Bewertung: 2

Review: #5.08 Stand Beside Me

Foto: Hayden Panettiere, Nashville - Copyright: 2012 Andrew McPherson/ABC/Lionsgate
Hayden Panettiere, Nashville
© 2012 Andrew McPherson/ABC/Lionsgate

Oh Himmel hilf, und zwar ganz besonders den Autoren. Die aktuelle Folge war für mich zumindest der kreative Super-GAU. Fällt den Schreibern denn wirklich nichts mehr Neues ein? Beim Cliffhanger am Ende der Episode hatte ich zumindest ein Déjà-vu, denn eine ganz ähnliche Situation hatten wir doch bereits im Staffelfinale der ersten Season. Damals saß Rayna am Steuer neben dem betrunkenen Deacon, als sie in einen Unfall verwickelt wurde, nachdem sie schließlich im Koma lag. Der Unfall zum jetzigen Zeitpunkt kam vielleicht überraschender als noch in Staffel eins, dennoch haben wir das doch alle schon einmal gesehen. Noch dazu frage ich mich, warum das an dieser Stelle überhaupt nötig war? Oder soll das die ursprünglich angekündigte reduzierte Folgenanzahl mit Connie Britton einleiten? Eine lange Zeit im Koma könnte ihre Abwesenheit natürlich erklären. Für mich war das aber irgendwie unpassend und machte die unerwartet bereits zu ihrem Ende kommende Auflösung der Stalker-Geschichte dadurch auch nicht besser.

Diese wiederum bot nämlich ebenfalls nicht gerade eine wahnsinnig innovative Auflösung der Handlung. Denn das, was sich da in Raynas Büro bei Highway 65 abspielte, fühlte sich ebenfalls an, als hätte man das Dargebotene so oder so ähnlich schon zigmal in einer Serie oder einem Film gesehen. Und das wahrscheinlich spannender und vor allem auch logischer. Wie bescheuert war es eigentlich von Raynas Bodyguard, die Räumlichkeiten zunächst (halbherzig) zu durchsuchen und sich dann nach der Freigabe der Büros zurück in das Auto VOR dem Label zurückzuziehen? Sorry, aber das war mir wirklich zu gewollt auf Drama inszeniert. Genauso gut hätte sich der Bodyguard auch einfach in den Empfangsbereich oder eines der anderen Büros setzen können, um Rayna ihre Privatsphäre zu geben. Von dort aus hätte er wenigstens aufgrund der Glaswände einen Blick auf sie gehabt. So aber bestand nicht einmal Sichtkontakt. Auch im Nachhinein kann ich da wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Das direkte Aufeinandertreffen des Stalkers und Rayna lief wie bereits angesprochen auch nach Schema F ab. Rayna spielte die Verständnisvolle, um sich sein Vertrauen zu erschleichen und ihn in Sicherheit zu wiegen. Das war meilenweit vorauszuahnen, genauso wie ihr Versuch, dann per Handy den Notruf zu rufen. Die anschließende Eskalation inklusive Polizeieinsatz lief ebenfalls routiniert ab. Aber auch hier fragte ich mich, ob die Polizisten nicht vielleicht doch etwas zu riskant vorgingen, schließlich hatte der Täter ein Messer zur Hand und Rayna war somit durchaus in Gefahr. Also nicht, dass ich besonders Angst um sie gehabt hätte, aber die Situation war doch in der Tat gefährlich und ich meine, da hätte die Polizei nicht weiter so forsch vorrücken dürfen. Aber im Grunde ist es mir auch egal, die Hauptsache ist, dass diese Geschichte für mich ein überraschend schnelles Ende genommen hat. Zu der nachfolgenden Szene im Auto ist bereits alles gesagt.

Bevor es jedoch zu diesen dramatischen Höhepunkten kam, gab es auch noch Szenen von Rayna mit ihren Töchtern. Bei Maddie stehen die Zeichen inzwischen auf Versöhnung mit ihrer Mutter, nachdem diese bei Claytons Auftritt vorbeischaute, ihm danach ihr Lob aussprach und ihn ins Label zu einem Gespräch einlud. Es scheint, als wären Raynas Bedenken aufgrund des Altersunterschieds auf einmal wie weggeblasen und somit ist Maddie auch wieder friedlich gestimmt. Von mir aus. Ich fand den Streit, bzw. Raynas Bedenken, ohnehin etwas übertrieben. Was uns jetzt genau die Geschichte mit Daphnes erster Periode zu sagen hatte, erschließt sich mir allerdings nicht. Das war insgesamt doch ziemlich unnötig und nahm mir auch zu viel Raum in der Folge ein.

