager-like auf ein Date gingen, Bowling und Knutschen in der Seitengasse inklusive.

Gut gefiel mir auch, dass die weiteren Handlungsstränge ebenfalls eng mit Raynas Vergangenheit verknüpft waren. So gab es zunächst einmal "mütterliche" Ratschläge, denn ihre Unterhaltung mit Scarlett zeigte uns die Parallelen ihrer Beziehung zu Deacon mit der von Scarlett und Gunnar auf. Die Schwierigkeiten im Zusammenleben zweier Künstler offenbaren sich gerade ja auch bei diesen beiden. Rayna hat es jedoch schön auf den Punkt gebracht und machte dem abwesenden Deacon damit zugleich ein schönes Liebesgeständnis. Ich hoffe doch sehr, dass Raynas Worte Inspiration genug für Scarlett waren, auch an ihrer Beziehung zu Gunnar zu arbeiten. Leider Gottes drohen mir hier die Autoren einen Strich durch die Rechnung zu machen, denn dem Flirt mit Damien dem Regisseur scheint doch noch einiges an Gewicht gegeben zu werden. Dabei hatte ich kurzzeitig das Gefühl, dass nach Scarletts durchaus harscher Ansage an Gunnar, die die beiden immerhin wieder ins gemeinsame Bett brachte, dass deren Probleme damit aus der Welt geschaffen sein würden. Leider kam dann der Blick auf Scarletts Handy und die eingehenden Nachrichten von Damien. Weiteres Drama scheint uns damit bevorzustehen und ehrlich gesagt, habe ich auf diese Geschichte überhaupt keine Lust.

Eine weitere Parallele sehe ich bei Rayna und Maddie. Auch Maddie hat mit Clayton einen Künstler als potentiellen Love-Interest und noch dazu jemanden, der mit einer nicht unerheblichen Krankheit zu kämpfen hat. Meines Erachtens lässt sich diese Situation durchaus mit Rayna und ihren ganz persönlichen Kampf mit Deacon und dessen Alkoholproblemen in der Vergangenheit vergleichen. Während Maddie zwar noch ganz am Anfang ihrer Beziehung steht, ist die Ausgangssituation durchaus ähnlich und Maddie handelt bereits jetzt schon wie ihre Mutter, indem sie wohlwissend bereit ist, sich auf Clayton und seine Krankheit einzulassen. Das ist löblich, insgesamt aber auch wenig überraschend. Die Handlung tritt gerade ein wenig auf der Stelle bei den beiden und ist damit nach dem hohen Erzähltempo zu Beginn ihres ersten Aufeinandertreffens etwas enttäuschend.

Nachdem das in der vergangenen Woche mit dem Wunsch nach mehr von Deacon und Rayna so gut funktioniert hat, wünsche ich mir dieses Mal, dass wir beim nächsten Mal wieder mehr von Will zu sehen bekommen, der seit seiner Trennung von Kevin zuletzt kaum noch eine Rolle spielte. Das zuletzt von Zach gezeigte Interesse an Will, könnte nun auch einmal etwas konkreter und ausführlicher thematisiert werden.

Fazit

Hätte sich die Folge inhaltlich noch mehr auf Rayna und Deacon fokussiert und die schon in ihrem Ansatz nervende Dreier-Konstellation aus Scarlett, Gunnar und Damien außen vor gelassen, hätte die Episode sogar Potential für eine noch höhere Bewertung gehabt. Die Aufarbeitung der uns zwar bekannten Vergangenheit wurde jedoch schön in den Entstehungsprozess des neuen Albums integriert und zeigte uns mit dem Date, aber auch mit dem vorübergehenden Zerwürfnis noch einmal alle Facetten, der bewegten Beziehung von Rayna und Deacon, die sie letztendlich geprägt und gestärkt hat.

Jan H. – myFanbase


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