Leider hatten auch die weiteren Handlungsstränge der Folge wenig Spannendes zu bieten. Juliette durfte mal wieder die alte Juliette spielen. Es hätte sie doch wirklich nicht überraschen dürfen, dass der Gospel-Chor der Kirche nicht gleich vor Freude auf ihren Plan eines gemeinsamen Albums einstimmen würde. Inzwischen dürfte auch sie gelernt haben, dass ihr Name und ihr Geld nicht sofort zum Ziel führen, wenn es um "einfache" Leute geht, die nicht aus dem Umfeld der Schönen und Reichen stammen. Vielleicht hätte sie zunächst besser auf Hallie hören sollen, die sie bereits vor dem ersten Gespräch warnte, dass Juliette sich das zu einfach vorstellt. Aber natürlich war ihr Lerneffekt schon innerhalb dieser Folge vollzogen und die Chor-Mitglieder ebenfalls besänftigt. Somit steht den Aufnahmen also wohl nichts mehr im Wege. Auch hier lief mir die Geschichte zu sehr nach Schema F und alles schon einmal gesehen ab. Ermüdungserscheinungen machen sich breit. Wo sind die Innovationen?

Wenig innovativ geht es auch in der inzwischen zu einer Dreiecksbeziehung ausgearteten Paarung aus Scarlett und Gunnar zu, die von Damien, dem Regisseur ihres Musikvideos, komplettiert wird. Es ist zwar durchaus löblich von Scarlett, dass sie ihre Gedanken so offen und ehrlich an Gunnar kommuniziert und sich nicht heimlich hinter seinem Rücken mit Damien trifft. Dennoch ist mir Scarletts Auftreten in der Sache nicht besonders sympathisch. Während sie gerade noch Gunnar glaubhaft zu versichern versucht, dass ihre Anziehung zu Damien nichts mit Sex zu tun hat, landet sie gefühlt nur wenige Augenblicke später mit diesem im Bett. Das ist nicht nur recht untypisch für Scarlett, sondern es will mir auch nicht einleuchten, dass allein die Erfahrung aus dem Videodreh eine doch so deutliche charakterliche Entwicklung ausgelöst hat. Zugegebenermaßen habe ich ja eine Vorliebe für britische Schauspieler in amerikanischen Serien und Damien ist ja auch durchaus eine interessante, wenn auch etwas grob gezeichnete Figur, aber dennoch will mir die Handlung nicht so recht schmecken. Das ganze Theater in Staffel vier um Scarlett und Gunnar, das schließlich in der Wiedervereinigung der "The Exes" mündete wird mit dieser Konstellation einfach wieder mir nichts dir nichts über den Haufen geworfen. Das ist schade, weil die beiden seit Serienbeginn eine tolle Chemie miteinander hatten. Inzwischen ist mir deren Beziehung aber durch das ständige Hin und Her nur noch egal. Ich hoffe, man belässt es damit nun endlich bei ihrem Beziehungsstatus. Ein erneutes Zusammenkommen macht die Geschichte nicht glaubhafter. Es wundert mich jedoch ein wenig, wie passiv sich Gunnar in der ganzen Sache verhält. Er nimmt mir Scarletts Verhalten einfach zu sehr hin bzw. scheint dadurch so gekränkt zu sein, dass es ihn lähmt, anstatt um ihre Liebe zu kämpfen.

Vielleicht hätte eine Story mit Will die Folge noch etwas retten können. Aber irgendwie scheinen die Autoren ihn auch in dieser Staffel wieder mehr als sträflich zu behandeln. Das dürfte jetzt bereits die dritte Episode in Folge gewesen sein, in der er gar keine oder zumindest keine relevante Szene hatte. Angesichts der Sackgassen, in der manche Geschichten gerade stecken, wäre es dagegen doch vor allem bei seinem Charakter möglich, mal eine neue Richtung einzuschlagen und sich nicht in den Erzählungen zu wiederholen.

Fazit

So nah liegen Freude und Leid beieinander. Nach der besten Folge der laufenden Staffel in der vergangenen Woche, war das definitiv der Tiefpunkt. Die zu diesem Zeitpunkt überraschende Auflösung der Stalker-Geschichte ist zwar herzlich willkommen, der Auto-Crash im Anschluss jedoch nur ein Punkt von vielen, der offenbart, dass "Nashville" aktuell inhaltlich und kreativ völlig am Boden liegt. Ich hoffe, die Serie bekommt schnellstmöglich die Kurve und kann auch wieder mit packenden Geschichten punkten, statt nur zum Gähnen und Augenrollen anzuregen.

Jan H. – myFanbase


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